Calvörde l Die Akquisephase für den kommunalen Breitbandanschluss ist für die Gemeinde Calvörde beendet. Die 60-Prozent-Marke wurde meist in den kleinen Orten erreicht. Anders sieht es im Flecken Calvörde aus. „Der Flecken Calvörde ist und bleibt mit 26 Prozent unser Sorgenkind. Die gesamte Gemeinde Calvörde liegt bei 47 Prozent unter der Zielstellung. Hingegen sind einige kleinere Orte weit darüber“, zog Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) bei der Gemeinderatssitzung Bilanz. Das Ausschreibungsverfahren für die Projektsteuerung und Bauausführung laufen. Ein Problem sei die Nichtbereitstellung der Fördermittel des Landes. „Eine Kompensation wird wohl nur über eine längere Kreditlaufzeit möglich sein. Das wird geprüft“, erläuterte der Gemeindechef.

Ottmar Schmicker (FUWG), Mitglied des Gemeinderates, schilderte: „Es hieß immer, dass die Telekom in der Verbandsgemeinde nicht aktiv wird. Seit kurzem wird aber doch in Klüden gebuddelt.“ Schliephake sagte dazu: „Die Telekom arbeitet nicht flächendeckend. Dorst und Elsebeck sind zum Beispiel bei der Telekom nicht in der Planung. Wir wollen, dass alle Bürger gleich behandelt werden und es später keine weißen Flecke auf der Karte gibt.“

Zwingende Sparmaßnahme

Antje Jacobs, Leiterin des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde, bestätigte: „Es werden in Klüden neue Leitungen verlegt und der Verteilerkasten aufgerüstet. Die alten Kupferleitungen bis ins Haus bleiben bestehen. Diese Bauarbeiten sind unabhängig vom eigenen Ausbauvorhaben der Gemeinde. Die Gemeinde hat das Ziel, jedes Haus und jeden Firmensitz mit einem Glasfaserkabel anzuschließen, mit dem zukunftsfähig hohe Datenübertragungsraten möglich sind“, erklärte Antje Jacobs. Nach den Ausführungen der Amtsleiterin nutzt die Gemeinde die Bauarbeiten, um eigene Leerrohre mitzuverlegen, damit der spätere Ausbau zügiger abgewickelt werden kann und die Wege nicht erneut komplett aufgerissen werden müssen.

„Wir – mein Bruder und ich – sind hier, weil wir mit dem Beschluss des Rates, dass unser Dorfgemeinschaftshaus nicht an das Breitbandnetz angeschlossen werden soll, überhaupt nicht zufrieden sind“, sagte Marcus Bühnemann. Er wies darauf hin, dass 57 Prozent der Lössewitzer sich für das kommunale Netz entschieden haben und laut Beschluss alle anderen Dorfhäuser angeschlossen werden. „Was haben anderen Gemeinschaftshäuser anders als wir?“, fragte Bühnemann. „Der Ausbau des Ortes Lössewitz wird bei 57 Prozent mit Sicherheit nicht in Frage gestellt. Zur Entscheidung, den Anschluss des Dorfhauses in Lössewitz nicht zu installieren, kamen wir durch die zwingenden Sparmaßnahmen. Dieses kleine Haus wird nur ein oder zwei Mal im Jahr genutzt. Wir würden 600 Euro im Jahr bezahlen. Alle anderen Dorfhäuser werden häufiger genutzt“, erklärte Schliephake. Bühnemann wollte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. „Warum werden zum Beispiel in Elsebeck 600 Euro investiert, wo sich dort die Feuerwehr und die Jagdgenossenschaft nur mal zu einer Jahreshauptversammlung treffen. Und die Senioren versammeln sich drei Mal im Jahr zum Kaffee. Hier in Lössewitz haben wir das Gleiche. Die Jagdgenossenschaft und der Gemeinderat treffen sich. Die Wahlen finden hier statt“, zählte Bühnemann auf und fragte: „Sind wir die Letzten?“

Refinanzierung über Vermietung

Schliephake verneinte dies und erklärte, dass es nicht nur um die öffentlichen Veranstaltungen gehe, sondern auch um die private Nutzung. „In den anderen Häusern findet durch die private Nutzung eine Refinanzierung statt. In Wegenstedt wird zum Beispiel das Bürgerhaus fast jedes Wochenende genutzt“, so der Gemeindechef.

Ralf Bühnemann fragte: „Was passiert, wenn Calvörde bei den 27 Prozent stehen bleibt? Wird da Calvörde gar nicht ausgebaut?“ Schliephake gestand, dass er die Frage bis jetzt noch nicht beantworten kann. Er hofft, dass mindestens die zentralen Punkte wie Gewerbegebiete, die Verwaltung, die Schule und die Kindereinrichtungen angesteuert werden. „Das heißt, die umliegenden Orte haben eine reelle Chance?“, hakte Ralf Bühnemann nach. „Absolut. Die Ortsteile hängen nicht am Tropf des Ortsteils Calvörde“, betonte Schliephake.