Haldensleben l Sie hat das Rentenalter noch nicht erreicht und soll schon gefällt werden: die „Schiller-Eiche“ auf der Haldensleber Masche. Eingezäunt ist sie, weil sich ein langer Riss durch ihren Stamm zieht – Gefahr ist im Verzug.

Baumkontrolleurin Andrea Sczech vom Haldensleber Stadthof vermutet, dass der jüngste schwere Sturm „Friederike“, der am 18. Januar auch über Haldensleben hingefegt ist, dem Baum die starken Schäden zugefügt habe. „Laut Gutachter sind die Schäden so stark, dass eine Fällung aufgrund der Verkehrssicherheit notwendig ist“, erklärte sie Mittwoch den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Abwasserangelegenheiten (ULFA) des Haldensleber Stadtrat.

Riss zieht sich durch Stamm

Allerdings, so räumte sie ein, gebe es auch die Möglichkeit, den Baum zu erhalten. „Allerdings mit Sicherungsmaßnahmen, die heute nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Aber in besonderen Fällen sind sie durchaus anwendbar“, sagte Andrea Sczech und bezog sich auf das Einziehen von zwei Gewindestangen durch den Baum, um den Riss nicht größer werden zu lassen.

Christina Wiegmann, Sachgebietsleiterin Grünanlagen/Baumkontrolle beim Stadthof, hat die Geschichte der „Schiller-Eiche“ recherchiert. Ursprünglich ist im Jahr 1834 auf der Masche eine Platane zu Schillers 75. Geburtstag gepflanzt worden. „Sie stammte vermutlich aus der Baumschule von Johann Gottlob Nathusius“, berichtete sie im Ausschuss.

Zwischen 1866 und 1895 sind zudem drei Eichen auf der Masche gepflanzt worden, die um 1900 herum noch Gedenktafeln bekommen haben. „Zum Gedenken an Friedrich Schiller hat es zu seinem 100. Todestag 1905 ein großes Fest in Haldensleben gegeben. Dabei wurde der Gedenkstein ,Schillerfeier 1905‘ an der Platane aufgestellt“, so Christina Wiegmann weiter.

Rettung per Gewindestange

Die Platane sei jedoch in den 1930-er Jahren nach einer Straßenbaumaßnahme an der Masche eingegangen. Daraufhin sei als Ersatz eine Eiche – eben jene „Schiller-Eiche“ – zum 150. Todestags Schillers 1955 an gleicher Stelle gepflanzt worden.

Schon aus der geschichtlichen Bedeutung heraus sollte der Baum stehen bleiben, machte Holger Kersting, der als sachkundiger Einwohner im ULFA sitzt, deutlich. Es sei zudem auch kein Totholz zu sehen. „Wir sollten den Baum weiter beobachten. Wenn eine Rissvergrößerung zu sehen ist, dann können wir die Sache ja nochmal behandeln“, schlug er vor und sprach sich wie Ausschussvorsitzender Dirk Hebecker (Bürgerfraktion) für den Erhalt aus.

Baum ist relativ jung

Auch Ralf Bertram (CDU) setzte sich für den Erhalt des Baumes ein. „Wie er gerettet werden soll, das soll ein Gutachter festlegen“, unterstrich er. Dirk Hebecker möchte statt der Gewindestangen lieber eine Manschette um den Baumstamm legen lassen. Die hätte aber den Nachteil, erklärte Andrea Sczech, dass sie einwachsen könne. Daher möchte auch sie lieber das Gutachten zum Erhalt abwarten.

Ganz so sehr mit dem Erhalt der „Schiller-Eiche“ hat sich Stadtbauamtsleiter Holger Waldmann dagegen nicht anfreunden können. „Ich bin mir nicht sicher, ob das bei diesem Baum sinnvoll ist. Er ist ja noch relativ jung und vom Alter her kein Naturdenkmal“, warf er ein. „Er ist noch nicht so alt, da ist eine Neupflanzung machbar“, pflichtete ihm Christina Wiegmann.

Ralf Bertram sah das anders: „Aber wenn der Baum nicht mit unserer Hilfe die Chance zum Altern bekommt, dann wird er auch nicht alt!“ Seiner Argumentation sind auch die ULFA-Mitglieder gefolgt und haben sich einstimmig für den Erhalt der „Schiller-Eiche“ ausgesprochen. Zumal die Kosten für die Erhaltungsmaßnahme mit rund 2000 Euro in etwa genauso hoch sind wie die für die Fällung des Baumes.