Stötterlingen l Alte Bekannte und neue Gesichter sah das Seifenkistenrennen in Stötterlingen. Seit dem Jahr 2000 wird es auf der abschüssigen Dorfstraße von der örtlichen Feuerwehr ausgerichtet. Die Stötterlingener haben damit langen Atem bewiesen, denn Veranstaltungen in Dardesheim und Halberstadt sind längst Geschichte.

Dabei haben die Stötterlingener durchaus ein Auf und Ab erlebt. In der Spitze waren es schon mal 30 Fahrer gewesen, voriges zum Beispiel nahmen nur zwölf Piloten teil. Diesmal also 22. Worüber sich die Organisatoren um Feuerwehrchef Uwe Ahrens freuten. „Die Leihkisten kamen gut an“, sagte der Wehrleiter. Erstmals konnten sich potenzielle Fahrer mit einem vor Ort geliehenen Gefährt beteiligen. Denn eine Seifenkiste ist nicht mal so schnell und einfach gebaut.

Frieda Hausmann nutzte solch eine Leihkiste. „Ich hatte davon in der Zeitung gelesen“, sagte ihre Mutter Martha Hausmann. Die Achtjährige aus Osterwieck setzte sich zunächst beim freien Training mutig ins Fahrzeug und überstand auch ihre beiden Wertungsläufe mit Bravour. „Ich konnte gar nicht hinsehen“, gestand hingegen ihre Mutter.

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Auch sonst ist nichts passiert bei diesem Rennen. Nicht umsonst schreiben die Ausrichter funktionierende Bremsen und einen Helm vor. 17 der bisher 19 Rennen hat Herbert Barner absolviert. Dass es nicht 18 sind, lag vor Jahren an einem Sturz beim Training. Seine Rennkiste, mit der der heute 75-Jährige schon mehrfach gewonnen hat, verfügt nur über drei Räder. Der Lenker muss also fest in den Händen liegen.

Auch bald am Start

Enkelin Alina Barner fährt noch mit Opas alter Kiste, die etwas sicherer, aber eben langsamer unterwegs ist. Sie hat indes schon ein Auge auf die Dreirädrige geworfen. In zwei Jahren, wenn sie 18 ist, möchte sie damit an den Start gehen.

„Nächstes Jahr will ich nochmal antreten“, sagte Herbert Barner. Als Titelverteidiger ging er am Sonnabend ins Rennen und wurde Zweiter. Mehr als er erwartet hatte. „Die Jugend kommt nach“, stellte er fest.

Das trifft wohl noch mehr fürs kommende Jahr zu, wenn auch Johannes Daus 16 Jahre alt ist und bei den Erwachsenen starten darf. Als Jugendlicher war sein Vorsprung dieses Jahr schon so gravierend, dass man auf die Messung von Hundertstelsekunden hätte verzichten können. Papa Matthias Daus als „Chefmechaniker“ überließ wenig dem Zufall. Die offenen Kugellager wurden vor jeder Fuhre gereinigt, vor allem drehen sie sich ohne Öl oder Fett. Ein Tipp von Spezialisten, wie Matthias Daus sagte.

Erwachsenenwertung

Gewonnen hat die Erwachsenenwertung dann übrigens doch kein aufstrebender Nachwuchsfahrer, sondern ein Team aus der Partnerfeuerwehr Salzgitter-Watenstedt. Deren Seifenkiste ist ein Feuerwehrauto und schon seit vielen Jahren stets vorn dabei.

Uwe Ahrens freute sich, dass dieses Jahr so viele schön anzusehende Seifenkisten dabei waren. Nach einer Publikumswahl wird alljährlich der Pokal nach dem Motto „originell statt schnell“ vergeben. Und den hat mit knappem Vorsprung der sechsjährige Tim Rollnik gewonnen.

Kandidaten gab es mehrere. Kristin Krüger hatte im Vorjahr diesen Pokal eingeheimst. „Heidi“ hieß das neue Motto, das bei ihrer Schwester im Hause Schrader künstlerisch und handwerklich umgesetzt wurde.

Nächstes Jahr steht das 20. Seifenkistenrennen an. Gesprochen wurde darüber auch jetzt schon. „Wir lassen uns etwas Besonderes einfallen“, versprach Uwe Ahrens. Erste Vorschläge machten die Runde. Gewiss wird die Erbsensuppe dazugehören, die jetzt erstmals aus der Gulaschkanone gereicht wurde. Philipp Jesse und Rolf Ebeling machten sich schon morgens um halb sieben an die Arbeit an dem von der Feuerwehr Deersheim ausgeliehenen mobilen Herd. „Mittagessen, Kaffee und Kuchen waren gut besucht“, sagte Uwe Ahrens. Was wäre also Stötterlingen ohne Seifenkistenrennen. „Es würde etwas fehlen, wenn es nicht mehr wäre.“