Haldensleben l Die Zander sterben zuerst. Dann kommen die Schleien. Dann die sogenannten Weißfische, Plötzen und Brassen etwa. Bevor sie sterben, kommen sie an die Gewässeroberfläche, um nach Luft zu schnappen. „Dann“, so berichtet Thomas Franz, „ist Gefahr im Verzug.“

Franz kennt sich aus mit dem Fischsterben. Der Hundisburger ist Gewässerwart des Kreisanglervereins Haldensleben und damit zuständig für insgesamt 54 Flüsse und Seen der Region. Heiße Sommer, wie die letzten beiden, bedeuten für den 54-Jährigen mehr Arbeit. Im besten Fall geht es dann nicht darum, tote Fische einzusammeln. Im besten Fall kann Franz ein Fischsterben verhindern.

Schlechtes Jahr

Landesweit ist das zuletzt weniger gelungen. Tonnenweise Fischkadaver haben Angler im vergangenen Sommer aus sachsen-anhaltischen Gewässern entnommen. Etwa am Gerwischer Baggersee (Jerichower Land), wo mehr als hundert Angler Mitte September rund fünf Tonnen tote Fische eingesammelt hatten. Gerhard Jarosz vom Landesanglerverband (LAV) sprach daraufhin von einem „ganz besonders schlimmen Jahr“. Eine genaue Statistik zum Fischsterben im Land gibt es nicht.

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Der Kreisanglerverein führt aber eine Fangstatistik. Danach sei zuletzt „etwas weniger Fisch“ gefangen worden als in den Vorjahren, sagt Franz. Das kann bedeuten, dass es weniger Fisch gibt. Grundsätzlich würden Fische allerdings auch schlechter anbeißen, wenn es ihnen nicht gut gehe, betont Franz, so etwa bei Sauerstoffmangel im Wasser. Das könne dann widerum Schnappatmung an der Oberfläche nach sich ziehen, also Gefahr im Verzug. Also Arbeit für Franz.

Feuerwehrspritze gegen Sauerstoffmangel

Wenn in einem halbausgetrockneten Gewässer ein Fischsterben droht, weil zu wenige Sauerstoff im Wasser ist, rückt Franz mit der Feuerwehrspritze aus. Die habe sich der Verein vor zwei Jahren zugelegt. In der Regel würden sie zu dritt ausrücken, berichtet Franz. Mit der Spritze werde das Gewässer dann „belüftet“. Das heißt, Wasser wird mit einem Saugrohr entnommen und danach wieder zurückgespritzt. Bei „Problemgewässern“ sei er im Sommer bis zu zehn Stunden in der Woche beschäftigt, berichtet Franz.

Wirklich lösen könne die Spritze die Probleme eines Teiches allerdings oft nicht, erläutert der Gewässerwart. „In den vergangenen Jahren sind viele Gewässer sehr stark verschlammt“, sagt Franz. Vor allem Starkregengüsse spühlten Sedimente in die Teiche. Einigen Seen, wie etwa der Hundisburger Waldsteinbruch, der einst ein sauberer Teich gewesen sei, verschlammten auch durch herabfallendes Laub. Speziell Pappellaub sei ein Problem, sagt Franz. „Wenn sich das auf dem Grund ablagert, wächst da nichts mehr“, erläutert er. Unterwasserpflanzen sind aber wichtig. Sie können Sauerstoff produzieren und Fische ernähren.

Vom Problem der Verschlammung betroffen sind laut Franz mehr als die Hälfte der Vereinsgewässer. Darunter der Haldensleber Nonnenspringteich, der Haidteich bei Bebertal und der Steinbruchsee Nordhusen bei Hundisburg. Im Steinbruchsee Nordhusen gab es vor einigen Jahren ein großes Fischsterben, berichtet Franz. Damals hätten sie mehr als 850 Kilogramm tote Fische eingesammelt, erinnert er sich. Würden die toten Fische nicht entnommen, bilden sich Faulstoffe. Die Folge sind schlechte PH-Werte, was widerum die übrige Flora und Fauna des Sees negativ beeinflusst.

Eigentümer der vom Kreisanglerverein gepachteten Gewässer sind größtenteils Kommunen. Von ihnen wünscht sich Franz mehr Engagement. Die letzte Grundsanierung eines Vereinsgewässers sei die Sanierung des Koppelteichs bei Hundisburg im Jahr 2008 gewesen, sagt er. Franz weiß, dass eine Entschlammung nicht ganz billig ist. Für einen Hektar Gewässerfläche mit einer zwei Meter hohen Schlammmasse koste sei ein sechsstelliger Eurobetrag fällig, sagt der Gewässerwart. Der Verein unterhält eine Wasserfläche von insgesamt 176 Hektar.

Ines Schmidt, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, weist darauf hin, dass Franz wie auch die anderen Vereinsmitglieder sich ehrenamtlich um die Gewässer kümmern. Zudem gehe es ihnen neben dem Angelsport auch um Naturschutz. „Wir sind nicht nur die Menschen, die Fische rausziehen“, betont sie.