Bebertal l „Es war wie ein Donnerschlag“, erinnert sich Wolfram Steinacker, Bebertaler Pfarrer i. R., an den Augenblick, als ihm Rudolf Bönisch aus Lübbenau im Spreewald erzählte, dass in der Bebertaler Marktkirche ein „Rubens“ zu finden ist. Einfach so stand der Herr während seiner Suche nach biblischen Bildwerken in den Kirchen Ostdeutschlands vorm Bebertaler Pfarramt und fragte nach dem Schlüssel der Marktkirche. Sein Interesse sollte vor allem dem Altar gelten, der aus der Zeit um 1693 stammt, als die ursprünglich im 13. Jahrhundert erbaute Kirche erweitert wurde.

Wolfram Steinacker wurde neugierig und ließ sich mehr über die Bilder am Altar erzählen. Und nun haben er, seine Frau Helgard, die jetzige Pfarrerin, und die gesamte Gemeinde Gewissheit: Das große Altarbild, auf dem die Kreuzigung Christis dargestellt ist, hat zumindest ein von berühmten Händen gemaltes Vorbild. Kein Geringerer als der bekannte flämische Barockmaler Peter Paul Rubens (1577-1640) war der Urheber der Szene und ließ später von seinem Werk Kupferstich-Vorlagen anfertigen, die dann von anderen Malern verwendet wurden.

So ist auch zu begründen, wie Wolfram Steinacker sagt, dass der Lanzenreiter auf dem Bebertaler Altarbild einen grünen Umhang und nicht wie auf Rubens‘ Original einen scharlachroten Umhang trägt. Das Original-Tafelgemälde von Rubens ist viel größer und kann heute im Museum der Schönen Künste im belgischen Antwerpen besichtigt werden. Wolfram Steinacker hätte vorher aber nie geahnt, welche Bedeutung das Motiv hat, geschweige denn, dass er es gewusst hat. Allerdings ist dieses Bild, wie Rudolf Bönisch in einem ausführlichen Aufsatz für den aktuellen Gemeindebrief der Kirchengemeinde Bebertal schreibt, öfter in deutschen Kirchen als Kopie zu finden. So beispielsweise in Lippstadt (Nordrhein-Westfalen), Kleinbautzen (Sachsen), in Luckau/Niederlausitz (Brandenburg) oder in Dorstadt bei Wolfenbüttel (Niedersachsen).

Matthäus Merian

Und auch das Abendmahlsgemälde im unteren Teil des Altars hat ein Vorbild aus der Hand eines bekannten Malers. Entworfen und gestochen hat den Kupferstich, der hier Verwendung fand, der schweizerisch-deutsche Matthäus Merian (1593-1650). Der Stich ist, so schreibt es Rudolf Bönisch in seinem Aufsatz, auch in den Bildern der sogenannten Merian-Bibel in Luthers deutscher Übersetzung zu finden. Der unbekannte Maler hat auf dem Altarbild jedoch noch zwei weitere Personen eingefügt, die auf dem Kupferstich nicht zu sehen sind.

Nach Aussage von Wolfram Steinacker war Rudolf Bönisch, der eigentlich eher zufällig nach Bebertal kam, weil eine andere Kirche verschlossen war, sehr begeistert von der Marktkirche und hat seine Aufmerksamkeit nicht nur dem Altar mit seinen Bildern gewidmet. Auch im Zusammenhang mit den Emporenbildern ist ihm noch manche Idee gekommen. „Er möchte gern noch einmal wiederkommen“, sagt Wolfram Steinacker, der ihm dann gern wieder die Tür der Marktkirche aufschließt.

Rudolf Bönisch konzentriert sich bei seinem Hobby rund um die biblischen Bildwerke in den ostdeutschen Kirchen vor allem auf die Beziehungen von Gemälden und Reliefs und den druckgrafischen Malvorlagen.