Haldensleben l Er ist wie ein Magnet. Wenn Henrik Hoffmann das grüne Außengelände der Kita „Max und Moritz“ betritt, hat er direkt einen Schwarm Kinder um sich stehen. Der 29-Jährige ist seit sieben Jahren Erzieher in der Kita auf dem Süplinger Berg – nun hat er die Leitung übernommen und ist damit der erste männliche Kita-Leiter in der Stadt.

165 Kinder, 32 Mitarbeiter, 1000 Quadratmeter Innenfläche, 7000 Quadratmeter Außenfläche. In Sachen Zahlen ist Henrik Hoffmann sicher auf seinem neuen Gebiet, in andere Bereiche muss er schlicht und einfach hineinwachsen. Es gibt viele Dinge, die dem 29-Jährigen am Herzen liegen. Er spricht in Superlativen – das Wohl der Kinder ist ihm „sehr“ wichtig, kulturelle Vielfalt liegt im „sehr“ am Herzen, er nimmt seine neue Aufgabe „sehr“ ernst.

Kurzum: Henrik Hoffmann liebt seinen Beruf. Der gebürtige Bülstringer begann nach der Schule die Ausbildung zum Sozialassistenten, hing die Ausbildung zum Erzieher dran und vollendete alles mit einem Studium zur Kinderpädagogik, das ihn auf den neuen Job als Leiter vorbereitete. „Obwohl ich eigentlich Lehrer werden wollte, habe ich hier meine Berufung gefunden“, sagt er selbst.

Als er sich nach der Ausbildung für eine Einrichtung entscheiden durfte, wählte er die Kita „Max und Moritz“ – mit einer Kapazität von 240 Kindern die größte der Stadt. „Ich fand die Größe und das Klientel interessant“, beschreibt er. „Hier kommen Oberarzt-Kinder, Pflegekinder und Kinder mit Migrationshintergrund zusammen.“ Insgesamt 18 Nationen besuchen die Einrichtung am Süplinger Berg - Inklusion und Bildung stehen auf der Agenda der Kita.

Sakko gegen Schlabberlook

Gepflegter Drei-Tage-Bart, gegelte Haare mit einer kleinen Tolle, strahlend blaue Augen – Henrik Hoffmann wirkt wie der nette Junge von nebenan. Eigentlich trifft auf ihn genau ein Wort: Authentisch. Und genau das macht ihn wohl aus. „Ich bin nicht verheiratet. Ich habe keine Kinder. Ich bin homosexuell. Ich bin ein Exot in diesem Beruf“, sagt er und sieht das nicht als Hindernis für seine neue Funktion. Eher im Gegenteil: „Ich denke, meine Arbeit spricht für mich.“ So tauscht er auch öfter das offizielle Sakko gegen den Schlabberlook – so sei es einfach gemütlicher.

Mit der Leitung der Einrichtung geht ein Traum für Henrik Hoffmann in Erfüllung. „Das ist genau das, was ich wollte“, sagt er. Der kreative Kopf sprüht vor Ideen und sein junges Team scheut sich nicht, diese umzusetzen. Im Zentrum stehen die Kinder. „Ich möchte den Kindern mit meinem Team den besten Start ins Leben geben“, sagt er. Er selbst habe als Kind aufgrund finanzieller Not auf einiges verzichten müssen – in der Kita am Süplinger Berg soll kein Kind aufgrund seiner sozialen Stellung benachteiligt werden.

So ganz der Hahn im Korb ist Henrik Hoffmann jedoch nicht, denn vier weitere männliche Erzieher unterstützen das Team. Und das hat Vorteile: „Männer haben oft eine pragmatischere Sicht auf die Dinge und wirken beruhigend.“ So lassen sich Kleinkinder oftmals eher von männlichen Stimmen beruhigen, die erwachsene Gruppendynamik profitiert ebenfalls. Außerdem sei es bei dem eher weiblich geprägten Beruf wichtig, auch männliche Bezugspersonen zu haben. „Kinder werden in den ersten zehn Lebensjahren oft mit Frauen konfrontiert“, berichtet er. Berufe wie Erzieher und Lehrer seien überwiegend weiblich geprägt, die Elternzeit übernehme meist die Frau.

Zentrum für Familien

Wenn der neue Kita-Leiter gerade mal nicht auf der Arbeit ist, dann treibt er Sport. Einigen Haldenslebern ist er vielleicht schonmal als Zumba-, Step Aerobic- oder Hanteltrainer im Fitnessstudio begegnet. Ebenfalls ist ihm gesellschaftliches und politisches Engagement „sehr“ wichtig.

Zu seinem Neustart hat er gleich auch eine neue Idee angeschoben. Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Börde, der Erich-Kästner-Grundschule sowie dem Hort „Erich Kästner“ soll ein Familienzentrum am Süplinger Berg entstehen. „Wir wollen uns untereinander vernetzen und haben uns die Familienunterstützung auf die Fahne geschrieben“, beschreibt er das Projekt. Ein Austausch untereinander kann kleine Probleme schneller lösen, die Hilfsangebote des Kinderschutzbundes schneller in die Einrichtungen gelangen.