Coronavirus

Impfzentrum in Haldensleben startet Testlauf für den digitalen Impfpass

Kurz vor der Hauptreisezeit geht der digitale Nachweis für Impfungen an den Start. Mit dieser Nachricht überraschte die Bundesregierung sowohl den Landkreis Börde, der das Impfzenturm betreibt, als auch Apotheker und Ärzte. Trotz fehlender Technik startet ein Testlauf.

Von Juliane Just
Der digitale Corona-Impfpass in Deutschland ist an den Start gegangen. Doch die Umsetzung könnte in einigen Regionen noch auf sich warten lassen.
Der digitale Corona-Impfpass in Deutschland ist an den Start gegangen. Doch die Umsetzung könnte in einigen Regionen noch auf sich warten lassen. Symbolgoto: dpa

Haldensleben - Einen vollen Corona-Impfschutz kann man künftig auch auf dem Handy vorzeigen – mit einem digitalen Impfpass, der jetzt schrittweise starten soll. Nach einer Testphase sollen sich nun nach und nach Impfzentren, Praxen und Apotheken ans System anschließen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag sagte. Damit überraschte er viele Verwaltungen, Ärzte und Apotheker. Der Landkreis Börde reagiert nun.

„Solche Nachrichten überrollen uns immer wieder“, sagt Katrin Baier als ärztliche Leiterin des Impfzentrums. Für das Team ist die schnelle Umsetzung nicht so einfach möglich, denn es fehlt noch die entsprechende technische Ausrüstung als auch Personal. „Wir brauchen mindestens zwei Personen mehr, um für alle vollständig Geimpften im laufenden Betrieb diesen Nachweis auszustellen“, sagt sie.

Testlauf trotz fehlender Technik und Personal

Trotzdem begann gestern ein Testlauf dafür im Haldensleber Impfzentrum. Diesen stemme man laut Baier mit der vorhandenen Technik und dem einsetzbaren Personal so gut es geht. Damit haben ein Großteil der Personen, die gestern zur Zweitimpfung erschienen sind, ein entsprechendes Zertifikat erhalten. Dafür wird ein Code erzeugt, den man mit dem Smartphone abscannen oder auf Papier mitnehmen und später scannen kann. Erst bei voller Immunität 14 Tage nach der Impfung wird dies digital abgebildet.

Bis Ende Juni solle die Anwendung namens „CovPass“ für alle Interessenten zur Verfügung stehen. Die kostenlose Anwendung ist bereits in App-Stores verfügbar. Der digitale Impfnachweis kann nicht nur über die „CovPass“-App angezeigt werden, sondern auch in der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes – die schon mehr als 28 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Experten schätzen, dass 25 Millionen Menschen sie aktiv nutzen. Der Unterschied: Die „CovPass“-App hat anders als die Corona-Warn-App keine Kontaktverfolgungsfunktion.

Nachträge für vollständig Geimpfte sind noch ungeklärt

Knapp 20 Millionen Bürger sind inzwischen schon vollständig geimpft, ehe der digitale Nachweis starten konnte. Sie können ihn aber nachträglich bekommen. Wie dies für alle in Haldensleben geimpften Personen nachgetragen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das ist für Sachsen-Anhalt aber noch nicht festgelegt“, sagt Katrin Baier. So könnten die Zertifikate beispielsweise nachträglich auf postalischem Wege zugestellt werden oder selbstständig über ein Webportal abgerufen werden. Die Geimpften werden rechtzeitig informiert, wenn es soweit ist.

Ärzte und Apotheken können ebenfalls nachträglich Zertifikate erstellen. Viele Apotheken wollen dies ab kommendem Montag anbieten, wie die Branchenvereinigung ankündigte. Doch auch hier sieht die Realität vorläufig anders aus, denn es fehlt bisher die entsprechende Technik für die Ausstellung der Zertifikate. „Theoretisch sind wir vorbereitet, aber die Freischaltung ist noch nicht erfolgt“, sagt beispielsweise Kristin Nielebock, Inhaber der Rats-Apotheke und Arnica-Apotheke in Wanzleben. Erst im Laufe der nächsten Woche werde das für die Apotheken umsetzbar sein.

Gelber Impfpass ist international gültig

Der digitale Impfpass ist eine Ergänzung zum gelben Impfbuch und eine freiwillige Variante. „Der Impfpass ist weiterhin international gültig, es handelt sich lediglich um eine digitale Variante“, erklärt Katrin Baier.

Um Missbrauch zu vermeiden, dürfen nur autorisierte Personen den digitalen Impfnachweis erstellen. Geschieht dies nachträglich ausgehend vom Papier-Impfheft, soll man auch einen Ausweis vorzeigen müssen. Apotheken sollen Impfbücher auf Fälschungen überprüfen, wie sie es bei anderen Dokumenten wie Rezepten auch schon tun. Auch wegen dieses Aufwands sollen sie jeweils 18 Euro Vergütung für das nachträgliche Erstellen der Digital-Nachweise bekommen.