Halberstadt l Unter den Händlern des Wochenmarktes in Halberstadt gärt es. Dass die Stadt erwägt, den Wochenmarkt vom Breiten Weg auf den Holzmarkt zu verlegen und ihn zu privatisieren, bringt sie auf die Palme.

Blumen-Rudi hat eigentlich immer gute Laune, wenn er mit seinem Sortiment auf dem Wochenmarkt in Halberstadt steht. Rudolf Hoffmeister, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, ist ein Urgestein des Wochenmarktes. Seit 30 Jahren kommt er aus dem heimat­lichen Bodenstedt in Niedersachsen zweimal die Woche in die Kreisstadt. Die gute Laune verschwand, als er von den Plänen der Stadtverwaltung hörte.

Marktgebühren mit die höchsten in der Region

„Das ist doch absoluter Mist. Ich kann nur davor warnen, den Markt zu privatisieren. Der gehört in städtische Hand. So ein Höhepunkt im Leben der Stadt darf nicht privatisiert werden“, sagt ­Rudolf Hoffmeister. Seiner Meinung nach wäre es auch ein Fehler, ihn auf dem Holzmarkt zu verlegen. „Für den Breiten Weg wäre das fatal. Der Markt zieht Leute an und belebt die ansonsten tote Fußgängerzone ungemein.“ Man müsse schließlich daran denken, dass die geplante Sanierung des Breiten Weges, um ihn attraktiver zu gestalten, geplatzt ist. „Das Projekt hat die Stadt aus Geldnot gestrichen.“

Die Händler fürchten, dass mit einer Privatisierung die Kosten steigen könnten. „Die Standmieten auf dem Halberstädter Markt sind mit 70 Euro ohnehin schon in der Region mit die höchsten. In Wolfenbüttel zahle ich nur 40 Euro“, sagt Karin Boldt aus Pabstorf, die seit 1995 mit ihrem Stand zweimal die Woche in die Kreisstadt kommt. Von einem Umzug auf den Holzmarkt hält sie ebenfalls nichts. „Hier ist zweimal in der Woche richtig viel Publikumsverkehr, der belebt den sonst ausgestorben wirkenden Breiten Weg, und den ansässigen Geschäften beschert es zusätzlich Kunden und Umsatz.“

Das bestätigt Guido Böttcher, der seit 22 Jahren dort ein Gardinenstudio führt. „Der Markt muss auf dem Breiten Weg bleiben. Wir Einzelhändler leben von der Kundschaft, die der Wochenmarkt anzieht. Wer dort etwas kauft, nutzt die Gelegenheit und schaut in die Geschäfte.“ Verschwindet der Markt vom Breiten Weg, bekämen alle dort ansässigen Geschäftsleute große Probleme. Arbeitsplätze wären gefährdet.

Betreiber kündigt Vertrag mit Halberstadt

Im Februar stellte die Stadtverwaltung Halberstadt ­Pläne vor, den Wochenmarkt zu privatisieren und zu verlegen. Ausschlaggebend dafür sei, dass der Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala als Betreiber in den zurückliegenden Jahren nur noch rote Zahlen schrieb. Konsequenz daraus, der Stala kündigte. Jetzt muss die Stadt über die Zukunft des Marktes entscheiden.

Das Minus im Jahr 2015 belief sich auf 988,31 Euro, 2016 auf 214,83 Euro. Einen deutlichen Sprung in den roten Bereich verzeichnete der Stala 2017 mit minus 8002,43 Euro. Ob 2018 ein neuer Negativ-Rekord geschrieben wurde, steht noch nicht fest, weil keine Zahlen vorliegen.

Warum der Wochenmarkt miese Ergebnisse liefert, kann Stala-Geschäftsführerin Ulrike Lemme zurzeit noch nicht begründen. Auf Nachfrage hieß es am gestrigen Freitag, dass die vorliegenden Ergebnisse geprüft werden, um die Gründe benennen zu können. Das würde bis Ende der kommenden Woche dauern. Dann will Ulrike ­Lemme das Ergebnis präsentieren.

Liste mit Vor- und Nachteilen wird erstellt

Für das weitere Verfahren zur Zukunft des Wochenmarktes stellt die Ordnungsabteilung in Zusammenarbeit mit der Stala zeitnah alle Fakten zusammen und wird ­Nachteile und Vorteile der Varianten aufzeigen. Nach der Debatte in der Dienstberatung des ­Oberbürgermeisters geht das Papier als Diskussionsgrundlage in den Ordnungsausschuss zur weiteren Beratung, informiert Rathaussprecherin Ute Huch.