Kirche

Neue Pfarrerin aus Thüringen tritt ihren Dienst in Haldensleben an

Clara Flach kommt aus Thüringen und betreut jetzt acht Gemeinden im Umland von Haldensleben

Von Constanze Arendt-Nowak

Haldensleben

Die Christen in Althaldensleben. Wedringen, Vahldorf, Hundisburg, Hillersleben, Neuenhofe, Bebertal und Nordgermersleben dürfen sich jetzt an ein neues Gesicht gewöhnen. Aus dem entfernten Thüringen ist Clara Flach in die Börde gekommen, um die Vakanzstellen zu besetzen und ihren dreijährigen Entsendungsdienst als Pfarrerin hier zu absolvieren.

Ganz fremd war ihr die Region schon vorher nicht, hat ihr Ehemann Benjamin, den sie in Thüringen kennengelernt hat, hier doch seine Wurzeln. Gern erinnert sich die 31-Jährige so auch an die erste Begegnung mit dem Roland auf dem Haldensleber Marktplatz. „Mein Mann sagte zu mir: ‚Clara, den Marktplatz muss ich dir noch zeigen, da gibt‘s den einzigen reitenden Roland in Europa‘“, blickt die junge Pfarrerin zurück und berichtet von leichter Verunsicherung. Von einem „Roland“ hatte sie zuvor noch nie etwas gehört.

„Es gibt großes Interesse und viel Aktivität“

Sicher wird sie aber auch in Haldensleben künftig noch einiges mehr entdecken, genauso wie in den Orten ringsherum. „Einiges davon konnte ich Ostern schon kennenlernen, als ich in den Gemeinden Gottesdienste gestaltet habe“, so Clara Flach. In Neuenhofe hat sie die Gelegenheit genutzt, sich während der offenen Kirche bekannt zu machen. „Ich habe gemerkt, dass es großes Interesse und viel Aktivität gibt, das hat mich gefreut“, fügt sie hinzu.

Das mildert aber nichts an der Spannung, mit der Clara Flach in den beruflichen Alltag in einer neuen Region einsteigt. Besonders gespannt sei sie, die Menschen und ihre Mentalität kennenzulernen. „Sie ticken vielleicht auch anders als die Thüringer“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Mit großer Freude hat sie in den ersten Tagen außerdem festgestellt, dass die Gemeinden mit ihren Gemeindekirchenräten sehr selbständig sind und sich sehr bedacht um ihre Kirchen und Gemeinden kümmern. Zu ihren ersten Arbeiten zählt sie unter anderem das Überprüfen der Ressourcen – nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch auf das Engagement bezogen.

Gottesdienste auch einmal anders gestalten

„Ich bin auch bestrebt, die Menschen zusammenzubringen“, unterstreicht sie. An diese Bestrebung knüpft auch die Idee an, Gottesdienste anders oder an anderen Orten zu gestalten. „ In meinem Vikariat hatte ich ein Projekt, bei dem ich mit Interessierten pilgern gehen wollte“, erinnert sie sich. Auch wenn aufgrund der Pandemielage das Konzept geändert wurde, so hatte es doch Erfolg und für Clara Flach unter anderem die Erkenntnis, dass „offene Kirchen“ sehr wichtig sind. „Kirchen sind das, was die Gemeinde nach außen ausstrahlt, besonders dann, wenn sie liebevoll gepflegt werden“, so die Pfarrerin im Entsendungsdienst.

Zielgruppenorientiert zu arbeiten ist für sie das Eine, die Verbindung der Gruppen ist ihr aber ebenso wichtig und das auch gern über Ortsgrenzen hinaus. „Ich möchte Räume eröffnen und bei den Menschen das Gefühl wecken, sie könnten auch mal in den Nachbarort gehen, weil sie vielleicht doch schon einmal einen schönen Gottesdienst in der Kirche erlebt haben“, erklärt sie, auch vor dem Hintergrund, dass die Pfarrbereiche immer größer werden. Das verlange einerseits Organisationstalent, andererseits aber auch sensible Arbeit. „Das hat viel mit Veränderung zu tun und das kann auch schmerzhaft sein“, unterstreicht sie und wünscht sich von allen den Mut, die Veränderung zuzulassen und anzuerkennen, „das wir eine große Gemeinschaft sind“. Sicher geht das auch nicht ohne Gespräche und Kommunikation überhaupt. Das hieße auch, dass sich die Beteiligten streiten und ihrem Ärger Luft machen dürften.

Zu den Hauptanliegen zählt die Seelsorge

Übrigens möchte sie auch die Nichtchristen in die große Gemeinschaft einbeziehen. „Ich glaube nicht, dass Gott Grenzen zieht zwischen denen, die getauft sind, und denen, die nicht getauft sind.“ Bei den Angeboten soll jeder mit einbezogen werden. Eines ihrer Hauptanliegen ist zudem die Seelsorge im weitesten Sinne: „Ich bin da und höre zu.“

Ein wichtiger Faktor bei den Veränderungen in der Kirchenlandschaft und größer werdenden Bereichen ist für Clara Flach auch die Arbeit im Team. „Ich finde es schade, dass man nicht mehr nur an einem Ort sitzt, aber wir müssen die Zukunft sehen“, erklärt sie weiter. Die Teamarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen kann dabei eine große Hilfe sein.

Wenn der Arbeitstag zu Ende ist, wartet im neuen Zuhause neben Ehemann Benjamin mit der vierjährigen Helena und dem zweijährigen Friedrich Leander ein kleines Geschwisterpärchen. Insofern hilft es nicht nur beim Zurechtfinden und Kennenlernen der Region, dass Benjamin Flach seine Wurzeln in Haldensleben hat. „Ich weiß meine Kinder immer gut behütet“, so Clara Flach.

Vorstellungsgottesdienst in Hillersleben

In Anwesenheit des Superintendenten Uwe Jauch wird sich die neue Pfarrerin am Sonntag, 11. April, in der Hillersleber Klosterkirche vorstellen. Zu beachten ist, dass bei dem Gottesdienst, der um 14 Uhr beginnt, die Teilnehmerzahl begrenzt ist.