Uthmöden/Satuelle l Mehrere Standbeine haben. Das hilft in Krisenzeiten. So raten es die Karrierebibeln für Selbsständige. Weil es unwahrscheinlich ist, dass alle Standbeine auf einmal wegbrechen. Aber ausgeschlossen ist es nicht.

Bauer Siegfried Partes aus Uthmöden hat sein Geschäft diversifiziert. Doch nun sind aus mehreren Standbeinen nur mehrere Probleme geworden. Und das in nur wenigen Wochen.

Da ist der Eisverkauf, der zuletzt ein Zubrot für ihn war. Bis Corona kam. Keine Veranstaltungen, keine mobiler Eisverkauf mehr. Da sind die Rinder, die ihm Exporthändler für gewöhnlich abnehmen. Gerade jedoch, auch wegen Corona, würden die Händler aus dem Ausland nicht kommen, sagt Partes. Und dann ist da noch sein Roggen auf dem Feld. „Es gibt die ersten Trockenschäden an einigen Stellen“, berichtet der Landwirt.

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Zwei Dürrejahre mit Folgen

Nach zwei Dürrejahren in Folge habe er natürlich „arge Bedenken“, sagt Partes. Zuletzt habe er Futter zukaufen müssen für die Tiere. „Wenn nun jedes Jahr so wird wie die letzten beiden, wird es schwierig“, betont er.

Tatsächlich hat der trockene Bördeboden des vergangenen Sommers über die kalte Jahreszeit ungewöhnlich wenig Regen abbekommen. Die Station des deutschen Wetterdienstes in Magdeburg verzeichnete seitdem nur zwei Monate mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Feuchter als normal war es demnach nur im Oktober und Februar.

Das ist auch für die Wälder der Region ein Problem. Auch sie haben in den vergangenen beiden Jahren unter der Trockenheit gelitten und waren so anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Die Forstwirtschaft reagierte mit Aufforstungen. Doch die jungen Bäume drohen nun gleich wieder zu vertrocknen. „Der Regen im Februar war nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Thomas Roßbach vom Betreuungsforstamt Flechtingen. Wenn es nicht bald regne, könnten viele Hektar Aufforstung vergebens gewesen sein.

Dazu kommen auch in der Forstwirtschaft Corona-Probleme. „Die Holzpreise sind im Keller“, sagt Roßbach. Nach wochenlangen Schließungen der Möbelhäuser seien die Holzlager voll. Es werde derzeit einfach insgesamt weniger Holz benötigt, erläutert Roßbach. Zu sehen sei das an den Preisen für nahezu alle Holzarten.

Höchste Waldbrandstufe

Mit der zunehmenden Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr in der Region. Nördlich der Autobahn 2 gilt im Landkreis bereits die höchste Waldbrandstufe fünf. Südlich der Autobahn ist es noch Stufe vier. Grund sind die unterschiedlichen Böden im Norden und Süden des Landkreises, die eine unterschiedliche Vegetation zur Folge haben. Der eher sandige Boden im Norden, auf dem verstärkt Kiefern wachsen, trocknet schneller aus. Deswegen haben auch die Bauern in der nördlichen Börde mit ihren leichteren Böden schneller ein Problem, wenn der Regen ausbleibt.

Christian Apprecht, Geschäftsführer des Bauernverbands Börde, spricht von einer „bedrohlichen Situation“ für die Landwirte. „Das Getreide beginnt mancherorts, die Blätter einzurollen“, berichtet Apprecht. Noch sei aber nichts verloren – wenn es denn bald regnet. Eine erneute Dürre-Ernte könnte viele Landwirte vor Probleme stellen, bestätigt Apprecht. Nach den schlechten Jahren fehle die Liquidität bei vielen, betont er. Besonders für Viehhalter sei es ein großes Problem, wenn sie teures Futter zukaufen müssten. Die Coronakrise verschärfe die Situation zusätzlich.

Apprecht verweist auf gesunkene Milch- und Kartoffelpreise. Die Molkereien lieferten etwa weniger Milchpulver nach China, hinzu kämen logistische Probleme. Der Absatz von Kartoffeln sei teilweise eingebrochen, weil die Nachfrage nicht mehr da sei, etwa nach Pommes Frites aus Imbissläden.

50 Prozent weniger Ernte

„Es kommt gerade alles zusammen“, betont Burkhard Braune, Landwirt in Satuelle. Rund 200 Hektar bewirtschaftet er. Getreide, Raps und Mais hat er angebaut, für sein Vieh hat er Grünland. In den vergangenen beiden Jahren habe er kein Futter dazukaufen müssen, berichtet Braune. Geerntet habe er allerdings etwa 50 Prozent weniger als in guten Jahren.

Braune, der auch im Haldensleber Stadtrat sitzt, ist seit 30 Jahren Landwirt, seit zehn Jahren im Haupterwerb. Mit 64 Jahren steht er kurz vor dem Rentenalter. Der Landwirtschaft den Rücken kehren kommt für ihn nicht in Frage. „Ich bin gerne Landwirt“, sagt er, „trotz allem“.

Ähnlich sieht es auch Bauer Partes im Nachbarort Uthmöden. Auch er ist 64 Jahre alt, auch er ist seit Jahrzehnten als Landwirt tätig, heute unterstützt durch seinen Sohn. Zwar sei die Existenznot groß durch die „extrem trockenen Jahre“, die womöglich Auswirkungen des Klimawandels seien, sagt Partes. Er wolle aber dennoch dafür kämpfen, damit sein Sohn weiterführen könne, was seine Großeltern einst begonnen hätten. Auch an mehreren Fronten.