Altenhausen/Ivenrode l Den 3. Dezember werden die Einwohner von Altenhausen wohl so schnell nicht vergessen. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Gebiet zwischen Altenhausen und Emden. Sein Auftrag: eine seit dem Nachmittag verschwundene Frau zu finden.

Auch die beiden Jäger Klaus Neumann (66) und Karsten Lübke (41) werden durch das Großaufgebot an Rettungskräften aufmerksam. Seit dem Nachmittag wurde eine 82-jährige demente und gehbehinderte Dame vermisst. Sie hatte unbemerkt von ihrer Familie das Haus verlassen. Als die Angehörigen das bemerkten und ihre Suche nichts erbrachte, schlugen sie Alarm.

Im Wald einen Schatten gesehen

„Ich war am Nachmittag von Altenhausen nach Ivenrode unterwegs und hatte aus den Augenwinkeln bei der alten Pottkuhle einen Schatten im Wald wahrgenommen“, sagt Klaus Neumann. Diese kurze Wahrnehmung rettete der Frau wahrscheinlich das Leben, denn daran erinnerte Neumann sich sofort, als er am Abend von der Suche erfuhr.

Gemeinsam mit Karsten Lübke, der zudem auch der Nachbar der vermissten Person ist, beteiligte sich Klaus Neumann an der Suche, und begann gezielt dort, wo er am Nachmittag den Schatten gesehen hatte. Dabei kam den beiden Jägern natürlich ihre sehr gute Ortskenntnis zugute. Während Karsten Lübke das Gebiet an der Kanzel entlang absuchte, begann Klaus Neumann an der Pottkuhle zu suchen - und wurde fündig.

„Wir fanden die Seniorin in Gestrüpp liegend. Sie war völlig unterkühlt und konnte sich kaum noch bewegen“, beschrieb Klaus Neumann den Ernst der Lage. Mit den Händen hatte sie noch versucht, Gras über sich zu legen, um sich zu schützen. Den ganzen Rummel um ihre Person und den Einsatz des Hubschraubers extra für sie konnte sie gar nicht verstehen, so die Retter.

Mit Jacken gewärmt

Doch mittlerweile war es schon nach 19 Uhr geworden und stockdunkel. Mit ihren eigenen Jacken versuchten die beiden Männer, die stark unterkühlte Frau bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu wärmen.

Die Frau wurde nach der Versorgung durch die Rettungskräfte vor Ort umgehend in ein Krankenhaus gebracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie gerade noch 35 Grad Celsius Körpertemperatur, berichteten die beiden Jäger. Viel länger hätte die alte Frau an der Unglücksstelle wohl nicht mehr überleben können.

Doch zum Glück kam es nicht zu diesem schlimmen Ende, alles ging gut aus. Inzwischen ist die Frau wieder wohlbehalten zu Hause und wird tagsüber in Erxleben betreut.

Reihe von Zufällen

Einer ganzen Reihe von Zufällen ist es zu danken, dass die Rettungsaktion so gut verlief. Normalerweise wäre Klaus Neumann an diesem Dienstagnachmittag zu dieser Zeit gar nicht zwischen Altenhausen und Ivenrode unterwegs gewesen. Er war lediglich eingesprungen, um seinen Enkel vom Kindergarten abzuholen.

Aber das war nur ein Glücksumstand unter vielen. Auch die gute Ortskenntnis der beiden Jagdpächter hat zu diesem glücklichen Ausgang der Suche beigetragen und die Tatsache, dass Klaus Neumann und Karsten Lübke den Wald immer aufmerksam beobachten. Des Öfteren hatte es nämlich schon Beschädigungen an der Kanzel gegeben, so dass die Jäger immer sehr aufmerksam nach möglichen Zerstörern Ausschau halten. Diese Umstände retteten der Frau wohl letztendlich das Leben.

Erfreuliches Nachspiel für die Jäger

Für die beiden Jäger hatte die Rettungsaktion noch ein erfreuliches Nachspiel. Mit je einem Präsent dankte Jürgen Kuhnert, Bürgermeister der Gemeinde Altenhausen, in dieser Woche den beiden Lebensrettern Klaus Neumann und Karsten Lübke während der Gemeinderatssitzung. „Ihrem vorbildlichen Einsatz ist es zu danken, dass einer Einwohnerin unserer Gemeinde das Leben gerettet werden konnte“, so Jürgen Kuhnert.