Satuelle l Zuerst hört man ein hohes Summen. Dann ein tiefes Brummen. Auf dem Flugplatz in Satuelle herrscht das große Surren. Hier trainieren die Mitglieder des Modellflugclubs Haldensleben ihre Fertigkeiten an der Fernbedienung der Fliegerstaffel im Miniformat. Wer sich nun aber einen alten Greis vorstellt, der an seiner kleinen Maschine im dunklen Kämmerlein herumtüftelt, der irrt.

Tüftler sind sie wohl allesamt, die 21 Mitglieder des Modellflugclubs. In ihren heimischen Werkstätten setzen sie die Modellflugzeuge Stück für Stück in liebevoller Kleinarbeit zusammen, um sie nachher fliegen zu lassen.

Vielseitiges Hobby

„Das Hobby ist sehr vielseitig“, sagt Erhard Könnecke, der als Vorsitzender des Vereins weiß, wovon er spricht. Es geht um Materialien, um Technik, Elektronik und Gestaltung der kleinen Flieger. Und auch wenn der Modellflugclub sich nur selten in der Öffentlichkeit zeigt, hat der Sport durchaus eine lange Tradition in Haldensleben. Im Jahr 1968 scharrten sich Interessierte um Christian Hieber, der das Hobby von seinem bayrischen Heimatort mit nach Haldensleben brachte. „Wir waren bei Wettkämpfen und Turnieren oft eine der erfolgreichsten Mannschaften Sachsen-Anhalts“, sagt Christian Hieber, der auch heute noch begeistertes Mitglied im Haldensleber Modellflugclub ist. Im Jahr 1990 gründete sich der Verein nach der Wendezeit neu.

Wenn sich die Mitglieder auf dem Flugplatz treffen – manchmal ist es wöchentlich, manchmal täglich – herrscht eine familiäre Atmosphäre. Dabei könnten die Modelle, die sich auf dem Flugplatz tummeln, nicht unterschiedlicher sein: Von Hubschrauber über Oldtimer bis hin zu Düsenjets ist jede denkbare Flugzeugform vertreten. „Jedes Mitglied sucht sich sein eigenes Modell aus“, sagt Erhard Könnecke.

Dabei gibt es einige Richtwerte für die Miniaturflieger. So dürfen sie nicht mehr als 25 Kilogramm wiegen, denn sonst benötigen sie eine gesonderte Zulassung. Außerdem ist der Flugradius genau abgesteckt auf dem zwei Hektar großen Flugplatz. Ob das Objekt motorenbetrieben ist oder ein Segelflieger, ist jedem Sportler selbst überlassen.

Bruchpiloten und Bodenpersonal

Was früher mit ein paar Drähten und Kabeln startete, ist heute ein kleines Hightech-Gerät. So können die akkubetriebenen Flieger nicht nur per Programmierung an einen bestimmten Ort fliegen, sondern können auch – ähnlich wie Drohnen – mit kleinen Videokameras ausgestattet werden, die Satuelle von oben zeigen.

Im Training heben nicht mehr als drei oder vier Flieger gleichzeitig ab. „Das ist sonst nicht mehr erholsam und die Gefahr von Unfällen steigt“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Als Koordinator ist er sozusagen das Bodenpersonal auf dem Platz und sorgt für geordnete Abflüge und Landungen.

Und wenn doch mal etwas schiefgeht, muss der Pilot dies mit Gelassenheit tragen. „Es kommt oft zu Bruchlandungen. Doch das gehört zum Sport dazu“, sagt Könnecke. Und wer die Einzelteile seines Fliegers in den Händen halte, der sei direkt wieder Feuer und Flamme für den Aufbau. Die ständige Verbesserung der Modelle mache den Reiz des Sports aus.

Jeden Handschlag selbst machen

Von der Planung bis zum fertigen Flieger können die Tüftler jeden Handschlag selbst machen, aber auch komplett kaufen. So gibt es Baupläne für Flieger, es können aber auch ganze Sets gekauft werden. Unikate sind vor allem jene, die maßstabsgetreu aufgebaut werden.

Doch die Kunst besteht laut Erhard Könnecke – fernab der Baufertigkeiten – im Fliegen der Miniaturmaschinen. Das erfordere teilweise jahrelanges Training. „Im Prinzip treibt uns doch immer der Traum an, selbst drin zu sitzen“, sagt Könnecke, während neben ihm ein miniaturgetreuer Doppeldecker aus dem ersten Weltkrieg in die Lüfte abhebt.