Wedringen l Es ist wie nach Hause kommen. Die Sitzgelegenheiten sind nicht mehr nagelneu, dafür aber gemütlich. Es gibt leckeres Essen wie bei Muttern. Hinter dem Tresen steht Hannelore Luthe, die Chefin des Hauses und gleichzeitig Zuhörerin, Ersatzmutter und so vieles mehr. Über 28 Jahre hat sie hier die Stellung gehalten, nun ist Ende der Woche Schluss.

„Ich bin 67 Jahre alt, mein Mann 70. Das war immer der Punkt, an dem wir aufhören wollten“, sagt Hannelore Luthe. Ihre Hände sind immer unruhig, als würde sie die Handgriffe aus der Küche auch im Sitzen nicht stoppen können. 39 Jahre war sie alt, als sie sich dafür entschied, einen Kiosk im 600-Seelen-Ort Wedringen zu eröffnen. An der Dorfstraße stand ein alter Stall – der sollte es werden. Die aus Mannhausen (Gemeinde Calvörde) stammende Frau stieg in die Kette „Quickbox“ ein.

Immer weiter ausgebaut

Über die Jahre bauten sie und ihr Mann den kleinen Kiosk immer weiter aus. Es folgte eine Küche mit Sitzplätzen, um einen Imbiss anzubieten. Ein weiterer Raum konnte Jahre später für Familienfeiern, Feste und auch den Ortschaftsrat angeboten werden. „Wir haben anfangs gar nicht geglaubt, dass in der alten Feldscheune so viel drin steckt“, sagt Eckard Luthe, Mann der Inhaberin und treuer Begleiter.

Von letzteren hat Hannelore Luthe viele. Bis zu zehn Wedringer haben sich über viele Jahre fast täglich auf den Weg gemacht, um sich von ihr verköstigen zu lassen. Man kennt sich, man ist zusammen alt geworden. „Wenn ich zum Essen kam, fühlte ich mich wie bei Muttern Zuhause“, schreibt Klaus Schwentesius in einem Brief an die Volksstimme. „Hatte man Probleme, so komme man mit Hannelore darüber sprechen.“

Der Kontakt zu den Gästen, der werde ihr fehlen. „Viele haben mir gesagt, ich könne nicht aufhören“, sagt sie und eine Träne läuft ihr über die Wange. Sie gehe mit einem weinenden Auge, aber es sei Zeit. Zeit, um nach all den Jahren mit seltenen Urlauben auch zur Ruhe zu kommen. Zeit, um sich um Enkel und Urenkel zu kümmern. Und Zeit, um alt zu werden.

Ein Abschied mit Tränen

Wenn Hannelore Luthe zurückdenkt, kommt ihr einiges in den Sinn. Rauchverbot, neue Ladenöffnungszeiten, Bauarbeiten – der kleine Kiosk musste einiges überstehen. Als im Jahr 2000 an der Kreuzung kurz vor der Quickbox gebaut wurde, musste das Team zusammenhalten. Die Zufahrt war nicht mehr möglich, der Imbiss von der Außenwelt nahezu abgeschnitten. Ein hartes Jahr. „Aufgeben war aber keine Option“, sagt Hannelore Luthe.

Da sie und ihr Mann das Grundstück direkt an der Kreuzung B 71/Dorfstraße ihr Besitz nennen, erwarten auch sie wie viele Wedringer die Fertigstellung der B 71n. Damit soll der Verkehr endlich raus aus dem Ort gebracht werden. „Man wird krank von dem Lärm“, sagt Hannelore Luthe. Ein bisschen Ruhe im Ruhestand wäre doch ganz nett.

Am Sonnabend will die Chefin ihre Türen das letzte Mal öffnen. Für 18 Uhr lädt sie alle Feinschmecker, Stammgäste und Besucher zur letzten Mahlzeit und einem Sekt ein. Doch in der kommenden Woche werden die Fenster der Quickbox dann nicht zugenagelt. Die hinteren, großen Räume sollen weiterhin für Feste vermietet werden – allerdings ohne Catering. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie ich mich fühle“, sagt die Wahl-Wedringern und erneut läuft ihr eine Träne über das Gesicht. „Es steckt so viel Herzblut in diesen Räumen“. Ihr werde das alles fehlen. Die Wedringer können das nur zurückgeben.