Siestedt (aro) l Wenn Franziska Heiligtag ihre Patienten verarztet, sitzen ihre Kinder ab und zu gleich nebenan im Büroraum vor dem Fernseher. Die Veterinärmedizinerin kann ihre Kleintierpraxis nicht schließen. Lediglich an zwei Tagen in der Woche hat sie die Nachmittagssprechstunde abgesagt. Nur donnerstags gibt es jetzt nachmittags noch eine Sprechzeit. „Wenn es jedoch einen Notfall gibt“, sagt sie, dann finde sich auch eine Lösung.

Die Siestedterin trägt einen bunten Schutz vor Mund und Nase, selbstgenäht. Auch für die Familie hat sie genäht, ihre Kinder haben den Schutz ganz selbstverständlich angelegt und darauf bestanden, dass sie für den Puppenjungen ebenfalls einen Schutz näht.

Auch die Tierbesitzer kommen jetzt mit Schutz für Mund und Nase. „Etwas sicherer fühle ich mich damit schon“, meint die Tierärztin. Sie habe das Wartezimmer geschlossen, die Tierbesitzer müssten auf dem Hof warten, da sei sehr viel Platz, auch zum Sitzen. Und sie lässt jeweils auch nur eine Person mit dem Tier ins Sprechzimmer. Doch die müsse das Tier bei der Behandlung halten. „Ein Mindestabstand kann dabei nicht eingehalten werden.“ Bei großen Hunden, die sehr lebhaft sind, ist es manchmal sogar nötig, dass zwei Personen mit ins Sprechzimmer kommen.

Ihre Mitarbeiterin, die sonst die Büroarbeiten und andere nichtmedzinische Arbeiten erledigt, kann nicht kommen, seit die Schulen geschlossen sind, denn sie hat zwei Kinder, die zur Grundschule gehen und die sie zu Hause betreuen muss. So fängt die Tierärztin morgens zeitig an mit der Reinigung der Praxis und sitzt dann abends noch am Laptop. Denn auch Franziska Heiligtag hat zwei Kinder im Grundschulalter. Jonathan geht in die 1. und Charlotte in die 3. Klasse. Die beiden müssen jeden Tag ihre Aufgaben für die Schule erledigen, und sie brauchen dabei Hilfe. Vor allem Jonathan, der in der 1. Klasse noch dabei ist, Schreiben und Rechnen zu lernen. Franziska Heiligtags Mann arbeitet im Home-Office mit regelmäßigen Videokonferenzen. Da muss der Tag gut durchgeplant werden. Und zur Zeitüberbrückung dürfen Jonathan und Charlotte dann auch mal einen Trickfilm in Mamas Büro sehen.

Franziska Heiligtag hat ihre Kleintierpraxis auf dem elterlichen Grundstück, wo sie mit ihrer Familie auch wohnt. Das zahlt sich jetzt in der Corona-Krise aus. Ihr Vater kümmert sich immer noch um die „großen Tiere“, ist also unterwegs in den Agrarbetrieben. Wenn es zeitlich zu machen ist, hilft Michael Heiligtag im Notfall aber auch mal aus. Täglich Hilfe hat Franziska Heiligtag zudem von ihrer Mutter, und das weiß sie zu schätzen. Christa Heiligtag kocht nämlich für ihre Familie mit.

Jetzt im Frühling ist viel zu tun bei den „kleinen Tieren“, bei Katzen, Hunden, Kaninchen und Meerschweinchen. Schutz vor Zecken und Flöhen sowie Entwurmungen, zählt Franziska Heiligtag auf. Erfahrene Tierbesitzer holen häufig aber auch einfach nur die Medizin ab, einige Mittel können sie ihren Vierbeinern selbst geben. Bei Verletzungen, Lahmheit und anderen Beschwerden aber müssen die Tiere in die Praxis kommen. Hinzu kommen Sterilisationen und Kastrationen vor allem bei Katzen. Viele haben ältere Tiere, und die bekommen nicht selten Probleme mit den Gelenken, erläutert Franziska Heiligtag. Mancher Tierbesitzer nutzt vielleicht auch jetzt die Zeit für einen bisher aufgeschobenen Besuch bei der Tierärztin, weil er zu Hause ist.

Mit guter Planung kommt Franziska Heiligtag mit ihrer Familie zurecht. Die Kinder vermissen natürlich ihre Freunde, sagt sie. Da sind die Eltern kein richtiger Ersatz, obwohl sie sich sehr bemühen. „Ich bin noch nie so viel Fahrrad gefahren wie jetzt“, sagt die Tierärztin und lächelt.