Haldensleben l Im Zuge seiner digitalen Agenda unterstützt das Land Sachsen-Anhalt den Aufbau sogenannter Digitalisierungszentren im Land. Damit, so sagt Thomas Wünsch, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, solle der digitale Wandel im ländlichen Raum gezielt gestärkt werden. Gerade hier biete die Digitalisierung enorme Chancen. „Ich freue mich, dass die Stadt Haldensleben diese Chancen frühzeitig erkannt und schnell gehandelt hat“, sagte Wünsch, als er am Mittwoch einen Fördermittelbescheid über 170.000 Euro an die Stadt übergab.

Dem Staatssekretär zufolge sei es nicht selbstverständlich, dass in einer Kommune Stadtverwaltung und Stadtrat gemeinsam so zielstrebig an der Digitalisierung arbeiteten. So habe bereits 2017 der Haldensleber Stadtrat Geld für die eigene digitale Agenda der Stadt genehmigt. Haldensleben sei daher die erste Kommune gewesen, die sich um eine Förderung des Wirtschaftsministeriums für die Errichtung eines Digitalisierungszentrums beworben habe, bisher hätten laut Thomas Wünsch erst fünf Kommunen und Landkreise in Sachsen-Anhalt das Gleiche getan. So war Haldensleben nun auch die erste Stadt, die einen Fördermittelbescheid entgegennehmen konnte.

Geschäftsstelle wird eingerichtet

Mit dem Geld soll über zwei Jahre eine Art Geschäftsstelle für die Digitalisierung in Haldensleben eingerichtet werden, in der zwei Fachkräfte sich mit dem Thema beschäftigen. „Das neue Zentrum soll Triebfeder und Ansprechpartner für digitale Projekte in Verwaltung, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen sein und dabei die Menschen vor Ort mitnehmen“, sagte Thomas Wünsch. Lutz Zimmermann, Verantwortlicher für den Breitbandausbau und die Digitalisierung in der Stadtverwaltung, verriet, dass die Ausschreibung nach einem Unternehmen, das die Fachkräfte zur Verfügung stellt, bereits läuft.

Während der Breitbandausbau in Haldensleben laut Zimmermann schon weit fortgeschritten sei und eine eigene Agenda mithilfe eines Digitalforums und der Gründung einer entsprechenden Arbeitsgruppe erarbeitet wurde, könne nun ein regionales Digitalisierungszentrum erschaffen werden.

Dafür gebe es drei Leitziele: Haldensleben als zukunftsfeste Kommune, als zukunftsfesten Wirtschaftsstandort und als zukunftsfesten Lebensraum zu etablieren. Einzelne Schritte zum Erreichen dieser Ziele seien beispielsweise die Schaffung eines kostenfreien W-Lan-Netzes. Die Haldensleber Stadtwerke hätten laut Zimmermann bereits ihr Interesse als Betreiber bekundet. Im Innovationszentrum könne zudem ein FabLab – eine 3-D-Druckanstalt – entstehen. Auch ein kommunales Mobilitätsprojekt, bei dem der öffentliche Personenverkehr nach Bedarfsbekundungen im Internet laufe und ein öffentlich-privater Auto-Pool eingerichtet werde, sei bisher in dem Konzept festgehalten. Für die Wirtschaft könne zudem ein digitaler Führerschein als Bildungsangebot für ältere Arbeitnehmer von Vorteil sein. Die Stadt plane außerdem, ihre digitalen Serviceangebote für Bürger weiter zu verbessern.

Die Agenda, so erklärte Lutz Zimmermann, sei „noch nicht in Stein gemeißelt und kann in der Zukunft geändert oder erweitert werden.“ Thomas Wünsch bestätigte, dass Haldensleben durch seine frühzeitigen Bestrebungen in Sachen Digitalisierung eine Modellkommune für Sachsen-Anhalt werden könnte. Zwar hätten die einzelnen Landkreise und Kommunen verschiedene Schwerpunkte – in Haldensleben sei das unter anderem der digitale Wandel in der Wirtschaft – jedoch könnten viele Projekte, die Haldensleben als künftiges Digitalisierungszentrum plant, als Vorbild für andere Kommunen gelten. Das Land wolle demnächst ein erstes Vernetzungstreffen für interessierte Kommunen organisieren, so Thomas Wünsch.