Haldensleben l Ganz genau kann Dr. Barbara Reiser nicht sagen, wieviel Ausstellungen in ihrer Gemeinschaftspraxis, die sie mit Dr. Constanze Bernbrich führt, bereits gezeigt wurden. Aus den Anfangsjahren gibt es in ihrem dicken Ordner ein paar Lücken. „Am Anfang haben wir nicht gedacht, dass wir das durchhalten“, sagt Barbara Reiser. „Doch wir wollen weiter machen, denn die Wände sind immer wieder weiß.“ Seit 25 Jahren präsentieren sich die Praxisräume auch als Galerie, und zwar mit drei bis vier verschiedenen Ausstellungen im Jahr.

Die Idee sei eigentlich zufällig entstanden, erinnert sich Reiser. Im Oktober 1991 hatte sie eine eigene Praxis gegründet, anfangs noch auf einem Hinterhof an der Süplinger Straße. Zu der Zeit wurde das Seniorenheim am Lerchenweg gebaut, im Erdgeschoss war auch eine Praxis vorgesehen. Ein Jahr nach ihrer Praxisgründung zog sie in die neue Praxis um. Und im Sommer 1993 kam Dr. Constanze Bernbrich dazu. Der Bedarf war da, die Räumlichkeiten ausreichend für eine Gemeinschaftspraxis. Die Ärztinnen hatten genug zu tun, die beruflichen Herausforderungen zu bewältigen. Doch da waren noch die vielen weißen Wände.

„Wir haben uns von Franz Heller beraten lassen“, erzählt Barbara Reiser. Und mit Franz Heller, dem langjährigen Leiter der Haldensleber Künstlergilde, nahm eine ständige Galerie Gestalt an. Franz Heller unterstützte die Internistinnen bei den Vorbereitungen, zum Beispiel dem Anbringen von Galerieschienen, und war auch bereit, die erste Ausstellung mit seinen Werken zu gestalten. Der Kontakt zur Künstlergilde ist geblieben. In den ersten Jahren, als es auch noch weniger Ausstellungsmöglichkeiten in der Kreisstadt gab, haben die Mitglieder der Künstlergilde hier sogar ihre Jahresausstellungen gezeigt.

Künstlergilde immer dabei

Fast in jedem Jahr sind Mitglieder der Künstlergilde hier mit ihren Werken vertreten. Gerade noch sind Bilder von Barbara Hoeft und Karin Walter zu sehen. Teils feingliedrige geometrisch anmutende Bilder, aber auch florale Motive von Barbara Hoeft bilden eine ansprechendes Gegenstück zu den großflächigen Bildern mit ihren kräftigen Farben von Karin Walter. Ausgestellt haben hier zum Beispiel auch Gerhard Wollny, Willi Boehme, Ingolf Wagner, Dr. Elke Oeltze, Dr. Hans-Joachim Büchel, Renate Henke und Herta Suppe von der Künstlergilde, aber auch Angela Lamp, Anne Günther und Barbara Kulp von der Gruppe Selma. Auch weitere Haldensleber Künstler wie Doris Beschiak, Hora Burk oder Sebastian Elosge haben schon ausgestellt. Künstler aus Polen und Weißrussland waren hier zu Gast. Und natürlich viele andere aus dem Landkreis und darüber hinaus. Die Kontakte wurden auf verschiedensten Wegen geknüpft. Ganz unterschiedliche Malstile und -techniken waren zu sehen. Selbst Schülerarbeiten wurden schon gezeigt.

Viel Wert legen die engagierten Galeristinnen auf Abwechslung. Gut erinnert sich Dr. Reiser noch an die Bilder, die Irina Maiboroda mit Birkenrinde gestaltet hatte. Seit dieser Ausstellung gibt es auch jedes Mal eine offizielle Eröffnung außerhalb des Praxisbetriebs.

Schwarz-Weiß-Fotos von Holger Ziems, Karikaturen von Karl-Heinz Klappoth oder Henning Bormann, textile Kunst von Anne-Katrin Albrecht, Kalligraphie von Sylvia Walther, Fotos vom Wald von Hartmut Achterberg, von Klaus Doil aus Afrikas Tierwelt, von Michael Zajontz zu „Paris en passant“ oder von Michael Fischer zum Thema „In der Mitte entspringt ein Fluss“ vom Hochwasser in Dresden waren zu sehen. Yvonne Meißner zeigte Fotos aus zwei Welten zum Thema „Zu Hause im Harz und in Indonesien“, Patricia Strauß hatte den „Winter in Island“ in Fotos festgehalten. Marcus Scholz hat noch als Schüler hier seine Fotos gezeigt. Und Barbara und Michael Reiser haben auch von ihren Reisen zum Beispiel aus Tibet schon Fotos ausgestellt.

Patienten sind begeistert

Die Patienten, die regelmäßig in die Praxis kommen, wissen dieses Engagement der Ärztinnen zu schätzen. „Das bringt Abwechslung“, versichert Margrit Krack, während sie im Wartezimmer sitzt. „Dass die Themen immer wieder wechseln, ist eine tolle Sache.“ „Man fühlt sich wohl“, ergänzt Janett Henschel, „das wertet alles auf. Und es ist nichts Liebloses, sondern Hochwertiges.“ Ihr gefällt auch, dass die Künstler auf einer extra Tafel vorgestellt werden. So wisse man auch, wer diese Bilder gemalt hat. Als Bereicherung für die Räume sieht das auch Renate Wollmann, es sei angenehm, nicht immer dieselben Bilder zu sehen.

In den nächsten Tagen ist in der Praxis am Lerchenweg wieder Bilderwechsel angesagt. Barbara Reiser kann sich dabei ganz auf ihren Mann verlassen, denn Michael Reiser übernimmt regelmäßig, die „alten“ Bilder abzunehmen und die „neuen“ aufzuhängen. „Vielfalt in Aquarell“ heißt die neue Ausstellung mit Bildern von Martina Conert aus Gersdorf. Das Praxisteam lädt am Sonnabend, 10. März, um 15 Uhr zur Eröffnung ein.