Sandsteinmauer in Harsleben

Zoff am Goldbach: Mauer an Vorharzer Risikogewässer soll Böschung weichen

In Harsleben soll Ende Mai an einem Risikogewässer eine Sandsteinmauer von einer Böschung ersetzt werden. Anwohner fürchten deshalb eine größer Hochwasser-Gefahr. So reagiert der Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme auf ihre Sorgen.

Von Matthias Distler 13.05.2022, 05:00
Diese Sandsteinmauer soll weggerissen werden und durch eine natürliche Böschung ersetzt werden. Das sorgt bei einigen Anwohnern nahe der betroffenen Stelle für Unverständnis und Ärger.
Diese Sandsteinmauer soll weggerissen werden und durch eine natürliche Böschung ersetzt werden. Das sorgt bei einigen Anwohnern nahe der betroffenen Stelle für Unverständnis und Ärger. Matthias Distler

Harsleben - Eine Sandsteinmauer in Harsleben nahe der Goldbachbrücke an der L24 sorgt für Ärger in der Vorharzer Gemeinde. Der Grund: Der Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme will Ende Mai im Zuge der Gewässerunterhaltung die Ufermauer abreißen und mit einer natürlichen Böschung ersetzen.

Das ist für einige Harsleber, die nahe der betroffenen Stelle wohnen, und Bürgermeisterin Christel Bischoff (parteilos) nicht nachvollziehbar. Am gestrigen Donnerstag reichte Bischoff deswegen Widerspruch gegen das Vorhaben beim Landkreis Harz ein.

„Wir haben hier viele wichtige Baustellen bezüglich des Hochwasserschutzes. Ich bin überrascht, dass ausgerechnet jetzt diese Mauer gemacht werden soll. Die Sandsteinmauer sichert doch den Fußgängerweg“, sagt die Bürgermeisterin zur Begründung.

Herausgefallener Stein gibt Anstoß zur Debatte

Anstoß gab ein herausgefallner Stein aus der Mauer. „Zunächst hieß es, dass neue Steine eingesetzt werden, jetzt soll aber die gesamte Mauer weg. Darüber wurden wir nicht rechtzeitig informiert“, äußert Bischoff ihr Unverständnis.

Und auch Anwohner, die nahe des Goldbachs wohnen, sind für den Erhalt der Mauer. Ihre Befürchtungen: Eine Böschung könnte wegrutschen, der angrenzende Fußweg bei Hochwasser unterspült werden und die Gefahr einer Überschwemmung steigen.

Etwas, das in Harsleben keiner wieder erleben will. Auch nicht Frank Wode. Der 68-Jährige wohnt am Goldbach und war wie viele Harsleber von der Flut 2017 betroffen. „Es wurde nicht deutlich gemacht, was da geplant ist und ob im Rahmen des Hochwassermanagementplans gehandelt wird“, sagt Wode verärgert. „Die Steine rutschen nicht weg“, ist er überzeugt.

Unterhaltungsverband bezieht Stellung

Dieser Auffassung widerspricht Konstantin Leonard Dittrich, kommissarischer Geschäftsleiter des Unterhaltungsverbandes Ilse-Holtemme, deutlich. Auf Anfrage der Volksstimme teilt er schriftlich mit: „Es sind auf einer Fläche von ungefähr einem Quadratmeter Steine aus der Ufermauer herausgebrochen, vor allem im Bereich des Ufermauerfußes. Dies führt zu Ausspülungen innerhalb der Uferwand. Die Tragfähigkeit der Mauer ist dadurch gefährdet.“ Daher plane der Unterhaltungsverband die „desolate Ufermauer zurückzubauen“ und „eine natürliche Böschung zu errichten“, die an die angrenzende Böschung anschließen soll.

Inwieweit dieser Teil eine Böschung sei, darüber herrscht ebenso Uneinigkeit. Für Bischoff stellt sie nämlich keine dar. „Zweitrangig“, kontert Dittrich, der den hinteren Teil als „Betonplatten, die das Profil einer natürlichen Böschung aufweisen“, beschreibt. Entscheidend sei, dass der neue Hang das gleiche Profil wie der angrenzende habe, betont er. Daher plane der Verband, den Böschungsfuß mittels Steinwalzen oder Wasserbausteinen zu sichern, um eine Unterspülung zu verhindern.

Ein Erhalt der Mauer, wie von den Anwohnern gewünscht, sei keine längerfristige Lösung. An anderer Stelle der Mauer bildeten „sich bereits ähnliche Schadensbilder“. Daher ergebe sich die Priorität des Rückbaus. „Der Goldbach ist ein Hochwasserrisikogewässer. Wenn die Mauer einstürzt, stellt das ein Abflusshindernis dar“, so Dittrich. Er stellt aber auch klar, dass Hochwasserschutz ausschließlich Aufgabe der Gemeinde Harsleben sei, wozu auch der Hochwasserrisikomanagementplan des Goldbachs zähle.

Überschwemmung wird befürchtet

Die Befürchtung, dass eine Böschung Überschwemmungen begünstige, wehrt er ab: „Der Abfluss wird dadurch nicht verschlechtert. Böschungen erweisen sich als widerstandsfähig gegen Hochwasser, da diese gegenüber Ufermauern keinen harten Verbau aufweisen, welcher eine Angriffsfläche für das Hochwasser bietet.“

Der Plan sei bei einem Vororttermin mit der Verbandsgemeinde abgestimmt, eine Genehmigung seitens des Landkreises Harz erteilt worden. Die noch ausstehenden Kosten würden sich der Unterhaltungsverband und die Gemeinde Harsleben teilen, so Dittrich weiter. Die Pflege der Böschung, eine jährliche Mahd, übernehme der Verband.

Damit will sich Harslebens Bürgermeisterin Bischoff aber nicht abfinden. „Der Abbau der Mauer sollte einem ordentlich erklärt werden“, so Bischoff. Ob der Widerspruch tatsächlich eine Aufschiebung der Baus bewirkt, wie von der Bürgermeisterin gewünscht, bleibt offen.