Haldensleben l Die Vorbereitungen im Raum 5 im Erdgeschoss sind in vollem Gange. Sorgsam platziert Oliver Scharfbier seine Arbeiten. „Silberstreif am Horizont“ ist eine Ausstellung, die sich bewusst auf das Wesentliche konzentriert. Im Unterschied zu anderen Schauen sind die Werke nicht auf verschiedene Etagen verteilt. Alles bleibt in einem Zimmer.

„So können die Werke miteinander korrespondieren“, erklärt Oliver Scharfbier. Der Besucher erhält die Möglichkeit, verschiedene Exponate im Blick zu behalten und miteinander in Beziehung zu setzen. Der Ort selbst habe bei der Auswahl der Kunstwerke eine Rolle gespielt. „Es handelt sich nicht um einen Ausstellungsraum im klassischen Sinn“, so Oliver Scharfbier. „Er hat mich herausgefordert, mir aber auch viel angeboten.“

Ein Beispiel dafür ist die zentral platzierte Leinwand. Sie gehört zur Ausstattung des Raumes, hatte aber gleichzeitig den Effekt, dass Scharfbiers Video „Mein wachsgraunasses Herz“ zum Mittelpunkt der Schau wurde. Das wiederum habe den inhaltlichen Rahmen für die Auswahl der weiteren Exponate gegeben. Davon gibt es sieben Stück – vom Tempera-Bild bis zur Plastik.

„In dem Video geht es um das Reisen, den Aufbruch zu fernen Gestaden“, informiert Oliver Scharfbier. Dabei ist der Begriff „Reise“ im Bezug auf die ganze Ausstellung weit gefasst. Er bezieht sich auch auf den Geist und das Leben. Träume spielen ebenfalls mit hinein. „Wir alle bauen uns eine traumhafte Realität auf“, so der Künstler. Die Dynamik des Reisens findet sich in dem Miteinander von unterschiedlichen künstlerischen Medien wieder, aber auch in den einzelnen Werken. Ein Bild zeigt etwa den Richtung Zukunft gerichteten Schriftzug „I love tomorrow“. Gleichzeitig wurde es in einer Jahrhunderte alten Technik erstellt.

Altes wird zu Kunst

Noch deutlicher wird diese Herangehensweise anhand der Plastik „Survivor mit Silberfelge“. Sie erinnert an einen Surfer, der sich zügig vorwärts bewegt. Gleichzeitig hat Scharfbier die Vergangenheit auch hier greifbar gemacht. Das Segel besteht aus zusammengefügten Glasscherben. Früher handelte es sich dabei um mit Graffiti beschmierte Scheiben eines Abbruchhauses. Sie haben also schon eine Geschichte gehabt, bevor sie als Teil eines Kunstwerkes einen neuen Anfang nahmen. Als solches wiederum ist die Plastik mit Oliver Scharfbier schon zu verschiedenen Ausstellungsorten gereist. Haldensleben ist für den Künstler kein unbekannter Ort. Bereits 2016 nahm er in Hundisburg am Keramik-Symposium Terra Arte teil. Darüber hinaus hat Oliver Scharfbier die Stadt verschiedene Male besucht. Der Kontakt zur Kulturfabrik und zum Alsteinklub sei über Jochen P. Heite zustande gekommen. Dieser ist unter anderem künstlerischer Leiter der Haldensleber Künstlergilde. „Ich freue mich, dass ich nun hier ausstellen kann“, so Oliver Scharfbier.

Der Künstler wurde 1967 in Hamburg geboren und absolvierte von 1999 bis 2005 an der Kunsthochschule Kassel ein Studium der Freien Künste bei Urs Lüthi und ein Studium für Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt TV und Video. Studienreisen und -aufenthalte führten ihn nach Osteuropa, Italien und Frankreich. 2009 und 2012 erhielt er eines der Atelierstipendien der Landeshauptstadt Magdeburg für die Tessenow-Garagen.

Aktuell lebt er mit Frau und Kind in Magdeburg. Er ist Stipendiat der Kunststiftung Sachsen-Anhalt (Heimatstipendium 2018). Im Rahmen der Bewerbung Magdeburgs um den Titel der Kulturhauptstadt Europas betreut Oliver Scharfbier seit Herbst 2017 als künstlerischer Leiter den Kubus 2025.

Die musikalische Umrahmung der Vernissage übernimmt der experimentelle Elektromusiker Candy Schlüer alias 16Pi. Die Laudatio hält der Magdeburger Kunsthistoriker Andreas Hornemann. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Kulturfabrik bis zum 31. August zu sehen. Die Vernissage beginnt am Freitag, 20. Juli, um 19 Uhr.