Emden l Mit dem Traktor über den Acker oder das Vieh auf die Weide treiben, das macht Phillip Lüthge doch mit links. „Am liebsten bediene ich die großen Maschinen“, sagt der Auszubildende. Der Beruf Landwirt hat den 18-Jährigen schon immer interessiert. Durch seinen Opa, der als Schäfer in der Agrargenossenschaft Emden arbeitet, kam er auf die Idee Landwirt zu werden. Schon während seiner Schulzeit absolvierte er einige Praktika in dem Betrieb. „Das ist mein Traumberuf“, sagt Phillip Lüthge. Für ihn ist klar, dass er auch nach seiner Ausbildung weiter in dem Betrieb arbeiten möchte.

Momentan ist er der einzige Auszubildende von Silke Fischer, Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Emden, und steht kurz vor seinen Abschlussprüfungen. Doch obwohl es viele unterschiedliche Aufgabengebiete gibt, rückt der Beruf des Landwirts immer mehr in den Hintergrund. Das merkt auch Geschäftsführerin Silke Fischer, denn seit einiger Zeit sinkt die Zahl der eingehenden Bewerbungen. Um 2006 herum „hatten wir jedes Jahr drei bis fünf Bewerbungen, die auch zu Bewerbungsgesprächen geführt haben“, meint sie. Heute verirrt sich mitunter nur eine Bewerbung auf ihren Schreibtisch, manchmal auch gar keine.

Ein hochqualifizierter Beruf

„Das ist ein hochqualifizierter Beruf“, der nicht richtig gewürdigt würde, sagt Silke Fischer. Mitunter müssen die Landwirte fit in Mathematik, Chemie und Biologie sein. Dies macht sich auch an Phillip Lüthges Zwischenprüfungen bemerkbar, welche sowohl aus Theorie und Praxis bestanden. „Ich musste eine Futterberechnung für ein Jungrind aufstellen und das Stallklima bewerten“, erzählt der 18-Jährige. Auf dem Acker ging es dann weiter, wo er erkennen musste, welche Getreidesorte dort angebaut wird, wie der Boden beschaffen ist und vor allen wie man ihn pflegt und so optimal für die Saat vorbereitet. Daher gehörte auch dazu „die Scheibenegge zu erklären und auch eine Runde damit auf dem Acker zu fahren“, erklärt der angehende Landwirt.

Eine Scheibenegge gehört zu den landwirtschaftlichen Geräten, um den Ackerboden für die Anpflanzung von Getreide vorzubereiten. Während seiner Ausbildung lernt Phillip Lüthge unter anderem auch den Umgang mit den ganz großen Maschinen – ab Traktor oder Mähdrescher. Doch die Theorie darf natürlich nicht fehlen. Daher besucht er alle sechs Wochen 14-tägige Blockseminare bei denen die wichtigen Theorien, beispielsweise für das Schweißen, aber auch für die Rinderproduktion, erlernt werden.

„Damals, in der DDR, war das Auswahlverfahren zu der Landwirt-Ausbildung wirklich sehr hart. Mit einem Schnitt unter 1,5 war man da unter Umständen sogar schon raus“, erinnert sich Silke Fischer. Um sich in ihrem Unternehmen für einen Ausbildungsplatz zu bewerben ist ein bestimmter Schulabschluss keine Voraussetzung. Während der Ausbildung wird den Auszubildenden sogar angeboten, den nächst höheren Schulabschluss nachzumachen. Eine weitere Hürde sei auch der Weg zum Betrieb, denn die Auszubildenden sind meist zwischen 16 und 17 Jahre alt und besitzen daher noch keinen Führerschein. Daher bewerben sich meist nur Jugendliche aus der näheren Umgebung. „Einmal kam ein Auszubildender von uns auch mal mit dem Traktor zur Arbeit“, da er noch keinen Autoführerschein hatte, erzählt die Geschäftsführerin.

In einem sind sich Silke Fischer und Phillip Lüthge einig, sie wollen, dass die Arbeit der Landwirte wahrgenommen und die Landwirtschaft gewahrt wird. Silke Fischer wünscht sich ebenfalls, dass sich wieder mehr Interessenten für die Landwirtschaft finden und der Beruf als Landwirt für die jungen Leute wieder attraktiver wird.