Weferlingen l Voller Sorge blicken Hennig und Karola Mertens in die Höhe, wenn sie auf ihren Hof am Platz der Jugend in Weferlingen kommen. Es ist aber nicht das Wetter, was ihnen Sorge bereitet und nach oben blicken lässt, sondern das langgezogene Mauerwerk auf dem Nachbargrundstück.

Dicke Risse zeigen sich im Mauerwerk, die immer größer und breiter werden wie die Familie beobachtet hat. Seit am Abend des 25. Juli das ewig lange leerstehende Nachbarhaus eingestürzt ist, fürchtet die Familie um ihr Hab und Gut. Denn das Wenige, was noch übrig geblieben ist von der Ruine nebenan, ist weder standsicher noch stabil. Auch weiter hinten auf dem Grundstück, da, wo die Familie Mertens ihre Kaninchen und das Geflügel halten, besteht immer mehr die Gefahr, dass Teile herabstürzen könnten. Die Backsteinwände sind dünn und löchrig, ihnen fehlt es an Gegendruck.

„Ich traue mich schon gar nicht mehr, meine Enkelkinder auf dem Hof spielen zu lassen“, sagt Karola Mertens. Dabei sind die Zwei gern an der frischen Luft, bei den Tieren oder im Garten.

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Und von diesem Garten aus tut sich das nächste Dilemma auf. Denn das Dach des noch verbliebenen Nebengebäudes hat ebenfalls schon gefährliche Neigungen und Abbrüche vorzuweisen. „Hier muss doch endlich einmal etwas passieren“, sagt Hennig Mertens.

Das Ehepaar ist überzeugt davon, dass die noch verbliebenen Reste nebenan den nächsten Winter nicht mehr überstehen werden.

Und Hennig Mertens, der gern anpackt, wenn etwas zu tun ist, fühlt sich machtlos, denn selbst wenn er dürfte, könnte er nichts unternehmen. Alles, was von seiner Seite gefährlich aussieht, gehört zur Nachbarseite. An ein Rankommen ist aufgrund der Bebauung seines Hofes nicht zu denken, und die meterhohen Trümmer des Einsturzes nebenan stapeln sich überall auf dem Gelände. Auch von dort kann man derzeit nichts erreichen.

„Die Bauaufsichtsbehörde hat die Grundstückseigentümerin im Rahmen einer Anhörung und eines gemeinsamen Ortstermins auf die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen hingewiesen“, sagt Heiko Markworth, Sachgebietsleiter Bauverwaltung beim Landkreis Börde. Da die Eigentümerin die Maßnahmen bisher nicht durchgeführt habe, werde der Landkreis eine Ordnungsverfügung mit der Anordnung der erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr erlassen müssen.

Diese Verfügung werde auch den Hinweis auf die Durchführung einer möglichen Ersatzvornahme enthalten. Demnach könnte die Sicherung durch eine vom Landkreis Börde zu beauftragende Firma ausgeführt werden, falls die Eigentümerin der Verfügung zur Durchführung erforderlicher Sicherungsmaßnahmen nicht nachkommt.

Familie Mertens hofft sehr, dass es bis dahin nicht zu spät ist, denn jeden Morgen blicken sie aufs Neue sorgenvoll auf die hohe Trennmauer, die Risse und die Neigungen, die bedrohliche Ausmaße angenommen haben.

Und der Winter sei mittlerweile auch nicht mehr fern. Die Regenfälle der vergangenen Woche haben ungehindert neuerlich Wasser in die porösen Fugen und Ritzen eingetragen, die das ganze immer mehr aufblähen.

Karola Mertens zeigt von der Straße auf die Trümmer. „So ist es doch wirklich auch kein schöner Anblick, sondern ein Schandfleck für unseren Ort“. sagt sie.