Dorst l Erst war es nur eine Vision der Dorster, das einstige Herrenzimmer im Schloss so herzurichten, dass der Ursprungscharakter wieder zum Vorschein kommt. Manfred Franke hält als Hauptinitiator der Interessengemeinschaft Dorst bei der Wiederherrichtung des Gemäuers alle Fäden in den Händen.

Das sogenannte Schloss wurde von 1922 bis 1923 im Auftrag des Gutsbesitzers Paul Fischer und seiner Frau Margarete gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Herrenzimmer. „1945 wurde der Gutsbesitzer enteignet. Russen plünderten das Gebäude zum größten Teil aus. Im Auftrag der kommunistischen Partei wurde das gesamte Inventar mit vielen LKW weggeholt“, weiß Franke aus alten Aufzeichnungen. „Zu DDR-Zeiten diente der Raum unter anderem als Gemeindebüro. Ein alter Ofen, der ein Produkt der DDR war, stand als Fremdkörper im Raum. Außerdem diente eine alte Schrankwand als Stauraum für Akten. An der Decke hing eine Neon-Röhre. Eine schwere zweiflügelige Tür, die ins Nachbarzimmer führte, wurde damals einfach zugemauert.

„Viele Dorster haben bei der Sanierung mit angepackt. Den Ofen haben wir abgebaut und raus geschafft. Die verglaste Tür wurde freigelegt, damit das Licht wieder durchscheinen kann. Jetzt kommt der Raum wieder ganz anders zur Geltung“, schwärmt Franke. „Wenn wir bald wieder Besuchern das Schloss zeigen dürfen, wird das Herrenzimmer als schönster Raum der Höhepunkt der Führungen sein“, sagt Franke voller Vorfreude und öffnet die Flügeltür.

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Vieles war kaputt oder verschwunden

Die Pforte war – nach seinen Beschreibungen – sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Kalk habe sich links und rechts in das Holz rein gefressen. Teile der Glastüren waren kaputt oder ganz und gar verschwunden. Ein Tischler und ein Glaser arbeiteten alles fachmännisch wieder auf. Die neue Scheibe gleicht den alten. Auch fehlende Segmente der hölzernen Wandverkleidung wurden ersetzt. Ein Kronleuchter und zwei kleinere Wandleuchten bekam die Interessengemeinschaft geschenkt. Gut können sich Herta und Ingo Springborn sowie Wolfram Materne und Georg Schütz daran erinnern, dass bei einem Arbeitseinsatz sehr viele Menschen aus dem Dorf zur Hilfe kamen. Auf Knien saßen die Akteure, um den alten PVC-Belag samt Pappe und Filz, der damals einfach auf die Holzdielen geklebt wurde, wieder abzuspachteln. „Im Herrenzimmer waren es über zehn Leute, die quadratmeterweise das alte Zeug abschrubbten“, erinnert sich Springborn.

„Das Geld für die Aufarbeitung des Parketts kam von der kommunalen Gemeinde. Weil der Raum zuvor auch schon für Gottesdienste genutzt wurde, hat sich auch die Kirchengemeinde finanziell beteiligt“, ergänzt Franke. Eine Fachfirma aus Magdeburg arbeitete das alte freigelegte Parkett wieder auf. Als nächstes soll das Parkett im Foyer wieder hergerichtet werden. Dazu fehle aber bisher das Geld.

Original erhalten sind noch die bunten Glasfenster. „Wenn es draußen hell ist, dann scheinen die Fenster in den schönsten Farben“, beschreibt Materne. Da der Schlossherr ein Freund der Jagd war, finden sich der heilige Hubertus und ein Rehbock in den Motiven wieder. Die Geschichte von Dorst mit der Schafzucht und einer Gänsemagd spiegelt das Deckenrelief wieder. „Ideal wäre das Herrenzimmer als Standesamt für Hochzeiten“, sind sich die Dorster einig. „Für das Trauzimmer könnten wir noch einen alten Sekretär gebrauchen“, ergänzt Materne.