Haldensleben l Wie oft morgens um 4 Uhr der Wecker klingelte, kann Stefan König schon gar nicht mehr sagen. Denn für das perfekte Foto im Sonnenaufgang muss man Frühaufsteher sein. Der Neuenhofer hat sich eine besondere Sparte der Hobbyfotografie gesucht, denn er schießt Luftaufnahmen mit einer Drohne. Das sind jene kleinen Flugobjekte, die derzeit in aller Munde sind und nicht gerade einen guten Ruf haben.

Doch bis Stefan König auf die Drohne kam, fuchste er sich in die Welt der Fotografie ein. Schon als Kind habe er in Urlauben gern Landschaften und besondere Motive festgehalten. „Vor zwölf Jahren habe ich mir eine Spiegelreflexkamera gekauft und mich in die Fotografie eingelesen“, sagt der 27-Jährige. Dabei hat er sich das Fotografieren selbst beigebracht. „Man schießt erst einmal ins Blaue, dann entwickelt man sich immer weiter“, beschreibt er. Auch in die Programme der Bildbearbeitung hat sich Stefan König eingearbeitet.

Irgendwann las der Hobbyfotograf von Fotos per Drohne. Das ist ein kleines, unbemanntes Luftfahrzeug, das vom Boden aus navigiert wird. Kurzerhand bestellte er sich eines der Hightech-Geräte, probierte es aus und war begeistert. „Ich habe mich in diese andere Perspektive verliebt“, sagt er.

Bilder

Drohne klingt wie Schwarm Hornissen

Für den Start der Drohne wird das Smartphone mit einem Steuerungsgerät verbunden. Das sieht aus wie jene Controller, mit denen Spielekonsolen gesteuert werden. Wird die Drohne angeschaltet, klingt es fast, als würde ein Schwarm Hornissen vorbeifliegen. „Ich könnte aufgrund der Lautstärke also nie unbeobachtet über Grundstücke fliegen“, erklärt Stefan König. Langsam lässt er die kleine Drohne steigen. Schon ab 30 Metern Höhe ist das Flugobjekt nicht mehr zu sehen, wohl aber zu hören. Auf dem Display seines Smartphones sieht er nun, was die Drohne sieht. Sowohl die Drohne als auch die Kamera kann er drehen und wenden, bis das perfekte Bild entstanden ist.

Mit seinen Fotografien möchte er das schlechte Image der Drohne wettmachen. Denn in Deutschland sind die Flugobjekte bisher eigentlich nur in den Negativschlagzeilen aufgetaucht. „Es liegt mir fern, mit der Drohne irgendjemanden auszuspähen oder Hinterhöfe zu fotografieren“, sagt der 27-Jährige. Ihm geht es rein um die Landschaft, er fliege nicht über Privatgrundstücke.

Für Drohen-Besitzer gibt es in Deutschland bestimmte Regeln. So dürfen die Flugobjekte beispielsweise außerhalb von Ortschaften nicht höher als 100 Meter fliegen. Einige Geräte riegeln automatisch ab, dass die Drohne nicht höher fliegt. Außerdem gibt es Flugverbotszonen. Befindet sich Stefan König in einer solchen Zone, kann die Drohne nicht gestartet werden.

Symbiose aus Fotografie und Landwirtschaft

Teilweise ergeben sich sogar Symbiosen und Stefan König kann mit seiner Drohne helfen. So fragte ihn ein ortsansässiger Landwirt nach seiner Hilfe. Er wollte Luftaufnahmen seiner Felder, um die Schäden durch Wildschweine zu dokumentieren. Einige Bauern setzen Drohnen auch mit Wärmebildkameras ein, um vor dem Mähen eines Feldes Rehkitze zu retten, die andernfalls den scharfen Messers des Mähwerkes zum Opfer fallen würden.

Wenn der Neuenhofer auf die Pirsch nach dem perfekten Moment geht, zieht es ihn hinaus. Landschaftsaufnahmen haben es ihm angetan. Er lichtet seine Heimat rund um Haldensleben, aber auch Reiseziele in der ganzen Welt ab. Als Juniorchef einer Industrielackiererei bleibt die Fotografie für ihn lediglich ein Hobby, wenn auch ein zeitintensives.

Doch das ist es ihm wert. „Manchmal habe ich das Gefühl, ich erkenne meine eigene Heimat nicht mehr, wenn ich die Bilder sehe“, beschreibt er. Trotzdem gebe es auch Ecken, die dann an Reiz verlieren. So sei die Ruine Nordhusen ein beliebtes Fotomotiv. Mit der Drohne ist es allerdings schwierig, da aus der Vogelperspektive nur noch ein Strich in der Landschaft zu sehen ist. Deshalb sucht sich der 27-Jährige seine Fotomotive im Vorfeld bereits bewusst aus. Seine Bilder zeigt er im sozialen Netzwerk Instagram, um sie mit anderen zu teilen.