Haldensleben l Die Lebenshilfe Ostfalen verfolgt in der Kreisstadt aktuell zwei neue Bauprojekte. Während das Vorhaben Maschenpromenade 35 bereits realisiert wird, steckt die Bülstringer Straße 13 noch in den Planungsvorbereitungen.

„Wir waren bereits seit Längerem auf der Suche nach einem Grundstück in Haldensleben. In diesem Zusammenhang wurde uns dann die leerstehende Villa in der Maschenpromenade zum Kauf angeboten“, blickt Nicole Olms, die Verwaltungsleiterin der Lebenshilfe Ostfalen, zurück.

Mehrfamilienhaus wird umgebaut

Das Mehrfamilienhaus eignet sich perfekt für die Pläne der Lebenshilfe. Im Erdgeschoss soll ein großzügiger Bereich entstehen, der den angehenden Senioren, die in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten, eine Tagesstruktur vermitteln soll, wenn sie ins Rentenalter kommen. „Sie haben ja aktuell noch in den Werkstätten eine feste Tagesstruktur. Gehen unsere Beschäftigten in Rente, müssen und wollen wir ihnen auch weiterhin einen vernünftigen Tagesablauf bieten“, meint Nicole Olms.

Ziel ist es, dass sich die behinderten Menschen auch im Ruhestand die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie im Berufs- und Alltagsleben erworben haben, erhalten und auch weiter im Kontakt miteinander stehen können. Die tagesstrukturierenden Angebote sollen ihnen Orientierung und Sicherheit bieten und ihre Selbstständigkeit aufrechterhalten. Dafür sollen Bastel- und Dekorationsarbeiten, Ausflüge, Veranstaltungsbesuche, gemeinsames Kochen, aber auch das Tanzen, Musik hören und Spielen angeboten werden.

Im Ober- und im Dachgeschoss soll Wohnraum geschaffen werden. Sowohl Zimmer als auch Wohngemeinschaften für das ambulant betreute Wohnen werden dort ihren Platz finden. Um die Barrierefreiheit zu gewährleisten, ist auch der Bau eines Außenfahrstuhls für die Bewohner vorgesehen. Das kleine Außengelände an der Villa soll als Grünfläche der Erholung und Entspannung dienen.

Ende des Jahres fertig

Für die Lebenshilfe Ostfalen ist das im Hinblick auf die Zielgruppe relatives Neuland. „Wir haben im Augenblick noch nicht so viele Beschäftigte, die im Rentenalter sind. Aber diese Generation wächst nun heran“, erklärt die Verwaltungsleiterin die neuen Herausforderungen. Als Hauptursache für diese Entwicklung führt sie das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten im Dritten Reich an, in dessen Rahmen Hunderttausende Menschen mit Behinderungen ermordet beziehungsweise zwangssterilisiert wurden.

Rund 800.000 Euro investiert die Lebenshilfe in dieses Bauprojekt. Über die Aktion Mensch sind dafür auch Fördermittel beantragt worden. Läuft alles nach Plan, so soll der Umbau bis zum Jahresende abgeschlossen sein, gibt sich Nicole Olms zuversichtlich.

Bei weitem nicht so fortgeschritten, dafür jedoch um ein Vielfaches größer ist der Plan der Lebenshilfe für die Bülstringer Straße 13. Dort herrscht – abgesehen von der Nutzung als Parkplatz – derzeit gähnende Leere. Doch die Lücke zwischen dem Wohn- und Geschäftshaus Nummer 9 bis 11, das im Zuge des Baus des Mehrgenerationenhauses vor gut einem Jahrzehnt mit entstanden ist, und dem Altbestand auf der anderen Seite (Goldschmiede Dorendorf) soll gefüllt werden: Mit einem Neubau. Um die drei Millionen Euro plant die Lebenshilfe Stand heute in dieses Vorhaben zu investieren.

Damit wird nicht nur das Straßenbild geschlossen, sondern vor allem Wohnraum für Menschen mit Behinderungen geschaffen. Separate Wohnungen sowie Räume für Wohngemeinschaften sind in dem Dreigeschosser vorgesehen, im Erdgeschoss könnten Gewerbeflächen entstehen.

Zentrale Lage bewusst gewählt

Das Grundstück befindet sich bereits im Besitz der Lebenshilfe, aktuell laufen die Planungen für das Vorhaben. „Wir rechnen damit, dass wir im nächsten Jahr den Bauantrag stellen und im Jahr 2022 dann mit dem Bau beginnen können“, stellt Olms den Zeitplan im Groben vor. Genaueres könne sie zur Zeit nicht sagen, meint sie. „Corona hat uns völlig überrascht, deshalb gibt es derzeit noch keine weiteren Details für die Planung.“

Auf jeden Fall, so betont sie, sei der Bedarf an Wohnraum in Haldensleben vorhanden. „Viele der von uns betreuten Menschen leben noch bei ihren Eltern. Doch die kommen auch in die Jahre und sind nicht ewig für ihre Kinder da“, weiß die Verwaltungsleiterin. Daher werden ambulante Betreuungsangebote immer wichtiger.

Zudem sei das klassische Wohnheim ein Auslaufmodell, erklärt sie. „In Sachsen-Anhalt werden sie nicht mehr genehmigt“, so Nicole Olms weiter. Vielmehr stehe das ambulant betreute Wohnen inzwischen im Fokus, meint sie. Schließlich sollen Menschen mit Behinderungen auch am normalen Leben teilhaben können. „Auch deshalb ist die zentrale Lage für unsere neues Wohnprojekt ganz bewusst gewählt worden“, betont Nicole Olms.