Calvörde l Interessierte nutzten am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals die Gelegenheit, einen Blick auf das Herz der Orgel der Calvörder Sankt-Georg-Kirche zu werfen. Das Gotteshaus gehört zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Sie ist die Hauptkirche des Pfarrverbandes Calvörde-Uthmöden. Pfarrer Jürgen Dittrich führte die Gäste und betonte: „Unsere Orgel ist für Sachsen-Anhalt ein ganz bedeutendes Instrument.“ 2013 wurde die technische Instandsetzung des Instruments von Orgelbaumeister Georg Schloetmann nach zehn Monaten Bauzeit vollendet, wobei die restaurierten Treutmann-Bälge aus dem Jahr 1742 wieder in die Windanlage eingebunden werden konnten.

Auf Initiative von Andreas Knauf, Pfarrer im Ruhestand, wurde damals die Orgelsanierung veranlasst. Ein paar Mal wurde die Orgel in der Vergangenheit umgebaut. Zuletzt geschah das unter dem Haldensleber Orgelbaumeister Troch. Der Zahn der Zeit hatte an den Bälgen, den Trakturen, den Holz- und Metallpfeifen sowie an den Windkanälen genagt. Der Erhalt der historischen Substanz und Bauteile, die durch massiven Schädlings- und Schimmelbefall bedroht waren, stand im Vordergrund. Über 600 Pfeifen in einer Größe von einem Zentimeter bis zu sechs Meter wurden ausgebaut. Neben den Pfeifen wurde in mühevoller Kleinarbeit die gesamte technische Anlage in der Werkstatt der Orgelbaufirma Hammer in Hannover gereinigt und saniert. „Die Orgel, die auch die Königin der Musikinstrumente genannt wird, stammt in ihren Altbestandteilen aus dem Jahre 1745“, berichtete der Pfarrer. Die Sanierung des Instrumentes hat mehr als 120 000 Euro gekostet. Etwa 22 000 Euro hat die Landeskirche aus Kirchensteuermitteln beigesteuert. Eine Förderung vom Land Sachsen-Anhalt gab es in Höhe von 45 700 Euro. 55 000 Euro konnte die heimische Kirchengemeinde aufbringen. Viele Privatpersonen und Vereine spendeten Geld.

Passend zum diesjährigen Motto des Denkmaltages „Handwerk, Technik, In- dustrie“ verknüpfte der Pfarrer die Führung mit einer Reise in die Vergangenheit. Dabei stießen die Besucher auch auf das alte Uhrwerk der Turmuhr, die von 1787 bis 1992 noch in Gebrauch war. 1995 hat der Calvörder Günther Baake das Ausstellungsstück so hergerichtet, dass es heute noch im Vorraum der Kirche zu bewundern ist.

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Anneliese Wolff aus Hadmersleben erzählte: „Ich mache eine Kirchentour im Altkreis Haldensleben. Zuerst habe ich mir das Wasserschloss und die Mühle in Flechtingen angesehen. Jetzt bin ich hier und dann fahre ich nach Erxleben, um dort die Schlosskirche zu besichtigen.“ Am Ende der Tour spielte Helga Märtens auf der Orgel. Und auch Fritjof Kersten aus Uthmöden traute sich - wenn auch noch etwas schüchtern - sein musikalisches Können auf der Königin der Instrumente zu beweisen.