Haldensleben l Die Tage sind gezählt, schon nächste Woche ist Heiligabend. Das Weihnachtsgeschäft läuft auf Hochtouren. Laut Knut Bernsen, Landesgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen-Anhalt, beginnt die Saison der Weihnachtseinkäufe aber bereits im November. Rekordverdächtige 282 Euro wollen die Deutschen pro Kopf in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben, hat eine repräsentative Umfrage der Unternehmensberatung EY ergeben. Einen Teil des Geldes geben die Kunden auch in Haldensleben aus.

Sogar zu 2,28 Milliarden Euro Umsatz wären in Deutschland während der Weihnachtszeit möglich, so Bernsen. Das sei eine Steigerung von etwa drei Prozent im Vorjahr. Die Kauflaune der Deutschen wird in diesem Jahr besonders hoch eingeschätzt. Das bestätigen auch die Haldensleber Einzelhändler. Tatjana Neuzerling, Inhaberin der Modeboutique Plaza Moda, freut sich über das gut laufende Weihnachtsgeschäft. Vor allem der Haldensleber Sternenmarkt würde viele Besucher in die Innenstadt locken. An den Adventswochenenden haben die Einzelhändler länger geöffnet – bis 16 Uhr anstatt 13 Uhr wie an „normalen“ Sonnabenden.

Gute Zeit für Modebranche

Der Bereich Mode und Kleidung zählt mit zu den Branchen, die besonders vom Weihnachtsgeschäft profitieren würden, sagt Knut Bernsen. Etwas weniger als 20 Prozent des Jahresumsatzes werden in der vorweihnachtlichen Zeit bei Bekleidungsgeschäften erwirtschaftet, sagt er.

Vor allem wärmende Accessoires und Pullis seien in der Vorweihnachtszeit laut Tatjana Neuzerling bei den Kunden beliebt. „Die Kunden kommen wieder mehr in den Laden, als online zu bestellen“, sagt sie. Dort könne man – anders als beim Shoppen im Internet – den Stoff anfassen. Das Beratungsangebot vor Ort nehmen die Kunden gern an.

Eine Branche, für die das Weihnachtsgeschäft sehr wichtig ist, ist laut Knut Bernsen der Buchhandel. Fast ein Viertel des Jahresumsatzes würde mit dem Weihnachtsgeschäft erreicht. Nur Spielwarengeschäfte könnten das noch geringfügig übertrumpfen.

Kunden kaufen bewusster

In der Innenstadt kann Ursula Fricke vom Bücherkabinett das Monopol in Sachen Bücher für sich beanspruchen. Sie habe den Eindruck, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr fast zwei Wochen früher begonnen habe. Bereits Ende November seien die Kunden auf der Suche nach Geschenken gewesen. „Ich habe das Gefühl, die Kunden kaufen in diesem Jahr bewusster“, sagt sie. Das sei ein „zarter Trend“, doch offenbar führe der Versandwahnsinn und der bedrohte Einzelhandel in der Innenstadt dazu, dass Kunden bewusst örtliche Läden aufsuchen.

Größte Konkurrenz für den Einzelhandel ist das Online-Geschäft. Bequem von Zuhause aus shoppen, der Paketdienst erledigt den Rest. Doch Ursula Fricke erinnert an die gesetzlich festgeschriebene Buchpreisbindung. „Egal, ob das Buch in Haldensleben, Hamburg oder online gekauft wird: Es hat immer denselben Preis“, sagt sie. Doch der Einzelhandel punkte mit der persönlichen Beratung.

Kunden kaufen bewusster

Doch nicht nur bewusster kaufen die Kunden, auch Selbstgemachtes ist hoch im Trend. Das bestätigt Andrea Oelze, die vor knapp zwei Jahren das Geschäft Nähwada in der Hagenstraße eröffnet hat, dass Stoffe und allerhand Ausrüstung zum Selbstnähen anbietet. „Die Kauflaune war schon in den vergangenen Jahren super“, sagt sie. Gerade zu Weihnachten seien handgemachte Geschenke der Renner. Das Weihnachtsgeschäft laufe richtig gut.

Doch trotz super Kauflaune, gibt es für die Händler auch Dinge, die es zu verbessern gilt. So ziehen sie zum verkaufsoffenen Sonntag, der am 8. Dezember Kunden in die Innenstadt locken sollte, einheitlich ein negatives Fazit. „Nicht nur die Händler sollten solche Aktionen publik machen, auch die Stadt sollte in sozialen Netzwerken auf so etwas aufmerksam machen“, sagt Andrea Oelze vom Nähwada.

Wunsch nach mehr Attraktivität

Ursula Fricke sind vor allem die leerstehenden Läden ein Dorn im Auge. „Die Vielfalt der Läden in der Innenstadt ist für die Kunden entscheidend“, sagt sie. Sie würde sie wünschen, dass diese Lücken geschlossen werden. Auch liebevoll gestaltete Schaufenster seien lockend für die Kunden.

Tatjana Neuzerling wünscht sich mehr Attraktion in der Hagenstraße zur Weihnachtszeit. „Ein paar kleine Hütten in der Straße würde helfen, um den Strom der Menschen auch hier entlangzuführen“, sagt sie. Doch das seien nur kleine Makel. Denn zum Sternenmarkt sind sich die Händler einig: Er lockt viele Besucher in Kauflaune in die Innenstadt, sodass der Einzelhandel vom Getümmel profitiert.