Tourismus

Werbung fürs kostenlose Internet

Kostenlosen Zugang zum Internet suchen Besucher Halberstadts meist vergebens. Der Verein Freifunk kann helfen.

Von Theo Weisenburger

Halberstadt l Es ist zwar nur eine kleine Zugabe, aber eine, ohne die es heutzutage eigentlich nicht mehr geht. Sabine Hannibal bietet seit einigen Wochen in ihrem kleinen KuC Kultur-Café in der Voigtei kostenloses Internet für ihre Gäste an. Das ist nichts Außergewöhnliches. Doch besonders ist der Anbieter dieses Internetzugangs – es ist der Verein Freifunk Harz.

Der 2014 gegründete Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, überall im Harz kostenfreien Zugang zum Internet zu ermöglichen. Wer mitmachen möchte, muss lediglich für knapp 70 Euro einen Router kaufen, diesen an den eigenen Internetzugang anschließen und von Freifunk bereitgestellte Software installieren. Gäste, Museumsbesucher oder Passanten, die sich in der Nähe eines solchen Internetknotens aufhalten, können dann kostenfrei mit Smartphone oder Laptop im Internet surfen. Dem Betreiber des Routers, also zum Beispiel KuC-Chefin Hannibal, entstehen keine weiteren Kosten.

Den Gästen von Sabine Hannibal gefällt das Angebot. „Das hat sich schon rumgesprochen“, sagt sie. Es kommt immer häufiger vor, dass Gäste, Studenten zumeist, im Café den Laptop aufklappen und es sich gemütlich machen. Dem Ruf des Cafés nutzt das bestimmt, glaubt die Chefin. Und Schaden können die Surfer nicht anrichten, denn obwohl Sabine Hannibal den Internetzugang zur Verfügung stellt, haftet sie nicht für illegale Aktivitäten der Nutzer. Die Verantwortung dafür übernimmt Freifunk. Da der Verein das Provider-Privileg besitzt, kann er nicht zur Verantwortung gezogen werden, sagt Vereinsvorständler Thomas Warnecke.

Das gefällt Sabine Hannibal. Ihren eigenen Internetzugang würde sie aus Haftungsgründen nur ungern zur Verfügung stellen, doch die Freifunk-Variante findet sie gut – und will dafür nun werben. Gerade in der Altstadt gebe es viele Geschäfte und Restaurants, deren Kunden sich über solch ein Angebot freuen würden.

Das wiederum fände Christian Matthias gut. Er ist im Verein für Halberstadt verantwortlich und hat Sabine Hannibal bei der Installation ihres Freifunk-Zugangs unterstützt. Einige andere Anbieter gebe es noch in der Stadt, allerdings sehr wenige. Im Gegensatz etwa zu Quedlinburg. Als dort die ersten Router installiert wurden, habe sich das schnell unter den Gastronomen und Ladenbesitzern herumgesprochen. Mittlerweile ist die Innenstadt nahezu flächendeckend mit kostenlosem Internet versorgt – zur Freude von Passanten und Touristen.

Die Halberstädter tun sich damit offenbar noch etwas schwer. Vor gut einem Jahr habe er in Geschäften vorgesprochen, um für das Freifunk-Angebot zu werben, sagt Matthias. Meist sei er abgeblitzt, „die glaubten alle, ich will etwas verkaufen“. Dabei verdient der Verein nichts mit seinem Angebot, die Mitglieder sind ehrenamtlich unterwegs.

Die Stadtverwaltung plant, sich Freifunk anzuschließen, teilte Rathaussprecherin Ute Huch mit. In den kommenden Tagen gebe es Gespräche mit dem Verein mit dem Ziel, rund ums Rathaus und in anderen städtischen Einrichtungen kostenlose Netze zu etablieren. Im Herbst könnte es soweit sein.