Wegenstedt l Ein Unternehmen plant derzeit eine Kompostieranlage zwischen Wegenstedt und Mannhausen zu bauen. Früher diente das Gelände in der Landwirtschaft als Silo. Bereits 2017 gab es einen ähnlichen Antrag der Kompost und Recycling GmbH. Im Januar 2018 hatte der Calvörder Gemeinderat seine Bedenken dargelegt und das Vorhaben in einer Stellungnahme abgelehnt.

Nun liegt erneut ein Antrag des gleichen Unternehmens zur Errichtung der Kompostieranlage vor. Hans Vornkahl, Geschäftsführer der Kompost und Recycling GmbH mit dem Firmensitz in Nettlingen im Landkreis Hildesheim, schilderte bei der jüngsten Zusammenkunft des Wirtschafts- und Umweltausschusses die Funktion der geplanten Kompostieranlage. Das Unternehmen betreibe – nach Vornkahls Ausführungen – in Deutschland etwa 20 solcher Anlagen und ist in der Region bereits seit Jahren unter anderem in Erxleben und in Flechtingen tätig. In den Anlagen zwischen Erfurt und Salzwedel seien insgesamt etwa 90 Mitarbeiter beschäftigt.

„Zum größten Teil kompostieren wir Inhalte aus Biotonnen und qualitativ hochwertige Abwasserschlämme. Zwischengelagert sollen auch organische Abfälle, wie zum Beispiel Mist“, erklärte er. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand zur nächsten Bebauung solle 500 Meter sein. „Die nächste Bebauung ist 1,2 Kilometer weit. Den Abstand halten wir also locker ein. Die Anlage liegt optimal“, ist sich Vornkahl sicher.

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„Der erste Antrag beinhaltete eine Lagerkapazität von 1000 Tonnen nicht gefährlicher Abfälle. Nach dem neuen Antrag sind es 3000 Tonnen - also drei Mal so viel. Warum ist das so?“, fragte Volker Preetz (FUWG) aus Elsebeck. Vornkahl erklärte: „Wir würden nur kompostieren oder zwischenlagern. Nie würden wir beides tun. Wir wissen heute nicht, was wir morgen machen. Durch gesetzgeberische Maßnahmen in der Bundesrepublik gibt es immer wieder Veränderungen. Wir bereiten uns so vor, dass wir uns gleich drei Sachen genehmigen lassen. Das sind die Bioabfallkompostierung, die Klärschlammkompostierung und die Lagerung von festen organischen Wirtschaftsdüngern. Das ist der Grund für die 3000 Tonnen“, begründete der Geschäftsführer. Die Zwischenlagerung von tierischen Nebenprodukten sei nur für den Notfall geplant. „Wir müssen das so machen, damit wir finanziell zurecht kommen“, betonte er.

Preetz wollte außerdem wissen, aus welchem Umkreis die Abfälle kommen würden. Vornkahl sagte, dass die meisten Abfälle aus Uelzen, aus den Dörfern sowie aus der Abfallannahmestelle Elbeu somit aus dem Landkreis Börde kommen. „Manchmal kriegen wir auch Grünschnitt oder Laub aus dem Raum Hamburg“, ergänzte der Unternehmer.

Passt nicht zum Tourismuskonzept

Thomas Lange (Die Grünen; Fraktion Kultur, Umwelt und Soziales) aus Wegenstedt sagte, dass das Vorhaben überhaupt nicht zum Tourismuskonzept und deshalb auch nicht zum Biosphärenreservat passe. Ulrich Grothe (FUWG) aus Zobbenitz machte darauf aufmerksam, dass es im benachbarten Velsdorf Anlagen zur Trinkwassergewinnung gibt. Vornkahl verwies auf Gutachten, die laut der Behörden für zufriedenstellend befunden worden. Hubertus Nitzschke (FUWG) aus Calvörde fragte, ob die Bewohner der Region auch ihren Grünschnitt zur Anlage bringen dürften. „Wir nehmen grundsätzlich den Grünschnitt von den Bürgern an. Ein Kubikmeter kostet fünf Euro“, informierte der Kompostanlagenbetreiber.

Eine Geruchsbelästigung für die Bewohner von Velsdorf sei nach Vornkahls Ansicht sehr gering. „Vielleicht kommt da mal für eine Stunde eine Geruchsfahne an“, sagte der Betreiber. Er betonte, dass der Geruch nicht schädlich für die Gesundheit sei.

Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU), der in Grauingen zuhause ist, verwies auf das Für und Wider: „Das Zeug müsse ja irgendwo bleiben. Aber es muss eine geeignete Stelle sein.“ Schliep-hake berichtete von seinen Erfahrungen mit einer ähnlichen Anlage zwischen Grauingen und Flechtingen. „Die Geruchsbelästigung spielt eine Rolle. Grauingen liegt etwa 2,5 Kilometer Luftlinie von der Anlage entfernt. Sobald der Wind in Richtung Süden dreht, kriegen wir die volle Ladung. Es riecht nicht angenehm. Es ist ein süßsäuerlicher Geruch, der dazu animiert, die Fenster zu schließen“, beschrieb der Bürgermeister. Es sei – seiner Ansicht nach – zu vermuten, dass Velsdorf von der geplanten Anlage auch einiges an Geruch abbekommen würde.

Eine entscheidende Rolle spiele der Drömling. „Die Zugvögel, die gefühlt zu Zehntausenden eine Rolle spielen, würden möglicherweise auch auf der Anlage schauen, ob es im Abfall etwas Fressbares“, sagte Schliephake. Die gesundheitliche Belastung für die Tiere wäre hoch.

Kritisch sieht der Gemeindechef den Klärschlamm-Tourismus. Abfall aus der Region wäre noch hinnehmbar, müsse aber nicht von weit her angefahren werden. „Ich glaube, dass es in Hamburg auch geeignete Stellen gibt, möglicherweise mit mehr Gegenwind der Menschen“, sagte Schliephake.

Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Ausschusses gegen das Vorhaben aus. Auch der Gemeinderat lehnte es später dann ab.