Hundisburg l Das Innere der rund 300 Jahre alten Linde ist hohl und komplett verkohlt. Daneben hockt Harald Blanke. Er ist der Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung und hat gestern Strafantrag bei der Polizei gestellt. Denn in den vergangenen Wochen haben insgesamt drei Bäume in der Nähe des Hundisburger Schlosses gebrannt.

Der erste Fall ereignete sich am 22. Juni. Da traf es eine andere Linde im langen Bogengang am Rande des Barockgartens. Der Baum wurde von der Feuerwehr gelöscht. Er war aber so schwer beschädigt, dass er gefällt werden musste. Ein Apfelbaum war als nächstes an der Reihe. Gestern erlebten die Gartenmitarbeiter wieder eine böse Überraschung. „Als wir zur Arbeit kamen, hat der Baum gequalmt. In seinem Inneren glomm es“, berichtet Manuela Müller, Vorarbeiterin im Grünbereich. Dieses Mal konnten die Mitarbeiter das Feuer selbst löschen.

Ernstzunehmende Straftat

Doch der Schaden ist erheblich. Die zweite Linde gehört ebenfalls zum Bogengang. Es handelt sich um einen sogenannten Formbaum. Falls sie ersetzt werden muss, braucht es viele Jahre, um die nächste Linde in die richtige Gestalt zu bringen. Um zu klären, ob der beschädigte Baum gefällt werden muss, soll unter anderem die Standfestigkeit untersucht werden. Es könne sein, dass die Linde infolge des Feuers austrocknet. „Das ist kein Kavaliersdelikt und kein Dumme-Jungen-Streich. Brandstiftung ist eine Straftat“, betont Harald Blanke. „Wenn man sich überlegt, was bei der Trockenheit alles passieren kann!“, ergänzt Manuela Müller. Vor einigen Jahren habe es schon einmal eine Brandserie gegeben, informiert die Vorarbeiterin. Damals hätten fünf oder sechs Bäume gefällt werden müssen.

Laut Matthias Lütkemüller, dem Pressesprecher des Polizeireviers Börde, gibt es derzeit noch keinen Hinweis auf den oder die Täter. Wer etwas gesehen hat, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 03904/478 0 im Revier zu melden.

Garten und Park leiden unter Trockenheit

Generell leiden Garten und Landschaftspark derzeit unter der Trockenheit. „Eigentlich geht es gut voran“, informiert Harald Blanke. Im Barockgarten werde der Buchsbaum, mit dem es in den letzten Jahren Probleme gab, immer weiter gegen Liguster ausgetauscht. „Wir sind auf einem guten Weg“, so Harald Blanke. Wenn da nicht das Wetter wäre. Trockenheitsschäden aus 2018 würden sich jetzt verstärkt bemerkbar machen. Durch die aktuelle Witterung setze sich die Entwicklung fort. Am letzten Wochenende seien Schäden durch Starkregen dazu gekommen. Ein Baum wurde entwurzelt. Ein anderer verlor seine halbe Krone. Die meisten Schäden verursachte der Regen aber am ausgedehnten, historischen Wegenetz.

Das muss aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten werden. Doch viele alte Wege haben keinen richtigen Unterbau. So kann starker Niederschlag zu Auswaschungen führen. Darüber hinaus könne Unkraut leichter gedeihen.

Wie Harald Blanke ausführt, seien einige Wege bereits grundhaft ausgebaut worden. Außerdem gebe es Querrinnen, die Wasser ableiten und Schäden vorbeugen. Doch die Wege seien im Sommer ein generelles Problem, das sich durch extreme Trockenheit verstärke. „Am liebsten hätten wir einen Monat lang Landregen“, so der Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung.

Besonders alte Bäume

Das käme vor allem den Bäumen zugute. Von ihnen gibt es auf dem Schlossgelände und im Landschaftspark besonders alte Exemplare. Einige Eichen brächten es auf bis zu 500 Jahre. Mehrere Linden im Barockgarten seien etwa drei Jahrhunderte alt. Die Bäume im Landschaftspark lägen in den meisten Fällen irgendwo zwischen 100 und 200 Jahren. In gewisser Weise geht es ihnen wie Menschen: „Je älter Bäume werden, desto schlechter können sie sich auf Extreme einstellen“, informiert Harald Blanke. Hinzu komme, dass viele historische Bäume Vorschäden in Form von Pilzbefall oder Spechtlöchern hätten. Das mindere die Vitalität zusätzlich. „Es gibt kaum einen Baum in diesem Alter, der nichts hat“, so Blanke. „Denen ist jeder heiße Tag ein Tag zu viel.“ Um Schäden zu erkennen und mögliche Gefahren abzuwenden, gibt es regelmäßige Kontrollen. „Der Park ist sicher“, betont Blanke. „Aber wir werden in den nächsten Jahren einiges wegnehmen müssen.“

Neupflanzungen seien ebenfalls anfällig für Trockenheit. Die könne man wässern. Aber bei einem Altbaum sei das illusorisch - nicht zuletzt aufgrund der theoretisch benötigten Wassermengen. Bäume in ihren mittleren Jahren kämen mit Problemen besser zurecht. „Der Park wird weiterbestehen, aber in verjüngter Form“, blickt Harald Blanke voraus. Denn die Schäden an den besonders alten Bäumen nähmen durch die Trockenheit „über die Maßen“ zu, wogegen sich nur wenig tun lasse. Dabei gibt es im Landschaftspark, nicht nur alte, sondern auch geschichtsträchtige Bäume. Unter einer Platane am Schwanenteich bei Althaldensleben soll beispielsweise schon der Dichter Hoffmann von Fallersleben gesessen haben. Zumindest diesem Baum geht es weiterhin gut.