Haldensleben l Neugierig betrachten die Besucher Stellwände im Bahnhof. Darauf sind historische Fotos der Haldensleber Eisenbahngeschichte zu sehen. Zusammengetragen haben diese aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Bahn. Die Idee dazu stammt von Jutta Schmidt. Auch sie arbeitet bei der Bahn. Unterstützt wurde Jutta Schmidt von Verena Wicke-Scheil. In ihrer vormaligen Eigenschaft als Landtagsabgeordnete der Grünen war Letztere viel mit dem Zug unterwegs. Auf diese Weise lernten sich die beiden Frauen kennen. „Die Stadt hatte einen Aufruf gestartet, zu Haldenslebens 1050. Geburtstag etwas auf die Beine zu stellen. Frau Schmidt wollte gern mit einer Veranstaltung den Bahnhof in den Mittelpunkt rücken. Das fand ich gut und habe das Organisatorische übernommen“, blickte Verena Wicke-Scheil zurück.

Die neue Ausstellung ist noch für drei Wochen zu sehen. Am Sonnabend bildete sie den Mittelpunkt des Bahnhofsfestes. Zur Eröffnung war auch Henriette Hahn, die Leiterin des Marktgebietes Sachsen-Anhalt bei der DB Regio, angereist. „Ich finde es toll, wenn Mitarbeiter, die beruflich stark eingespannt sind, auch in ihrer Freizeit die Liebe zur Eisenbahn leben“, erklärte sie gegenüber der Volksstimme.

Bahnhof ist Ort der Geschichte

In ihrer Begrüßung blickte Henriette Hahn auch zurück in die Historie. „Ein Bahnhof ist ein Ort der Geschichte. Bei der Besetzung durch die Soldaten der Roten Armee am 1. Juni 1945 war der Bahnhof Haldensleben eines der ersten beschlagnahmten Gebäude. Zuerst bemerkten die Haldensleber dann auch hier, dass man nicht mehr frei überall hin reisen darf. Und was mögen die Menschen gedacht und gefühlt haben, die dann nach dem Mauerfall zum ersten Mal wieder die Strecke Richtung Wolfsburg fahren konnten? All diese Geschichten erzählt der Bahnhof Haldensleben, und durch die Fotoausstellung von Frau Schmidt und ihrem Team werden diese Erinnerungen lebendig.“

Bilder

Zunächst begann das Fest jedoch mit einer Schweigeminute. Mit ihr wurde an Hannes S. erinnert, der vor Kurzem in der Nähe unter ungeklärten Umständen aus einem Zug stürzte und später seinen Verletzungen erlag. „Es gab Überlegungen, das Fest aus diesem Grund abzusagen“, erläuterte Patrick Thräne. Er ist der Leiter des Wobau-Bahnhofcenters. Andererseits seien die Vorbereitungen schon zu weit gediehen gewesen. Man habe so kurz vor dem Termin nicht alle Absprachen mit den einzelnen Partnern brechen wollen.

Angebot zum Fest erweitern

Neben zahlreichen Gästen aus Gesellschaft und Politik gehörte auch Dr. Dieter Naumann zu den Teilnehmern. Er soll planmäßig zum 1. Januar den Posten als neuer Geschäftsführer der Wobau Haldensleben übernehmen. Damit tritt er die Nachfolge von Harald Schmidt an. Schon jetzt arbeitet sich Dieter Naumann in die Geschäfte der Wobau ein. „Wir planen, das Fest nächstes Jahr um neue Angebote zu erweitern. Eventuell um Fahrten mit einer historischen Eisenbahn“, blickte Dieter Naumann voraus.

Doch auch dieses Jahr gab es viel zu erleben: Schüler der Kreismusikschule Wolmirstedt/Haldensleben sorgten für die musikalische Umrahmung. Fernsehkoch Sascha Oldenburg präsentierte selbst kreierte Köstlichkeiten. Vor dem Bahnhof stand für kleine Besucher eine Hüpfburg bereit. Es gab eine Märchenstunde und einen Info-Stand der Volksstimme. Nicht zuletzt lud ein Kremser zu Rundfahrten durch die Innenstadt ein.

Exponate sind mindestens 50 Jahre alt

Bei der „Süßen Tour“ handelt es sich um eine Aktion, welche die Bedeutung der Zuckerrübe für die Region Madgeburg-Elbe-Börde-Heide hervorheben soll. In der Museumsscheune auf Gut Detzel gab es beispielsweise historische Landtechnik zu bestaunen. „Ob Heuwender, Pferdepflug, Traktoren oder Ackerschmieden: Es gibt kaum etwas, das wir nicht haben“, erklärte Ilona Ebeling lächelnd. Sie ist die Inhaberin und Betreiberin der Museumsscheune. Auch eine Fleischerei und eine Tischlerei seien vorhanden. Fast alles ist einsatzbereit: „Wir können arbeiten wie früher“, so Ilona Ebeling.

Die Museumsscheune blickt derzeit ihrem achten Geburtstag entgegen. Seit ihrer Gründung macht sie bei der „Süßen Tour“ mit. Aber nicht alle Exponate haben etwas mit Landwirtschaft zu tun. Um Teil der Sammlung zu werden, müssen sie vor allem eine Bedingung erfüllen: Sie müssen älter als 50 Jahre sein. Einiges hat aber auch deutlich mehr auf dem Buckel. Zu sehen ist beispielsweise eine französische Kanone aus den Napoleonischen Kriegen. Als Leihgabe ist auch eine Kutsche der Feuerwehr Satuelle aus dem Jahr 1904 mit dabei. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möbel und Einrichtungsgegenstände zu entdecken – nicht zuletzt einen der ersten DDR-Fernseher inklusive Konverter für West-Fernsehen.

Eine weitere Station der „Süßen Tour“ bildete Schloss Hundisburg. Dort konnten Gäste an einer Schloss- und Gartenführung teilnehmen. Das Technische Denkmal Ziegelei Hundisburg lud zu Führungen und Fahrten mit der Feldbahn ein. Auch das Waldhotel „Alte Ziegelei“ beteiligte sich am „Tag der Süßen Tour“.