Rottmersleben l Wer Rottmersleben in Richtung Ackendorf verlässt, entdeckt kurz vor dem Ortsausgangsschild eine Straßenschild mit der Bezeichnung „Eierstraße“. Eine Bezeichnung, die wohl in kaum einem anderen Dorf zu finden ist. Wolfgang Tuschke und Kurt Pasewald, zwei geschichtsinteressierte Rottmersleber, haben jetzt die Geschichte hinter der Bezeichnung in wenigen Worten zusammengefasst. Zu lesen ist das jetzt auf einem Zusatzschild, das unter dem Straßenschild angebracht wurde.

Demnach hat die Eierstraße im Jahr 1965 ihren Namen offiziell erhalten, im Sprachgebrauch war dieser allerdings auch schon vorher üblich. Das lag daran, dass, wie Ortschronistin Lara Pasewald weiß, die Bewohner dieses Viertels zum Landwehrfest gelegentlich ein Landwehrkreuz als Girlande anbrachten, das aber eher einem Ei als einem Kreuz ähnelte. Das Landwehrfest galt bis zum Ersten Weltkrieg als wichtigstes Fest des Jahres. Außerdem sind die Bewohner auch dafür bekannt, dass sie zu besonderen Anlässen Girlanden aus ausgepusteten Eiern über ihre Straße spannen.

„Es war eine lange Recherche“, sagt Wolfgang Tuschke. Allerdings hat sich die nicht nur auf die Eierstraße beschränkt, sondern auch eine Reihe weiterer Straßennamen mit einbezogen. Beispiele sind „An der Olbe“, „Ulrichsbogen“, „Myckenburg“ oder „Altes Dorf“. Auch diese Straßenzüge sollen nach und nach ein Erklärungsschild erhalten, das dann vielleicht zum Nachdenken und Nachfragen anregt. „Wir wollen das Wissen der älteren Bürger bewahren, so lange sie noch da sind“, erklärt Kurt Pasewald, der Wert darauf legt, dass die Geschichte seines Heimatortes nicht verloren geht.

Ortsbürgermeister Hans-Eike Weitz freut sich, dass er Kurt Pasewald und Wolfgang Tuschke an seiner Seite hat, wenn es darum geht, die Geschichte Rottmerslebens lebendig zu halten. Die Initiative mit den Erklärungen zu den Straßennamen knüpft beispielsweise auch an die frühere Aufstellung der Sagensteine, des Prangers und der Holzfigur Thietmar von Merseburg sowie der Einrichtung einer Ehrenwand für verdienstvolle Bürger des Ortes an.

Und die Ideen hören bei den drei Herren auch noch nicht auf. So wäre es nach Aussage von Kurt Pasewald beispielsweise denkbar, dass bei präsenten Gebäuden des Dorfes deutlich gemacht wird, wann und von wem sie erbaut worden sind oder dass in ihnen interessante Menschen gelebt haben. So soll es, wie Hans-Eike Weitz weiß, in Rottmersleben einen Schmiedegesellen gegeben haben, der beim Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke gedient hat und die Halbkugeln mitgebaut hat. Die Drei wollen das Geschichtsbewusstsein wecken, denn Geschichtsbewusstsein hat nach ihrer Ansicht viel mit Heimatverbundenheit zu tun.

Deshalb sind die Herren auch daran interessiert, alte Fotos und Dokumente zur Geschichte von Rottmersleben zu bekommen. Wer noch etwas hat oder weiß, kann sich gern an sie wenden.