Wedringen l Die Geschichte von Wedringen und Umgebung wird derzeit neu geschrieben. Während südlich der Bundesstraße 71 bereits ein Skelett und Hinweise auf Grubenhäuser entdeckt wurden, stoßen die Archäologen und Grabungsmitarbeiter nun auch nördlich der Bundesstraße auf immer mehr Objekte, die Aufschluss über die Siedlungshistorie in diesem Gebiet liefern.

Ein Blick fürs Detail

Und die lässt weit zurückblicken: „Wir haben Funde, die aus der Ur- und Frühgeschichte stammen. Vermutlich hauptsächlich aus der Bronzezeit, die in dieser Region von etwa 2200 bis 780 vor Christus gedauert hat“, erklärt Grabungsleiterin Judith Blödorn und zeigt konkrete Beispiele vor.

Etwa einen Feuerstein, der eindeutig menschliche Bearbeitungsspuren aufweist: „Solche scharfkantigen Absplitterungen entstehen nicht auf natürliche Weise“, so Blödorn. Auch auf weitere Werkstoffe verstanden sich die damaligen „Wedringer“, denn es wurde eine Vielzahl von Keramikscherben entdeckt – eine von ihnen sogar mit einem Henkel.

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Funde bei Pipelinebau beschädigt

Die Archäologin hofft, dass sich aus den Funden ein ganzes Gefäß rekonstruieren lässt. Auch die Stelle, an denen die Materialien gebrannt wurden, zeigt die Leipzigerin stolz vor: „Hier muss einmal ein Töpferofen gestanden haben. Die Pfostenlöcher daneben weisen darauf hin, dass er überdacht war.“ Nicht weit davon entfernt wurde ein Brunnen gefunden, der aber nicht vollständig erhalten ist: „Als hier in den 1970er Jahren eine Pipeline verlegt wurde, ist das ohne archäologische Vorarbeiten geschehen. Dadurch wurde ein Großteil des Brunnens beschädigt. Da blutet einem das Herz“, bedauert Blödorn.

Zwar wurden also allerhand menschliche Erzeugnisse entdeckt, konkrete menschliche Überreste waren jedoch bisher nicht mehr darunter. „Der archäologische Alltag besteht nicht immer darin, Skelette oder weltbewegende Dinge zu finden. Aber der Ofen und der Brunnen sind schon schöne Sachen“, sagt Blödorn freudestrahlend.

In einem zeitlichen Zusammenhang stehen die beiden Bauwerke trotz ihrer räumlichen Nähe vermutlich nicht, wie Blödorn erklärt: „Die Menschen haben hier immer mal wieder gesiedelt. Zwischenzeitlich war dieser Ort jedoch auch verwaist. Oftmals lagen mehr als 1000 Jahre zwischen den einzelnen Besiedlungsetappen.“

Vorort-Datierung schwierig

Abgesehen von einer groben zeitlichen Einordnung lässt sich ein genaueres Alter der Funde erst nach einer Überführung in das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle mit Hilfe einer Radiokarbonanalyse feststellen.

Die Vor-Ort-Datierung erweist sich auch aus einem anderen Grund als schwierig. „Ein Anwohner hat uns erzählt, dass hier im Zweiten Weltkrieg Flakstellungen ausgehoben wurden. Dadurch wurde das Erdreich durcheinandergewirbelt. Normalerweise ist es ja so, dass die Funde älter sind, je tiefer man vorstößt. Hier herrscht jedoch ein totales Durcheinander. Eine Abgrenzung ist dadurch nicht mehr so einfach möglich“, sagt Blödorn und weist auf ein Erdloch, dessen diverse Sedimentfarben auf unterschiedliche Zeitalter hindeuten. So konnte es geschehen, dass inmitten der Jahrtausende alten Funde auch eine Münze aus dem Jahr 1831 entdeckt wurde.