Halberstadt l Unter den Händlern des Halberstädter Wochenmarktes kursiert seit Kurzem das Gerücht, dass die Stadt den Markt privatisieren und vom Fischmarkt beziehungsweise Breiten Weg auf den Holzmarkt verlegen will. Thomas Dittmer vom städtischen Ordnungsamt bestätigte während der Tagung des städtischen Ordnungsausschusses am Dienstag, dass der Plan kein Gerücht ist, sondern ein Fakt. Danach plant die Verwaltung, den Wochenmarkt ab 2020 an einen privaten Betreiber zu vergeben.

Hintergrund für die Diskus­sion über die Zukunft des beliebten Wochenmarktes ist, dass er für den Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala ein Zuschussgeschäft sei, begründete Thomas Dittmer den geplanten Schritt. Die Stadtverwaltung hat bereits vor Jahren den städtischen Eigenbetrieb Stala mit der Ausrichtung und Betreuung beauftragt. Nach erfolgter Kündigung durch den Stala habe man sich mit mehreren Modellen zur Zukunft des Marktes beschäftigt. Vorschlag ist, den Wochenmarkt im Sommer auszuschreiben und ab 2020 in private Hand zu geben.

Außerdem soll er künftig nicht mehr auf dem Fischmarkt/Breiten Weg stattfinden, sondern auf dem Holzmarkt vor dem Rathaus. „Dazu haben wir uns entschlossen, weil auf dem Fischmarkt häufig Veranstaltungen stattfinden. Der Holzmarkt liegt näher an der vielbefahrenen Heinrich-Julius-Straße. Damit ist der Werbe-Effekt für Markt und Händler größer“, begründete Thomas Dittmer den Plan. Platzeinbußen gebe es durch den Umzug nicht.

Stirbt Breiter Weg ohne Wochenmarkt aus?

„Mir ist schleierhaft, ­warum der Markt keine schwarzen Zahlen schreiben soll. Er wird sehr gut von den Kunden angenommen“, sagt Rudolf Hoffmeister, alias Blumen-Rudi. Er betreibt seit Jahren einen Stand auf dem Halberstädter Wochenmarkt und protestierte mit weiteren Händlern während der Sitzung des Ordnungsausschusses gegen die geplante Privatisierung und den Umzug des Marktes. Er könne sich vorstellen, mit einer moderaten Anhebung der Standort-Mieten die Einnahmen zu erhöhen. „Dann den Markt lieber kleiner und feiner machen.“ Rudolf Hoffmeister warnte vor einer Privatisierung. In anderen Städten, die diesen Weg beschritten haben, sei das schief gegangen. Für den Breiten Weg und die dort ansässigen Geschäfte wäre ein Umzug des Marktes ein Schlag ins Kontor, weil sie vom ­Wochenmarkt profitieren. Kunden, die den Markt ­besuchen, würden auch in den Geschäften in der Nachbarschaft einkaufen.

Das bestätigte eine Geschäftsfrau vom Breiten Weg. „Wenn kein Markttag ist, ist der Breite Weg wie ausgestorben. Zieht der Markt um, ist die Fußgängerzone endgültig tot. Ich fürchte, dass sich die Kundschaft um die Hälfte reduziert. Das kostet Arbeits­plätze.“ Zumal die Pläne der Stadt, den Breiten Weg um- und auszubauen, um ihn attraktiver zu gestalten, angesichts des Millionen­-Defizits im Stadthaushalt erst kürzlich dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.

Stadtrat Dieter Kühn (Bürgerfraktion/FDP): „Der Markt ist ein Aushängeschild für die Stadt Halberstadt, das die Kommune bei einer Privatisierung verliert.“ Er schlug vor, alle Verantwortlichen an einen Tisch zu holen und offen über die ­Zukunft des Wochenmarktes und eine Lösung des Problems zu diskutieren. Dafür sprach sich auch Stadträtin Marlies Jehrke (Die Linke) aus.

Stala nennt Minus als Kündigungsgrund

Stadtrat Jens Rehmann (ÖDP) wollte wissen, ob die Stadtverwaltung nach erfolgter Kündigung durch den Stala mit den Betroffenen, also den Händlern, über den Privatisierungs- und Umzugsplan gesprochen habe. Wie sich während der weiteren Diskussion herausstellte, ist das nicht erfolgt. Ein Fakt, der durch die Reihen kritisiert wurde. Ebenso die Tatsache, das vom Stala als Kündigungsgrund rote Zahlen ins Feld geführt werden, die niemand kennt. Zur Verwunderung der Abgeordneten noch nicht einmal Thomas Dittmer vom Ordnungsamt.

Auf Volksstimme-Nachfrage lieferte die Stadtverwaltung die Zahlen. Danach belief sich das Minus im Jahr 2015 auf 988,31 Euro, 2016 nur auf 214,83 Euro. Einen deutlichen Sprung in den roten Bereich verzeichnete der Stala 2017 mit minus 8002,43 Euro. Die Gründe dafür werden nicht aufgeführt. Für 2018 liegt noch kein Ergbnis vor.

Der Ordnungsausschuss plädierte dafür, dass der Stadtrat für den Verbleib des Wochenmarktes in städtischer Regie stimmen soll und schnell ein Gespräch mit allen Beteiligten angesetzt wird.