Haldensleben l Nur ungern gibt Judith Vater, Mitarbeiterin des Museums Haldensleben, ihre jüngsten Leihgaben aus der Hand. Es sind Filmrollen mit Schmalspuraufnahmen aus den 1930er Jahren, die Einblicke in das damalige Haldensleber Stadtleben bieten. Sie sind digitalisiert worden und sollen auf DVD gebrannt in neuem Glanz erstrahlen.

„Haldensleben zu Schmalfilmzeiten“ heißt das Projekt, das die Stadt Haldensleben in Zusammenarbeit mit dem Museum, dem Kreis- und Stadtarchiv sowie der Firma Eulenspiegel-Multi-Media aus Magdeburg anlässlich des Jubiläums 1050 Jahre Haldensleben realisiert. Ausgangspunkt dafür waren die Filmaufnahmen von der 1000-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1966, die sich im Besitz des Museums befinden. Filmexperte Lars Eichhorn hat den Streifen digitalisiert. Er wurde im Frühjahr in der Kulturfabrik öffentlich gezeigt.

Mittlerweile haben auch einige Haldensleber ihre Schmalfilme im Museum abgegeben. Darunter sind Aufnahmen von Sportfesten und Kulturveranstaltungen. Sie werden ebenfalls digitalisiert und sollen dann auf einer DVD zusammengestellt werden. „Wir suchen noch weiteres Filmmaterial bis in die 1970er/80er Jahre hinein“, fordert Judith Vater die Haldensleber auf, Kellerräume und Dachböden nach solchen Schätzen zu durchforsten. „Uns interessiert, was für Schmalspurfilmer in Haldensleben vor 1990 interessant war.“

Bis zum 17. Oktober können die Filmrollen noch im Museum abgegeben werden. „Für uns ist nur von Belang, was von öffentlichem Interesse ist. Privates bleibt privat“, versichert Vater. „Und jeder, der uns Filme zur Verfügung stellt, bekommt als Dankeschön auch eine DVD.“

Die Filme werden nach ihrer Digitalisierung von den Mitarbeitern des Museums und des Archivs sowie von Hobbyhistorikern, die mit der Geschichte Haldenslebens vertraut sind, und Zeitzeugen gesichtet, redaktionell bearbeitet und vertont. Anschließend wird das ganze Material zu einer DVD zusammengestellt. Etwa 60 Minuten Haldensleber Stadtgeschichte in bewegten Bildern sollen so zusammenkommen und vor dem Vergessen bewahrt werden. Denn das Zelluloid mit den Originalaufnahmen hält nicht ewig. Was nicht digitalisiert wird, geht irgendwann unwiderruflich verloren.

Die Filmreise in die Vergangenheit kann sich ab dem 6. Dezember jeder ins eigene Wohnzimmer holen. Diesen Termin hat Judith Vater als Verkaufsstart für die DVD fest im Visier. Zudem soll der Film auch der Öffentlichkeit in der Kulturfabrik vorgestellt werden.

Der 6. Dezember sei ganz bewusst gewählt worden, sagt die Museumsmitarbeiterin. Denn die Idee zu dem Projekt sei dann genau vor Jahresfrist entstanden – am 6. Dezember 2015.