Corona

Kreative Ideen gegen die Pleite

Wann die Haldensleber Händler ihre Geschäfte wieder öffnen können, ist unklar. Einige haben Einfälle für die Zeit ohne Kunden.

Von Von Theresa Schiffl

Haldensleben l Not macht erfinderisch. Das dachten sich auch drei Haldensleber und haben sich neue Angebote für ihr Geschäft und ihre Restaurants einfallen lassen.

Eine dieser Kreativköpfe ist Andrea Oelze, die Geschäftsinhaberin des Stoffgeschäfts Nähvada in der Hagenstraße. Sie hat sich für eine digitale Alternative entschieden: Sie bietet am Freitag ein Live-Shopping-Erlebnis via Video auf Instagram, einem sozialen Netzwerk, an. Der Account des Nähgeschäfts wird aktuell von 555 interessierten Nähern verfolgt.

„Wir haben jetzt keine Einnahmen und müssen uns Gedanken machen, was wir sonst noch anbieten können“, sagt sie entschlossen. Sie habe sich mit ihrem Nähvada beruflich einen Traum erfüllt. Kampflos aufgeben sei daher für sie keine Option. „Ich habe mein Geschäft jetzt seit drei Jahren und es liegt mir wirklich am Herzen“, sagt Andrea Oelze.

Für die Plattform Instagram habe sie sich aus zwei Gründen entschieden: „Zum einen haben wir dort schon eine Gemeinschaft und wir haben doch sehr viele jüngere Kunden die Instagram nutzen. Zum anderen ist es von der technischen Umsetzung sehr einfach.“

Bei der Planung habe ihr Mann Sven geholfen. Ebenso bei der Umsetzung sowie dem Erstellen der Flyer. „Wir kämpfen weiter. Irgendwas müssen wir ja machen“, findet auch er. Unterstützung hätten sie zudem von einem Stoffgroßhändler bekommen.

In dem Videostream sollen dann verschiedene Stoffpakete vorgestellt werden und Anregungen gegeben werden, was damit alles so gestaltet werden könnte, so Sven Oelze. Die Zuschauer könnten dann die Paketnummern in die Kommentare schreiben und diese so erwerben. Anschließend könnten sie diese nach Bezahlung kontaktlos abholen oder bekämen die Stoffe nach Hause geschickt.

Hart getroffen haben die Restaurantschließungen Angela Natale von der Pizzeria La Taverna. „Ob wir überleben steht in den Sternen. Es wird schwierig“, gibt sie zu. Als in der Vorweihnachtszeit ihr Restaurant erneut geschlossen werden musste, machte sich die Italienerin Gedanken.

„Ich hatte noch so viele Lebensmittel da und dachte mir dann, dass es schade wäre, wenn sie in der Tonne landen. Wenn wir wieder aufmachen dürfen, kaufen wir ja wieder frische Produkte“, erklärt sie. Die Idee der Geschenkkörbe mit italienischen Spezialität war geboren. „Wenn du keine andere Möglichkeit hast, machst man sich Gedanken und wird kreativ“, fügt sie hinzu. Und man entdecke dabei Potenzial, von dem man bisher nicht wusste.

Sie fragte dann noch bei einigen Geschäften an, ob diese sich nicht mit Gutscheinen beteiligen wollten. „Das ist eine Sache der Solidarität“, findet Angela Natale. Und es fanden sich vier Partner, die mitmachen wollten: der Friseur Haarscharf, das Schuhhaus Kempf, Plaza Moda und die Physiotherapie von Lucky Fitness.

Bisher habe sie drei Geschenkkörbe mit den Gutscheinen verkauft und noch ein paar andere mit den italienischen Produkten. Dabei laufe bei der Werbung auch viel über Mundpropaganda. Nichtstun war für Natale keine Option: „Man darf in so einer Zeit nicht stehen bleiben, sondern muss weitermachen.“ Seit 22 Jahren gibt es ihre Pizzeria schon und eine endgültige Schließung abzuwenden, sei selbstverständlich. „Wir gehörten zu Haldensleben“, sagt Angela Natale. Aber auch für die Psyche sei es gut, die Körbe zusammenzustellen. „Man ist abgelenkt und beschäftigt“, erklärt sie.

Auch Sascha Oldenburg wollte nicht einfach nur herum sitzen. „Man muss die Situation nicht ertragen. Es gibt so viele Medien und Möglichkeiten, was man machen kann. Man muss nur wollen und kreativ sein“, sagt Oldenburg.

Seine Kunden hatten ihnen im vergangenen Jahr schon mehrmals nach Essen zum Mitnehmen gefragt. Das sei jedoch nicht umsetzbar gewesen, da eine gewisse Planung trotzdem notwendig sei. Auf einer Fahrt nach München sei dann die Idee für die Genussbox, von der es schon elf verschiedene gibt, entstanden.

„Unsere Weihnachts- und Silvesterboxen waren ausverkauft. Es gibt auch einige ,Wiederholungstäter‘. Sie haben sogar schon alle Boxen probiert“, freut sich Oldenburg. Es laufe sogar so gut, dass die Genussbox definitv auch nach Corona weiterhin angeboten werden. „Wir planen sogar einen Online-Shop mit Versand“, erklärt Sascha Oldenburg. Gerade solche Angebote hätten Zukunft. „Ich denke, dass uns Corona noch etwas länger beschäftigen wird. Deshalb brauchen wir ein zweites Standbein wie unsere Genussbox“, meint der Restaurantbesitzer.