Haldensleben l Schon lange wünschen sich Schüler, Eltern und Lehrer die Rückkehr in den normalen Unterricht. Bereits seit Anfang Februar gibt es für Sachsen-Anhalt einen Stufenplan, um die Schulen wieder zu öffnen. Nun beginnen die letzten zehn Tage im Homeschooling. Bei den Haldensleber Schulen ist die Freude über die Aussicht auf „normalen“ Unterricht groß.

Bereits am 12. Februar informierte Schulleiter Michael Blaschke von der Gebrüder-Alstein-Grundschule die Eltern auf der Internetseite darüber. Positiv gestimmt, meinte er, dass man auch die restliche Zeit zusammen noch schaffen werde. „Heute hatte ich mit meiner ersten Klasse eine Videokonferenz. Ich habe sie noch einmal motiviert, die restlichen zehn Schultage im Homeschooling durchzuhalten“, erklärt er im Gespräch mit der Volksstimme. Die Freude seiner Schüler sei riesig gewesen.

Nicht viele Veränderungen

Viele Veränderungen gebe es im Schulalltag jedoch nicht, so Blaschke. „Wir halten uns schon die ganze Zeit an die Hygiene- und Abstandsregeln. Seit Herbst hatten unsere Schüler Klassenleiterunterricht“, erläutert er. Jetzt sei es auch nicht mehr notwendig, auf dem Boden Wege zu markieren, die für entsprechend Abstand zwischen den Kindern sorgen. Die Regeln seien den Kindern mittlerweile bekannt. Neben dem Klassenleiterunterricht würden die Kinder auch wieder in Kohorten auf alle vier Pausenhöfe verteilt, so Michael Blaschke.

Auf den Lernstoff seien die Kinder gut vorbereitet, sodass man gleich zum 1. März durchstarten könne. Ein paar Herausforderungen gebe es dennoch zu meistern: „Wir müssen die Kinder erst einmal auf emotionaler Ebene abholen. Sie hatten jetzt beispielsweise lange Zeit einen anderen Rhythmus.“

Ein wichtiges Gesprächsthema werde auch Nähe und Abstand sein. „Gerade so etwas, wie im Kreis zusammensitzen, das ist wieder sehr ungewohnt für die Kinder“, meint Blaschke. Dennoch meint er, dass die Kinder nun aufeinander aufpassen müssten und so Verantwortung lernen. Gerade bei der Freizeitgestaltung müssten sie nun auch an die Gesundheit ihrer Mitschüler denken und sie sollten nicht zu viele Kontakte haben. „Das werden die Kinder aber alles annehmen, um wieder zur Schule gehen zu können. Gemeinsam kriegen wir das hin“, so Blaschke.

Wechselunterricht gewünscht

Der Schulleiter hätte sich für die nächsten zwei Wochen Wechselunterricht gewünscht, um die Kinder wieder in kleinen Gruppen an den Schulalltag zu gewöhnen. „Die Kinder, und dass sie glücklich sind, das muss jetzt das A und O in der Schule sein“, hält er fest.

Schulleiter Ingo Vogler von der Otto-Boye-Grundschule freut sich ebenfalls, dass es bald wieder losgehen kann. „Der Präsenzunterricht ist definitiv nicht durch Distanzunterricht zu ersetzen“, meint er. Dennoch wirkt er noch etwas vorsichtig: „Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt.“

Einige offene Fragen für die konkrete Umsetzung der Schul­öffnungen gebe es seiner Ansicht noch, wie beispielsweise, ob es für Schüler Corona-Schnelltests geben solle. Beim Klassenleiterunterricht gebe es außerdem ein Problem: das Thema Abstand. „Der ist so mit den Klassen nicht einzuhalten“, erklärt er. Zumindest versuche man die Trennung und Abstand durch versetzte Pausenzeiten zu ermöglichen.

Schnelltests würden viel vereinfachen

An der evangelischen Sekundarschule werde der Schulalltag ebenfalls wie vor dem Lockdown im Dezember weitergehen, erklärt Schulleiterin Pia Kampelmann. „Da hat sich eine gewisse Routine bei allen eingespielt. Wir sind auf alle Varianten des Schulstarts vorbereitet“, betont sie. Die Schulleiterin hat noch einige Vorbereitungen getroffen: So seien einerseits bei Bedarf Masken zur Einhaltung der Mundschutz-Pflicht vorhanden, aber es seien zusätzlich Selbsttests für Verdachtsfälle unter den Schülern besorgt worden. Genau über diesem Punkt ist die Schulleiterin verärgert: „Es ist mir ein Rätsel, wie unsere Politiker einerseits ständig sagen, wie wichtig die Schule und Bildung ist und dann kümmern sie sich nicht um Schnelltests für Kinder und Jugendliche. Es könnte so einfach sein.“

Froh über die Schulöffnungen sind besonders die Eltern. Anika Flentge lacht und sagt: „Ich denke darüber freuen sich alle Eltern.“ So kehre wieder ein Stückchen Normalität in den Familien ein, meint sie. Als dreifache Mutter wisse sie, dass es eine immense Herausforderung ist Beruf, Homeschooling und auch noch den Haushalt unter einen Hut zu bringen. Groß ist die Freude auch bei Mutter Uschi Überlein. „Ich finde es super. Die Lernumgebung in der Schule ist einfach besser“, sagt sie.