Haldensleben l Als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im April aufgrund der Corona-Pandemie den Einschulungen landesweite eine Absage erteilte, waren viele Eltern geschockt. Was wird aus der Tradition, die vor allem im Osten groß geschrieben wird? Werden die Kinder gänzlich ohne Begrüßung in die Schulzeit gehen, die sie so lange begleiten wird? Aufgrund der Lockerungen sind die Haldensleber Schulleiter optimistisch, dass es eine Einschulungsfeier geben wird, aber mit Auflagen.

Alle Schulleiter können bisher nur vermuten, welche Beschränkungen am Einschulungstag – in diesem Jahr der 29. August – noch gelten und welche nicht. Fast wöchentlich wechseln die Bestimmungen zum Schulbetrieb – keiner weiß, wie sich die Lage im August gestaltet und was das Landesschulamt bis dahin erlaubt. Klar ist, dass die Abstandsregelungen wahrscheinlich bis Ende August aufrecht erhalten bleiben. Deswegen haben alle Schulleiter bereits Alternativen ins Auge gefasst, denn ins Wasser fallen soll die Einschulung auf keinen Fall.

„Der jetzige Stand ist, dass wir eine Einschulungsfeier machen, aber eben nur mit Schülern und Eltern“, sagt beispielsweise Ingo Vogler, Schulleiter der Grundschule Otto Boye. „Es ist schade, wenn die Großeltern nicht teilnehmen können, aber das haben wir nicht in der Hand.“ Derzeit werde nach Möglichkeiten gesucht, die Feier in einem größeren Rahmen stattfinden zu lassen. So sei eine Freiluftveranstaltung auf dem Schulhof denkbar. Insgesamt 56 Abc-Schützen werden an der Otto-Boye-Schule eingeschult.

Auch für Michael Blaschke, Schulleiter der Alstein-Grundschule, ist die Einschulungsfeier ein Muss: „Es war gar keine Option für unsere Schule, diese Feier ausfallen zu lassen.“ Auch hier werden je nach gesetzlichen Vorgaben wahrscheinlich nur Eltern zur Einschulungsfeier erlaubt sein. Normalerweise dürfen pro Kind sechs Begleiter mitkommen, in diesem Jahr werden es nur zwei sein. Dabei wird das Programm für die beiden Klassen mit insgesamt 43 Schülern einzeln vorgenommen.

Feier ohne Gesang

Traditionell singen an der musisch ausgerichteten Grundschule die größeren Klassen für die Abc-Schützen. Doch das wird vielleicht nicht möglich sein. Experten vermuten ein hohes Ansteckungsrisiko durch Tröpfchen und Aerosole, die beim Singen ausgestoßen werden. „Sollte dies der Fall sein, denken wir uns ein Lehrerprogramm aus“, so Blaschke.

Die Erich-Kästner-Grundschule will ebenfalls nicht auf die Einschulung der 52 Abc-Schützen verzichten. Bei schönem Wetter soll die Einschulung draußen auf der Hofbühne in drei Durchgängen auf der stattfinden, wie die Schule mitteilt. Insgesamt vier Begleitpersonen seien pro Schüler möglich. Bei Regenwetter müsse dann ins innere Atrium ausgewichen werden. Dann wären aufgrund des vorhandenen Platzes jedoch nur noch zwei Begleitpersonen pro Kind möglich.

Auch in der katholischen Einrichtung „St. Hildegard“ wird die Einschulung für die 23 Abc-Schützen anders ablaufen als in den Schuljahren zuvor. „Wir veranstalten traditionell einen Einschulungsgottesdienst. Dieser wird stattfinden, aber in eingeschränkter Form“, sagt Schulleiterin Sandra Lehmann. Auch hier wird in Erwägung gezogen, dies unter freiem Himmel zu veranstalten. „Wir werden uns definitiv eine Lösung einfallen lassen. Ohne Einschulungsfeier geht es nicht, das ist eine Tradition“, sagt sie.