Kämkerhorst/Mannhausen l „Biber leben in kleinen Familienverbänden. Die Reviergröße an den Gräben und Kanälen im Naturpark Drömling liegt je nach Nahrungsangebot zwischen 1000 und 3000 Metern“, beschrieb Joachim Weber, der seit über 20 Jahren als Mitarbeiter der Naturwacht tätig ist. Gemeinsam mit seinem Kollegen Ulf Damm, der schon genau so lange in der Naturparkverwaltung arbeitet, begrüßte Weber die Gäste und übernahm bei der Exkursion die Führung.

„Wir wollen Ihnen bei dieser Tour mal einige Biberreviere zeigen. Das Wetter dafür ist ja hervorragend“, weiß Weber und deutete gleich am Start der Wanderung auf einen Ausstieg, von dem sich der langzahnige Geselle aus dem Wasser der Ohre auf Landgang macht. Deutlich war die Schleifspur von der Kelle - dem Schwanz des Bibers zu erkennen. „Wir haben derzeit um die 70 Biberreviere im Drömling. Diese Anzahl hat sich so eingepegelt“, erklärte Weber.

Derzeit 70 Reviere

Biber sind eine der ältesten heute noch vorkommenden Säugetierarten. Schon vor rund 38 Millionen Jahren lebten Urbiber auf der Erde. Es überlebte nur eine kleine Population von etwa 190 Bibern in der Region der Mittelelbe. Grund für diesen Schwund waren die Jagd auf die Tiere, aber auch der Ausbau von Fließgewässern. Diese Maßnahmen führten dazu, dass der Biber für lange Zeit aus seinem angestammten Lebensraum vertrieben wurde.

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Der letzte damals bekannte Biber wurde 1919 im Breitenroder Drömling erlegt. Es dauerte bis 1994, als die erste eigenständige Neubesiedlung über die Ohre in den Drömling erfolgte. Durch intensive Schutzmaßnahmen, die mit der Ausweisung des Naturparks Drömling im Jahr 1990 eingeleitet wurden, konnte der Bestand seitdem stabilisiert werden. Heute leben etwa 3300 Tiere in Sachsen-Anhalt, davon etwa 250 im Naturraum Drömling. Sie stehen nach geltendem Recht unter strengem Schutz.

Tiere stehen unter Schutz

„Am Anfang der Neubesiedlung hatten wir ja fast eine Verdoppelung der Reviere – also von drei auf sechs oder von sechs auf zwölf. Jetzt haben wir höchstens mal eine Zunahme von einem oder zwei Revieren, aber auch mal ein Jahr, wo drei oder vier Reviere weniger sind. Die massive Ausbreitung ist nicht mehr“, bilanzierte Damm.

Ein Teil der Biber ist – nach den Ausführungen von Damm – schon über die Aller abgewandert. „Wir haben jetzt auch die ersten Nachweise an der A 2, am Oberlauf der Aller, wo der Biber jetzt auch schon angekommen ist. Dort hat es der Biber allerdings schwerer, weil er ringsum nichts zu fressen findet. Hier im Drömling hat er es wie im Schlaraffenland“, beschrieb Weber und zeigt auf Fraßspuren der langzahnigen Nager.

Aber auch der Fischotter fühlt sich im Drömling sehr wohl. „Aber der Fischotter ist überaus scheu und lässt sich nicht sehen oder nur ganz selten sehen“, wissen die Ranger aus Erfahrung.

Eines der ältesten Säugetiere

Die Tour führte am Ufer der Ohre entlang bis zur Rätzlinger Straße, dann ging es auf der Landesstraße 20 bis zum Wilhelmskanal wieder in Richtung Kämkerhorst. Nur zwei Kilometer Anreise von der Kolonie Werder, die zu Mieste gehört, nach Kämkerhorst hatten Hagen Kohlhas und seine beiden Söhne Enno und Lennox.

Einen Biber in der Natur zu beobachten, ist für Familie Kohlhas keine Überraschung, denn schließlich leben die Nager in unmittelbarer Nachbarschaft. „Ich habe schon ganz oft einen Biber gesehen“, verriet der siebenjährige Enno, der trotzdem ganz wild darauf ist, mehr von den Baumeistern zu erfahren.

Nager gestalten Lebensraum selbst

Biber sind reine Pflanzenfresser, als Bewohner der Weichholzauen sind sie nach dem Menschen die einzigen Säugetiere, die ihren Lebensraum aktiv selbst gestalten können. Aus monotonen, sauerstoffarmen Gewässern entstehen so artenreiche Biotope. Die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren in solchen neu geschaffenen Biotopen erhöht sich nachweislich um ein Vielfaches.

Fische profitieren von im Wasser liegenden Ästen als Unterstand, Libellen und Amphibien erhalten durch angestaute Bäche und Gräben neue Lebensräume. Die vielerorts im Drömling verschwundenen Muschelarten brauchen die hinter dem Biberdamm entstehenden Sandbänke zum Überleben. So könnte man noch viele dieser positiven Effekte nennen, wenn es da nicht noch eine andere Seite der Medaille gäbe.

Unbeliebt sind die Biber bei den meisten Landwirten, weil die Tiere ganze Felder unter Wasser setzen. Oft verstopft der Nager mit seinen Bauwerken Durchlässe, die dann erst durch Menschenhände wieder freigelegt werden müssen. Damm kennt natürlich die Vorbehalte gegen den Biber, kennt die Probleme. „Das ist sehr ärgerlich für die Landwirte, aber der Biber gehört zur Natur dazu“, sagt der Naturschützer.