Kirche

Orgel der Bebertaler Kirche wieder eingebaut

Noch warten Hunderte Pfeifen auf den Einbau im Gehäuse der historischen Böttcher-Orgel in der Bebertaler Godeberti-Kirche. Die Orgelbauer vor Ort sprechen dennoch von einem guten Sanierungsfortschritt.

Von Constanze Arendt-Nowak
Obwohl erst wenige Orgelpfeifen eingebaut sind, entlockte Orgelbauer Martin Lodahl der Orgel nach vielen Jahrzehnten wieder erste Töne.
Obwohl erst wenige Orgelpfeifen eingebaut sind, entlockte Orgelbauer Martin Lodahl der Orgel nach vielen Jahrzehnten wieder erste Töne. Foto: Constanze Arendt-Nowak

Bebertal - Nach Jahrzehnten ist es den Orgelbauern um Martin Lodahl nun gelungen, der Orgel in der Bebertaler Godeberti-Kirche wieder Töne zu entlocken. Obwohl in das Orgelgehäuse, wie Martin Lodahl sagt, derzeit nur ein „Versuchskaninchen-Register“ eingebaut ist, spielte er gestern schon einmal das „Großer Gott, wir loben dich“ an. Das Staunen von den Mitgliedern des Fördervereins der Dorfkirche, Torsten Schmidt, Helgard Steinacker sowie Renate und Fritz Rogge, war ihm gewiss. Und auch Martin Lodahl war ein wenig Stolz anzumerken: Ist doch das „Versuchskaninchen-Register“ das zweite Manual, das zuvor als Totalschaden deklariert war.

In den vergangenen Wochen ist es in der Halberstädter Werkstatt der Orgelbaufirma Hüfken mit viel Liebe zum Detail wieder aufgearbeitet worden – genau wie zahlreiche andere Bauteile der alten Orgel, die Carl Böttcher aus Magdeburg 1883 gebaut hat. Der Zahn der Zeit hatte mächtig an ihnen genagt, so dass die Orgel ihren Dienst lange nicht mehr tun konnte.

„Hören Sie das Zischen?“ fragte Martin Lodahl in die Runde und erklärte auch die Ursache des Problems, dem er und sein Kollege Nils Sauerzapf, Lehrling im zweiten Lehrjahr, gestern die ganze Aufmerksamkeit widmeten. Nachdem die Balganlage ausgebaut und in Halberstadt überholt worden war, wurde sie jüngst wieder eingebaut, aber ohne Wind. Nach Inbetriebnahme stellt sich nun heraus, dass die Balganlage noch nicht ganz dicht ist. Stück für Stück wurden die undichten Stellen verschlossen. „Das ist eine zähe Arbeit, da man an manche Stellen auch nur sehr schlecht herankommt“, so Martin Lodahl.

Pfeifen an Ort und Stelle

Ein Geduldsspiel scheint es auch zu werden, wenn die Pfeifen im Gehäuse wieder an Ort und Stelle gebracht werden – zumindest für Außenstehende, die die Handgriffe erklärt bekommen, doch Martin Lodahl winkte ab: „Das geht schnell.“ Fakt ist aber, dass es beim Orgelbau kein Schema F gibt und der Orgelbauer sich immer wieder neue Strategien ausdenken und gute Kompromisse finden muss.

Noch harren die reparierten und vorgestimmten Orgelpfeifen fein sortiert in Kisten aus, doch gleich nach den Betriebsferien sollen sie eingebaut werden. Erst die Prospektpfeifen und dann alle anderen. Insgesamt 23 Register werden vervollständigt sein, wenn die Orgel am 17. Oktober bei einem Gottesdienstes feierlich eingeweiht wird. „Das sind nicht wenige Register – schon eine richtig ausgewachsene Dorforgel“, scherzt Martin Lodahl.

„Geplant war, die Pfeifen schon vor den Betriebsferien einzubauen, aber es folgen noch einige Arbeiten durch andere Gewerke, die noch für Staub sorgen“, begründete Martin Lodahl die Vorgehensweise. Unter anderem wird der Tischler noch einige Arbeiten am Balggehäuse verrichten und der Restaurator wird am Orgelgehäuse noch einmal Hand anlegen.

Da die klangliche Bearbeitung nach der technischen Montage der Orgelteile aber ein gewisses Maß an Sauberkeit voraussetzt, hat der Fördervereinsvorstand bereits einen Arbeitseinsatz in Planung. Fest steht, dass für die Reinigung der Kirche Ende August eine ganze Reihe fleißiger Helfer gebraucht wird. Das genaue Datum wird, wie Helgard Steinacker als stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins sagt, noch bekanntgegeben.

In den Augen von Martin Lodahl ist die Eigeninitiative, die bei dem Bebertaler Orgel-Projekt an den Tag gelegt wird, bemerkenswert. Helgard Steinacker aber betonte, dass nicht nur diejenigen, die regelmäßig vor Ort zum Gucken kommen, hinter dem Projekt stehen, sondern auch viele Spender. Dank ihrer Verbundenheit füllt sich auch der Spendentopf stetig weiter. „Und diese Spender werden sicher auch diejenigen sein, die dann die Orgelkonzerte besuchen werden“, vermutete sie. Die ersten Planungen für Veranstaltungen haben bereits begonnen.