Haldensleben l Große Haldensleber Unternehmen wie Ifa prüfen in Krisentagen wie diesen Anträge auf Staatshilfen. Sofortige Unterstützung hat die Politik in dieser Wirtschaftskrise aber auch den kleinen Betrieben versprochen. Firmen mit bis zu fünf Mitarbeitern sollen als Einmalzahlung für drei Monate bis zu 9000 Euro bekommen, Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern sogar bis zu 15.000 Euro. Davon müssen die Unternehmen nichts zurückzahlen. Insgesamt stehen 50 Milliarden Euro vom Bund zur Verfügung. Was kommt davon bei den kleinen Haldensleber Betrieben an?

Uhrmachermeister Johannes Gaertig rechnet damit, weniger als die Hälfte der möglichen 9000 Euro für seinen Betrieb zu bekommen. Gaertig hat zwei Angestellte, für die er Kurzarbeit beantragt hat. Nun ist er dabei, auch Soforthilfe zu beantragen. Eine unkomplizierte Sache, wie von der Politik versprochen, sei das für ihn nicht, betont er. „Ich bin Uhrmacher, kein Büromensch“, sagt Gaertig. Momentan müsse er jedoch viel Zeit am Computer verbringen.

Nur noch wenige Kunden kämen in sein Uhren- und Schmuckgeschäft an der Hagenstraße, berichtet Gaertig. Als einer der wenigen Ladenbesitzer der Einkaufsstraße darf er sein Geschäft noch öffnen. Denn Uhrmacher ist ein Handwerksberuf, Gaertig bietet Reparaturen an. Gefragt seien seine Dienste in diesen Zeiten jedoch kaum, berichtet er. Normalerweise habe er etwa 30 Kunden täglich, derzeit seien es fünf oder sechs. Sein Geschäft öffnet er nur noch am Vormittag.

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Gaertig ist seit 30 Jahren Uhrmacher in Haldensleben. Er wolle keine Insolvenz anmelden. „Dann nehme ich lieber einen Kredit auf“, sagt er. Darüber verhandele er gerade mit seiner Bank.

Dass die Bundesregierung bei den staatlichen Corona-Krediten nur zu 90 Prozent bürge, kritisiert der Uhrmacher. „Das reicht nicht“, sagt Gaertig. „Wer soll die restlichen zehn Prozent übernehmen?“, fragt er. Deutschlandweit berichten Bankkunden, dass ihre Hausbank nicht gewillt ist, das Restrisiko zu tragen, so wie es sich die Bundesregierung bei den Corona-Krediten vorgestellt hatte.

Krankenkasse und Hausbank unterstützen

Auch wenn es Gaertig nicht leicht fällt, die Anträge für finanzielle Hilfe zu verstehen und auszufüllen, allein gelassen wird er damit nicht. Die Investitionsbank, die Handwerkskammer sowie die Bundesagentur für Arbeit hätten ihm zuletzt geholfen, berichtet er. Speziell die Arbeitsagentur habe ihn „sehr gut“ beraten.

Auch die Krankenkasse unterstützt Gaertig in dieser schwierigen Phase. Er müsse erst einmal weniger zahlen, berichtet der Uhrmacher. Eine Miete für seinen Laden brauche er nicht aufbringen, dafür habe er aber einen Kredit für die Räume zu tilgen. Seine Hausbank komme ihm hier entgegen, er habe die Tilgung vorerst aussetzen können, berichtet Gaertig.

