Groß Bartensleben l Siegfried Heinrichs hält eine kleine Herde Ziegen als Hobbyhirte. Die Landidylle auf den Wiesen rund um Groß Bartensleben ist geprägt von seiner klassischen Einstellung zu Nutztieren. „Es war schon immer mein Traum, Ziegen zu haben“, sagt der Bartensleber und holt seine Herde vom Ufer der Aller ins Dorf. Der Ziegenhirte genießt sichtlich glücklich seine kleine Herde, die sich auf dem Nachhauseweg von den saftigen Wiesen noch sich in aller Ruhe einen Snack auf den Grünflächen der Gemeinde gönnt. Zur Herde gehören elf Ziegen, neun Lämmer und der Bock.

Fast alle seine Tiere der verschiedenen Ziegenrassen haben einen Namen. „Der Bock heißt Goofy“, erklärt der 59-jährige Ziegenhirte schmunzelnd. Goofy sieht wirklich der Comicfigur aus den Trickfilmen von Walt Disney zum Verwechseln ähnlich. Wie der Hund im Film ist Ziegenbock Goofy freundlich und treu. Anders als der Hollywoodstar, der durch seine Naivität und Tollpatschigkeit auffiel, ist der Bock durch sein selbstsicheres Auftreten der Chef der Herde. „Goofy habe ich vor zwei Jahren erst aus dem Spreewald geholt“, erzählt Heinrichs.

Mutter war Leitziege

Und dann ist da noch Maggie, deren Mutter schon die Leitziege war. Maggies Mutter bekam in der Herde ihr Gnadenbrot und ist über 14 Jahre alt geworden. „Den Posten hat Maggie schon als kleine Prinzessin von ihrer Mutter geerbt“, erzählt Heinrichs. Maggie macht ihren Job sehr gut. Sie führt die Herde. Noch nie sei ein Tier verloren gegangen. „Maggie komm her, meine Schöne“, ruft der Hirte. Mit einem zufriedenen Mäh antwortet die gehörnte Lady.

Wo Landwirtschaften vielerorts geschlossen werden, hält sich der Groß Bartensleber aus purer Leidenschaft Nutztiere. Die Weidehaltung ist eine uralte traditionelle Form der Landbewirtschaftung, die das Leben und die Kulturlandschaft der Region maßgeblich mit gestaltet hat.

Tagsüber sind die Ziegen draußen. Die Nacht verbringen sie im Stall. „Ich trenne die Lämmer von den Müttern. Sonst habe ich morgen früh keine Milch“, erklärte Heinrichs. Die Milch trinkt der Hirte selbst sehr gern. Ziegenmilch sei reine Geschmackssache. „Manche Leute meinen, dass die Ziegenmilch kräftiger schmeckt. Aber ich denke, dass der Milchgeschmack sich nach dem Futter richtet.“ Es komme – seiner Ansicht nach – darauf an, ob die Ziegen auf Flächen mit viel Brennnessel oder Rainfarn grasen. „Gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin habe ich angefangen, von der Milch Frischkäse zu machen“, schildert der Bartensleber. „Geboren bin ich in Schwanefeld“, stellt Heinrichs klar. Das sei stromabwärts der nächste Ort. „Die Aller schlängelt sich im Abstand um Beendorf herum. Aus Spaß sage ich immer zu den Beendorfern: ,Mit euch will niemand etwas zu tun haben, sogar die Aller macht einen großen Bogen um Beendorf herum“, sagt der Ziegenhirte mit einem spitzbübischen Lächeln und stützt sich auf den Hirtenstock.

Schäfer nicht gelernt

Gelernt habe er den Beruf des Schäfers nicht. „Jetzt bin ich arbeitslos und kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Tätigkeiten machen. Die Tiere sind mein Hobby“, erklärt er. Und gerät beim Blick auf seine Vierbeiner ins Schwärmen. Ziegen seien nicht störrisch, sondern sehr schlaue Tiere.

„Ich habe auch 13 Schafe, die am anderen Ende vom Ort in Richtung Alleringersleben weiden“, erzählt der 59-jährige. Die Schafe sind Tag und Nacht draußen. Bisher wurde auch noch kein Wolf gesichtet. „Gott sei dank hat der Wolf sich noch keines meiner Tiere geholt“, sagt Heinrichs mit sorgenvollem Blick. Von seinem Bekannten, dem Schäfer Torsten Kruse, weiß er nur zu gut, welche blutigen Verluste Gevatter Wolf für die Halter von Nutztieren machen kann. Die Schäferfamilie Kruse kenne er aus alten Kindertagen.

Die Schafe und Ziegen tragen – nach den Ausführungen des Hirten – auf natürliche Weise zur Entstehung dieses artenreichen Naturraums bei.

Menschen sehr ähnlich

Aber die Ziegen mag er am liebsten. Die seien den Menschen sehr ähnlich. Jede habe einen anderen Charakter. Manche sind frech und unglaublich neugierig und andere scheu.

Da gibt es nichts zu meckern: So ein tierisches Hirtenbild bekommen die Passanten in den vorbeifahrenden Autos sicher nicht alle Tage zu Gesicht. Gern gibt Heinrichs sein Wissen und seine Begeisterung für die Tiere und deren Haltung weiter.

Die Herde folgt brav ihrem Hirten über den Gutshof in Richtung Stall. „Dort gibt es noch Brötchen als Kraftfutter“, verrät der Ziegenfreund.