Flechtingen l Die Fenster des Waldes waren in den Ferien der Renner im Jugendclub. Die Naturmaterialien, die die Mädchen und Jungen im Schlosspark an einem Tag gesammelt haben, wurden am nächsten Tag mit viel Fantasie zu tollen Fensterbildern verarbeitet. Die elfjährige Annabelle hatte gerade eine Kastanienschlange geklebt und bunt bemalt, da schnappte sie sich einige Zweige, Blätter, Band und die Heißklebepistole. „Mit Freunden hier zu spielen, das macht Spaß“, erzählte sie dabei. Und wenn noch gebastelt wird, um so besser. Am Fenster des Waldes werkelten alle mit besonderem Eifer.

Sarah Gehe hatte die Idee dazu. Sarah ist Urgestein im Flechtinger Jugendclub, sie war nicht viel älter als die Mädchen und Jungen, mit denen sie heute bastelt, als sie zum ersten Mal in den Club kam, damals noch in den alten, denn den neuen Club im Haus der Jugend und Vereine haben die jungen Leute aus Flechtingen erst vor fünf Jahren bezogen. Längst kümmert sie sich selbst um die Jüngeren. Die 21-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Erzieherin. Die Fenster des Waldes sind eine Anregung, die sie aus der Schule mitgebracht hat. Was sie in der Theorie kennengelernt hatte, hat sie mit den Kindern selbst erst ausprobiert. „Das ist gar nicht so einfach“, versichert sie schmunzelnd und ergänzt: „Aber das ist Lernen durch Versuch und Irrtum.“ So ganz will sie nicht ausschließen, dass der Jugendclub ihren Berufswunsch mit geprägt hat. Hier haben sich die Großen immer mit um die Kleinen gekümmert. Während die meisten aus ihrer Altersgruppe vom Club weiter weg Ausbildung oder Studium absolvieren, ist sie eine von denen, die in der Region geblieben ist. Zum Glück für den Jugendclub, dem sie die Treue hält. Und die Beschäftigung mit den Kindern ist wahrscheinlich auch hilfreich für ihre Ausbildung. Aber sie kommt nicht deshalb, bekräftigt sie: „Es macht mir einfach viel Spaß.“

Abteilungsleiterin Kora Duberow und Jugendclubbetreuerin Sabine Böhm sind glücklich, dass ihnen Ehrenamtliche wie Sarah Gehe zur Seite stehen. Ohne die Ehrenamtlichen könnte der Jugendclub nicht so viel Abwechslung bieten, meint Sabine Böhm. Auch sie hat nicht nur hauptamtlich, sondern auch schon ehrenamtlich im Club gearbeitet.

Bilder

Immer verlassen kann sich Sabine Böhm auch auf Edda Hintze. Die stets einsatzbereite Oma aus Lemsell kommt immer, wenn sie gebraucht wird, und das sogar öfter ohne ihre Enkel. Ihr Mann Achim hilft genauso gern, zum Beispiel als Grillmeister.

Petra Friedel kommt immer mal wieder in den Club, um mit den Mädchen und Jungen zu lesen oder um ihnen zu helfen, selbst Geschichten zu schreiben. Ilse Ranwig, Doris Schulze und weitere Damen von der Handarbeitsgruppe des Heimat- und Mühlenvereins bringen den Kindern bei, was sie aus Wolle machen können. Häkeln ist inzwischen sehr beliebt, es wird aber auch mal gefilzt. Zu Höhepunkten kommt auch Dorothea Tiedge, die den Jugendclub mehrere Jahre betreut hat, gern noch zum Helfen. Und Wolfgang Rademacher reagiert prompt, wenn der Jugendclub was Handwerkliches braucht. Gerade erst hat er passende Zweigstücke für die Fenster des Waldes vorbereitet. Daraus haben die Kinder die Rahmen für ihre Fantasiebilder gebaut.

Die Ferien sind vorbei. Es gibt selbstverständlich auch in der Schulzeit viele Höhepunkte. Die Kinder genießen es, dass immer etwas los ist. Sie kommen aber auch gern, um einfach nur „abzuhängen“, wie sie sagen. Und das können sie im Club. In dem modernen Gebäude können sie auf zwei Ebenen genauso gut Kicker spielen, Brettspiele hervorholen oder andere Spiele. Sie können ebenso draußen mit dem Ball spielen oder an der Tischtennisplatte wetteifern oder einfach nur ums Haus flitzen. Das Freigelände am Sport- zentrum ist dafür ideal.

Auch aus Nachbarorten stellen sich übrigens Kinder ein und sind willkommen. Freitags kommen meist besonders viele Besucher, dann müssen sie keine Hausaufgaben machen, können nach der Schulwoche einfach abschalten. Am nächsten Freitag werden übrigens Waffeln gebacken. Darauf freuen sich alle schon jetzt.