Flechtingen l Mit der Firma DNS:Net hat sich in dieser Woche der Konzessionär für die Umsetzung eines flächendeckenden kommunalen Glasfasernetzes in der Verbandsgemeinde Flechtingen vorgestellt. Gemeinsam mit Holger Haupt, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Breitband beim Landkreis Börde, stellte Thorsten Scholz vom künftigen Netzbetreiber die Ziele und Vorhaben in einer Sitzung des Haupt- mit dem Wirtschafts- und Sozialausschuss des Verbandsgemeinderates vor.

Zunächst erläuterte Holger Haupt den Prozess der Vorbereitung. Seit rund zwei Jahren gibt es Bemühungen um den Breitbandausbau für ein hochwertiges leistungsfähiges Internet in den ländlichen Regionen der Börde. „Wir schaffen ein kommunales Giganetz“, sagte er. Glasfaser sei das beste, was es als Hausanschluss gibt. „Wir sind Kommune und machen Daseinsvorsorge“, gab Holger Haupt zu bedenken. Sonst drohe eine Zwei-Klassen-Breitbandgesellschaft.

Von der Altmark in die Börde

Nach Altmark West und Ost ist der Landkreis Börde das dritte Projekt des Konzessionärs in der Region. „Wir fangen bei 150 Mbit/s an“, sagte Thorsten Scholz. Der Anbieter garantiert mit dem Glasfaser Geschwindigkeiten bis 500 Mbit/s.

Mit 47 Bautrupps ist DNS:Net bereits in der Börde aktiv. Beispiele für das Vorankommen gebe es bereits aus Oschersleben. In der benachbarten Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen sei man dabei, die Einwohner bei Versammlungen zu informieren.

Ziel, um das ganze Vorhaben wirtschaftlich gestalten zu können, sei eine flächendeckende Aquise von 47 Prozent. Könne dieser Anschlussgrad in den Orten erreicht werden, wird zügig ausgebaut.

Kommunen über Jahre finanziell belastet

Wann es in der Verbandsgemeinde Flechtingen mit der Information losgeht, steht noch nicht fest. Die Gemeinden Bülstringen, Flechtingen, Erxleben und Altenhausen haben sich bereits zur Übertragung der Breitbandversorgungsaufgabe auf die Verbandsgemeinde bekannt. Calvörde hat den Beschluss zurückgestellt, und in Beendorf stand er noch aus. Ingerslebens Bürgermeister Thomas Crackau hatte Widerspruch gegen den Ratsbeschluss eingelegt.

Thomas Crackau war es dann auch, der zur Sitzung Bedenken äußerte. Wie Calvördes Gemeindeoberhaupt Volker Schliephake habe er Bedenken, was die Millionenbeträge betrifft, die von den Kommunen aufgebracht werden müssten, um ihren Eigenanteil zu decken. Zehn Millionen Euro für die Gemeinde Calvörde sei schon eine ziemliche Hausnummer, so der Bürgermeister.

Für Thomas Crackau mit seiner kleineren Mitgliedsgemeinde Ingersleben seien schon 3,3 Millionen Euro sehr viel Geld. „Warum müssen wir als Gemeinde dafür geradestehen“, fragte er. Zweifellos sei jetzt ein Wettbewerb entbrannt, der Druck erhöht, das hätten auch die bereits vorhandenen Anbieter verstanden und müssten handeln. Die Verbandsgemeinde könnte zusätzliche Aufgaben wie sie jetzt mit der Breitbandversorgung geleistet werden sollen, gar nicht mehr schultern. Crackau meint, für die Gemeinde sei es viel wichtiger, Aufgaben wie Kinderbetreuung, Schulbildung, dörfliche Infrastruktur und das gemeinschaftliche Leben zu erfüllen.

Der Alleringersleber kritisierte, dass die Verbandsgemeinde Flechtingen seit Monaten ausstehende Schachtgenehmigungen für die Telekom nicht erteilen würde. „Die bauen auf eigenes Risiko und mit einem auskömmlichen Netz für die Gemeinden“, meinte er und forderte die Verbandsgemeinde aus, umgehend Einsicht in die Unterlagen zu den ausstehenden Schachtgenehmigungen zu erhalten. Es könne nicht sein, dass solche Genehmigungen ein halbes Jahr lieben blieben. „Sonst wären wir bei uns schon viel weiter“, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Er halte das kommunale Glasfasernetz nicht für den richtigen Weg. Die Kommunen würden damit über 20 Jahre finanziell belastet, ganz zu schweigen von denen, die sich in der Konsolidierung befinden und eigentlich gar keine Kredite mehr bekommen würden.

Anschlussgrad problematisch

Der Bürgermeister der Gemeinde Altenhausen, Jürgen Kuhnert, äußerte Bedenken bezüglich des Erreichens des Anschlussgrades. Teilweise sei der Altersdurchschnitt in den Dörfern so hoch, dass bis auf Telefon keine andere Verbindung benötigt werde.

Hier konnte Thorsten Scholz jedoch beruhigen, dass man sich das im Einzelfall ansehen würde. Fehlen in einem Ort nur ein paar Prozente, ließe sich da sicher trotzdem etwas machen, wenn das Gesamtpaket das hergibt.

Immer wieder werde er gefragt, so Ausschussmitglied Volker Fickendei-Weidemann, wann es denn soweit sei. Hier konnte der Konzessionär derzeit lediglich ankündigen, dass für die Akquise rund zwei Monate benötigt würden. Wann es genau losgeht, steht für die Verbandsgemeinde nicht fest.

Werde die Anschlussquote in einem Ort erreicht, kann der Ausbau praktisch sofort starten. Je sechs Wochen Vorplanung und sechs Wochen Ausbau seien kalkuliert. „Wir wollen in allen acht Gemeinden Mitte des 2. Quartals 2018 begonnen haben“, sagte Holger Haupt bezüglich der Arge-Mitglieder. In der Einheitsgemeinde Oebisfelde/Weferlingen sei man gegenwärtig bei einem Anschlussgrad von 63 Prozent. Sieben Orte könnten bereits generell ausgebaut werden.