Osterwieck l Manchmal stutzt Robert Wüstemann und muss überlegen. Wer hat ihn da gerade auf der Straße gegrüßt? Aber so ist das, wenn man auf ungezählten Festen und Feiern in der Region im Mittelpunkt steht. Nicht als Entertainer, sondern bei der Versorgung. Denn etwas essen möchte jeder Gast.

Ein Sternekoch für Fünf-Gänge-Restaurantmenüs ist Robert Wüstemann nicht. Seine Welt ist der Imbiss-Wagen. Er steht auf Fastfood. Und mit ihm seine Gäste.

Imbiss gibt es seit 2012

Selbst für Familienfeiern und gar Hochzeiten wird er mit seinem Wagen engagiert. „Sie sind meist in meinem Alter“, sagt der 35-Jährige, der seit 2012 den Imbiss namens „Little Diner“ führt. Unter der Woche steht dieser an einem festen Platz in der Osterwiecker Altstadt, am Wochenende wird dann der Transporter vorgespannt, geht es auf Reisen nicht nur in die Nähe. Denn der bekennende Opel-Fan bewirtet häufig auf Autotreffen, ist dafür von Dresden bis Hannover unterwegs. „Da ist dann auch ein Fünkchen Hobby bei“, sagt er.

Seit 2012 ist Robert Wüstemann selbstständig. Sein Berufsweg war ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt worden, verlief aber keineswegs geradlinig. Aufgewachsen in Lüttgenrode, betrieb seine Mutter dort eine Küche, die Kindereinrichtungen und Privatleute belieferte. „Da habe ich oft mit geholfen.“ Nach der zehnten Klasse lernte Wüstemann Koch.

Lehre in Altenau

Dazu ging er in den Oberharz nach Altenau. „In dem Restaurant wurde gutbürgerlich gekocht, immer deftig, viel Wild. Wir Lehrlinge mussten alles können. Kochen, Salate, Dessert, Eisbecher, Teller anrichten. Es war eine gute Schule.“ Der Nachteil freilich, dass man quasi nur für die Arbeit lebt. Am Herd von morgens bis zum frühen Nachmittag und dann am Abend nochmal, sechs Tage die Woche.

Nach der Ausbildung suchte Robert Wüstemann eine Weile seinen Weg. Er kochte im Osterwiecker „Waldhaus“, in Halberstadt und Braunschweig. Letztendlich „landete“ er aber wieder daheim, bei seiner Mutter, die mit ihrer Küche mittlerweile in die Osterwiecker Altstadt umgezogen war.

Der Sohn setzte sich zunächst ans Autosteuer, um die „Essen auf Rädern“ auszufahren. „Es war schwer, Mutter vom Herd wegzudrücken“, sagt er. Aber irgendwann war er dann doch wieder Koch, was er ja gelernt hat.

2011 Absprung in Selbstständigkeit

2011 war ein Jahr, in dem Mutters Küche sehr viel Geld hätte investieren müssen, um den schärfer gewordenen Normen entsprechen zu können. Daher stellte sie die Belieferung von Kindereinrichtungen ein. Damit war freilich weniger Personal nötig. Der Zeitpunkt für den Absprung des Sohnes in die Selbstständigkeit. Wobei der Sprung nicht weit war, denn der Imbiss-Wagen steht gleich vor der Küche.

Ein Sprung aber ins Ungewisse. Aber schon der erste Arbeitstag, es war im Januar, brachte weit mehr Umsatz als erhofft. Längst hat der Imbiss-Wagen in der Altstadt sein Stammpublikum. Morgens die Rentner, die zum Klönen kommen. Mittags die Bauarbeiter. „Manche Betriebe bestellen auch vor und holen ihr Essen ab.“ Und oft mittendrin bei seinen Gästen Robert Wüstemann. „Man sabbelt ja selber auch gern und viel.“ Ein Zurück in die Küche könnte er sich momentan nicht vorstellen. „Ich möchte nicht mehr an die Wand gucken.“

Die ganze Woche unterwegs

Täglich sechs Stunden hält Wüstemann unter der Woche seinen Imbiss offen. Eine tolle Arbeitszeit, mag mancher denken – sieht aber nicht, was er in den anderen sechs Arbeitsstunden des Tages macht. Lebensmittel einkaufen, putzen, Buchhaltung, zu den Kunden fahren und das Essen für deren Feiern absprechen. In der warmen Jahreszeit ist Wüstemann sieben Tage die Woche unterwegs.

Außer er leistet sich eine kurze Auszeit für den „Osterwiecker Tuningday“. Ende Juli treffen sich Hunderte Autofreaks auf dem Anger. Wüstemann ist der Kopf der Truppe, die das Treffen organisiert.

Und der 35-Jährige hat noch eine weitere Mission. Von Kindheit an engagiert er sich im Deutschen Roten Kreuz. „Absicherungen von Veranstaltungen schaffe ich heute zeitlich nicht mehr“, sagt er. „Aber bei Übungen bin ich dabei.“ Zuletzt bei der DRK-Großübung im April in Osterwieck. 2015 war Wüstemann mit im Hochwassereinsatz an Elbe und Saale gewesen. Im Verpflegungszug des DRK, natürlich als Koch.