Enttäuschung über die Soforthilfe

Laut Magdeburger Handwerkskammer sind in der Region 90 Prozent aller Handwerksbetriebe von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Deshalb sei auch die Nachfrage zur Soforthilfe bei den Betrieben groß, heißt es in einer Mitteilung. Die Kammer berät diese Betriebe derzeit über eine Hotline. Dabei habe man hinsichtlich der Soforthilfe „deutlich die Enttäuschung der Betriebsinhaber wahrgenommen, dass der Zuschuss nicht alle Kostenpositionen umfasst und die Unternehmen nicht in dem von ihnen erwarteten Umfang entlastet werden.“

Im Vergleich zu Unternehmern, die ihr Geschäft wegen der Pandemie schließen müssen, hat Stefan Oldenburg etwas weniger Grund zu klagen. Oldenburg ist Fliesenleger und Badgestalter, er beschäftigt in seiner Haldensleber Firma fünf Mitarbeiter. Um etwa ein Viertel sei der Umsatz bei ihm eingebrochen, berichtet der Unternehmer. Trotzdem könne er es sich aufgrund des Handwerkermangels kaum leisten, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Oldenburg befürchtet, seine Leute könnten dann einfach den Betrieb wechseln.

Zwei seiner Mitarbeiter würden nun Überstunden abbauen oder Urlaub machen, sagt Oldenburg. Er habe außerdem einen Antrag auf Soforthilfe gestellt. Einen neuen Kredit müsse er noch nicht aufnehmen, sagt er. „Aber ich weiß nicht, wie es in drei Wochen aussieht“.

Besonders hart getroffen hat die Krise den Eventmanager und Gastronomen Nils Todtenhaupt (wir berichteten). Für seine zwei Eventfirmen sind die Veranstaltungen abgesagt, das von ihm betriebene Restaurant am Hundisburger Schloss musste er auf behördliche Anordnung schließen.

Schlossrestaurant wird die Pacht erlassen

Nun sichert ihm der Schlossverein Kultur-Landschaft Unterstützung zu. Wie Joachim Hoeft, der Vereinsvorsitzende, gestern mitteilte, habe sich der Vorstand darauf verständigt, die Pacht für das Restaurant auszusetzen, bis der Betrieb wieder öffnen könne. Hoeft betonte dazu, es sei nicht einfach, einen Pächter für das Schlossrestaurant zu finden, der den Vorstellungen des Vereins entspreche.

Auch Pascal Hampel berichtet, dass sein Vermieter ihm eine reduzierte Ladenmiete in der Hagenstraße angeboten habe. Am 2. April wollte der 24-Jährige dort sein eigenes Reisebüro eröffnen, angemietet hatte er die Geschäftsräume bereits Anfang März. Mit der Eröffnung wird es nun erst einmal nichts, Hampel hat sie auf unbestimmte Zeit verschoben. Sein Gewerbe ist aber schon angemeldet. Auch Hampel will Soforthilfe beantragen. Bislang hielten sich seine Ausgaben aber in Grenzen, berichtet der Reiseunternehmer. Anders liegen die Dinge bei Dennis Hampel, Pascals Vater. Der Reiseunternehmer mit Büro am Marktplatz beschäftigt 15 Mitarbeiter. Für sie hat er derzeit nicht viel zu tun, der Unternehmer hat Kurzarbeit beantragt. Darüber hinaus hat Hampel einen Antrag auf Soforthilfen gestellt. Sein Schaden könne damit allerdings nicht ausgeglichen werden, betont der Reiseunternehmer. Er hoffe jedoch noch, ohne neue Kredite klarzukommen.

Ob die Regierung hätte mehr machen müssen, um Schaden von Unternehmen abzuwenden? Hampel räumt ein: „Ich weiß es nicht.“ Man müsse nun erst einmal etwas Geduld aufbringen und abwarten, bis die Vielzahl von Anträgen bearbeitet seien, sagt der Unternehmer. Er habe Verständnis dafür, dass das etwas dauern könne.

Unterstützung bekommen Haldensleber Firmen auch von der Stadt. Auf der Webseite www.haldensleben.de/corona hat die Verwaltung einen Wegweiser mit Hilfsadressen erstellt. Wie Stadtsprecher Lutz Zimmermann berichtet, arbeite man außerdem an einer Idee eines digitalen Marktplatzes für die Stadt, auf dem sich Unternehmen dann präsentieren könnten.