Haldensleben l Samira Riegraf wird bald Mutter. Die 30-jährige Haldensleberin ist schwanger, achter Monat. Und sie ist verunsichert.

Ihr Kind soll in Gardelegen die Welt erblicken. „Hoffentlich“, scherzt sie. Obwohl sie natürlich weiß, dass eine Schließung des dortigen Kreißsaals in den kommenden Wochen nicht angekündigt ist. Zur Debatte steht allerdings die Zukunft der Kinderstation. Eine Diskussion, die bei ihr ein „Gefühl der Unsicherheit“ erzeuge, betont Rie­graf. „Wohin soll ich denn, wenn ein Notfall eintritt?“, fragt die werdende Mutter im Hinblick auf die kommenden Jahre.

Nächste Station in Magdeburg

Die nächste Kinderstation wäre bei einer Schließung der Gardelegener Kinderklinik in Magdeburg. Noch jedoch hofft Riegraf, dass es am Ende nicht so kommt. Dafür hat sie kürzlich unterschrieben. Am Donnerstag soll die Liste mit ihrer und weiteren Unterschriften gegen die Schließung der Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) übergeben werden.

Dabei sein wollen dann auch einige Haldensleber. Marlis Schünemann, Stadträtin für die CDU und Vorsitzende des Kinderschutzbundes, kündigt zur Übergabe eine Protestaktion mit einigen Eltern an. Zwischen 60 und 80 Unterschriften habe sie bereits eingesammelt. Schünemann sagt, eine Schließung der Kinderstation wäre für Eltern „eine einzige Katastrophe“. Schließlich gebe es nun schon seit einigen Jahren keine Kinderklinik und keinen Kreißsaal mehr in Haldensleben. Wenn nun auch die Kinderstation in Gardelegen wegfalle, sei sie sehr skeptisch, ob es den dortigen Kreißsaal noch lange geben werde.

Tatsächlich fiel auch am Ameos-Klinikum in Haldensleben zuerst die eigenständige Kinderklinik weg. Das war im Jahr 2015. Im März 2016 war dann auch im Kreißsaal Schluss. Seitdem müssen Frauen zur Geburt nach Magdeburg oder Gardelegen.

Betriebswirtschaftliche Gründe

Betreiber des Altmark-Klinikums in Gardelegen ist die Salus Altmark Holding. Als Argumente für eine Schließung der dortigen Kinderklinik nannte die Salus zuletzt betriebswirtschaftliche Gründe und die schwierige Suche nach Fachpersonal. Die Gardeleger Kinderklinik behandelte zuletzt rund 800 Fälle jährlich.

Gegen die drohende Schließung verabschiedete der Gardeleger Stadtrat vor zwei Wochen eine Resolution. Diskutiert wurde diese auch unter den Stadträten in Haldensleben. Wie der Stadtratsvorsitzende Guido Henke betont, unterstütze auch der Haldensleber Stadtrat diese Resolution. Unter den Stadträten sei diese Unterstützung „unstrittig“, berichtet Henke.

Treffen mit der Ministerin

Gegen eine mögliche Schließung der Kinderstation engagiert sich auch Katharina Zacharias (SPD). Schon gestern traf sie sich mit der Gardeleger Bürgermeisterin Mandy Schumacher (ebenfalls SPD) zu Gesprächen mit der Sozialministerin und einer Salus-Vertreterin. Das Thema solle am Donnerstag weiter diskutiert werden, berichtete Zacharias im Nachhinein, dann werde es auch nähere Informationen dazu geben. Das Land ist mit 81,8 Prozent an der Salus Altmark Holding beteiligt, der Altmarkkreis mit 18,2 Prozent.

Zacharias betonte, mit einer Schließung verstärke sich in der Region das „Gefühl, abgehängt zu werden“. Zudem werde es damit schwieriger, für junge Familien attraktiv zu bleiben.