Haldensleben l „Dieses Versandzentrum sucht seinesgleichen - nicht nur in Sachsen-Anhalt oder Deutschland, sondern in Europa“, erklärte Georg Rau. Er ist der Vorsitzende der Geschäftsführung von Hermes Fulfilment, einer Tochter des Otto-Konzerns. Nach der Wende habe der Versandhandel geboomt. Die vorhandenen Kapazitäten der Otto Group hätten nicht gereicht, um die Nachfrage zu bewältigen. Deshalb habe man im Herzen Deutschlands einen neuen Standort aufgebaut. Dass dieser ausgerechnet in Haldensleben entstand, sei maßgeblich dem ehemaligen Bürgermeister Norbert Eichler (CDU) zuzuschreiben. So berichtete es Peer Witten. Er gehörte damals zum Konzernvorstand der Otto Group und sitzt heute im Aufsichtsrat. Das Unternehmen habe ursprünglich Magdeburg als Standort im Auge gehabt. Doch dort sei es zu Protesten gekommen, also habe die Otto Group nach Alternativen gesucht.

„In Haldensleben gab es einen sehr rührigen Bürgermeister, der uns schnell eine geeignete Fläche anbieten konnte“, blickte Peer Witten zurück. „Danke für die Jahre der guten Zusammenarbeit. Sie haben Hermes nach Haldensleben geholt“, erklärte er mit Blick auf Norbert Eichler. Gleichzeitig betonte Witten, dass das Versandzentrum „sein Baby“ sei. „Wenn ich hier bin und die Gebäude sehe, schlägt mein Herz ein bisschen höher“, so das Mitglied des Aufsichtsrates.

Auf die weitere Entwicklung ging Georg Rau ein: Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts 1994 seien gerade einmal drei Jahre vergangen. Zu den Gästen bei der Eröffnung zählte auch Bundeskanzler Helmut Kohl.

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Dreh- und Angelpunkt der Otto-Group

Seit dem Jahr seiner Inbetriebnahme sei das Versandzentrum Haldensleben Dreh- und Angelpunkt für Handelsgesellschaften der Otto Group. „Bis heute wurde der Standort vier Mal ausgebaut und um eine Betriebsstätte am Südhafen ergänzt. Die Nutzfläche auf dem Stammgelände an der Hamburger Straße ist inzwischen etwa so groß wie 26 Fußballfelder. Rund eine halbe Milliarde Euro hat die Otto Group in Haldensleben investiert“, so Georg Rau.

Aktuell seien rund 3800 Mitarbeiter im Versandzentrum beschäftigt. Hermes Fulfilment zähle regelmäßig zu den Top Ten der größten Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt. Pro Jahr würden etwa 170 Millionen Artikel auf den Weg gebracht. „Im Schnitt verlassen zwölf Artikel pro Sekunde das Versandzentrum“, verdeutlichte Georg Rau.

Gleichzeitig betonte er: „Ohne unsere hochmotivierten Mitarbeiter wäre so eine erfolgreiche Entwicklung nicht möglich gewesen.“ Die Beschäftigten seien das Herz des Unternehmens. Deshalb nehme der Konzern auch soziale Verantwortung wahr. Die Frauenquote liege bei 60 Prozent. Viele Mitarbeiter seien seit Jahrzehnten dabei. Außerdem lege Hermes Fulfilment Wert auf die Ausbildung.

„Sie sind eines der Top-Unternehmen in Sachsen-Anhalt“, bestätigte Reiner Haseloff. Haldensleben biete nicht nur Arbeitsplätze für die eigenen Einwohner. 9000 Menschen von außerhalb würden jeden Tag aus Berufsgründen einpendeln. Auf diese Weise habe die Stadt eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen.

Darüber hinaus, so Haseloff, sei die Otto Group nach der Wende einer „nationalen Verantwortung“ gerecht geworden. Das Unternehmen habe die neuen Bundesländer nicht nur als Markt angesehen, den man von außen beliefern könne. Stattdessen sei man vor Ort aktiv geworden und habe neue Standorte aufgebaut.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Auch Landrat Martin Stichnoth nahm an der Feier teil. Er bezeichnete die Zusammenarbeit zwischen Kreisverwaltung und Hermes Fulfilment als „angenehm und erfolgreich“. Das gelte es fortzusetzen. Darüber hinaus wolle er den Enthusiasmus aus der Zeit, als das Versandzentrum gegründet wurde, weitertragen. „Wir möchten, dass die Menschen aus unserer Region hier bleiben“, sagte Martin Stichnoth. Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe würden die Grundlage dafür schaffen.

Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler nahm ebenfalls die Anfangstage in den Blick: „Als unser damaliger Bürgermeister, Norbert Eichler, 1991 seine Unterschriften unter die Grundstücksverträge mit dem Otto-Versand zum Bau eines Warenverteilzentrums in unserer Stadt setzte, war nur zu erahnen, welche Tragweite diese Unterschriften für die Entwicklung unserer Stadt haben würden“, führte sie aus. „25 Jahre später sind die Otto-Tochter Hermes Fulfilment und Haldensleben Teile einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte. Für viele Einwohner unserer Stadt wurden in einer schwierigen Zeit Arbeitsplätze geschaffen. Haldensleben wurde in den Medien zum ‚Boomtown auf dem platten Land‘“, erklärte Sabine Wendler. Nicht zuletzt habe der Otto-Versand durch finanzielle Unterstützung den Anschub gegeben, um „Schloss Hundisburg, das sich in einem desolaten Zustand befand, und den dazugehörigen Landschaftspark in eine Sehenswürdigkeit der Region zu verwandeln“, so Wendler.

Soziales Engagement zeige sich auch darin, dass Hermes Fulfilment seit 2016 Flüchtlinge beschäftige. So werde ihnen die Chance für einen beruflichen Neuanfang als Teil einer erfolgreichen Integration geboten.

Zum Abschluss sagte Wendler: „Die Entwicklung von Hermes am Standort Haldensleben macht mich froh und stolz. Sie ist ein Beweis dafür, dass Haldensleben ein guter Standort zum Investieren, aber auch ein guter Standort zum Leben, Wohnen und Arbeiten ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass auch die nächsten 25 Jahre eine Erfolgsgeschichte für Hermes und Haldensleben werden“, so die stellvertretende Bürgermeisterin.

Passend dazu wurde im Rahmen des Festaktes eine Blutbuche gepflanzt. „Sie soll hier genauso Wurzeln schlagen, wie es die Otto Group nach der Inbetriebnahme des Versandzentrums vor 25 Jahren getan hat“, informierte Georg Rau.