Kinder

Ranger-Ausbildung im Schutzanzug

Mit den Honigbienen starten auch die künftigen Juniorranger nach den Lockerungen der Corona-Pandemie jetzt richtig durch. Zur Ausbildung gehört das Wissen über Bienen. Imkermeister Ralf Bertram hat den Kindern eine Audienz bei einer Königin verschafft.

Von Anett Roisch
Hochbetrieb herrscht am Einflugsschlitz der Honigbienen in Kämkerhorst.
Hochbetrieb herrscht am Einflugsschlitz der Honigbienen in Kämkerhorst. Foto: Anett Roisch

Kämkerhorst/Mannhausen - Fleißig - wie die Bienen den Nektar - sammeln die künftigen Juniorranger bei ihrer Ausbildung Stempel in ihrer Übungsmappe. „Ich bin so froh, dass wir uns endlich wieder treffen können“, sagt Sabine Wieter, Mitarbeiterin für Umweltbildung in der Bios-phärenreservatsverwaltung Drömling.

Zwar hatten die jungen Naturschützer in der Pandemie stets von zuhause aus oder unterwegs mit ihren Eltern Aufgaben gelöst. Aber jetzt können die Kinder wieder von den Experten vieles über die Tiere und Pflanzen lernen.

Schutzanzüge für die kleinen „Bienenerforscher“

Imkermeister Ralf Bertram ist Naturwächter im sogenannten „Land der tausend Gräben“. Er verteilt Schutzanzüge und Hüte an die Mädchen und Jungen.

Ab geht es zum Bienenstock. „Warum verwenden wir Imker Rauch aus einen Smoker?“, möchte Bertram wissen. „Nein, wir wollen sie nicht betäuben“, sagt der Imker. „Die Bienen denken, dass der Wald brennt“, meint Paul. Und damit liegt der Achtjährige gar nicht so falsch. „Der Rauch veranlasst die Bienen, Proviant für etwa drei Tage aufzunehmen“, erklärt der Imker.

Durch den Einsatz des Rauchgerätes oder der Imkerpfeife, wie sie früher verwendet wurde, werde – nach den Ausführungen von Bertram – ein Jahrtausend alter Reflex bei den Bienen ausgelöst. Die Bienen lebten ursprünglich im Wald in alten hohlen Bäumen. Diese sind, genau wie die Holzkisten in denen sie heute leben, brennbar. Der Proviant sei eine Energiequelle, um nach der Flucht an anderer sicherer Stelle wieder neu anzufangen und Waben zu bauen. Da es aber Mangels des Feuers nicht so weit kommen werde und die meisten Bienen sich jetzt mit Futter vollgesaugt haben, seien sie ziemlich relaxt und würden mit vollen Magen erst mal abwarten.

Satte Bienen sind weniger angriffslustig

Und genau diesen entspannenden Zeitpunkt von satten Bienen machen sich der Imker und seine kleinen Helfer zunutze, um nicht gestochen zu werden und in aller Ruhe die Völker durchzusehen. „Das ist eigentlich nur ein simpler Trick, der aber immer wieder funktioniert“, sagt Bertram, der selbst keinen Schutzanzug und keinen Hut trägt, um den Kindern zu zeigen, dass sie keine Angst vor den summenden Insekten haben müssen.

Ganz genau wollen die Kinder wissen, wer alles in der „Beute“ wohnt. Zu den Bewohnern gehören die Drohnen. Aber was ist deren Aufgabe? „Die Drohnen - die männlichen Bienen – räumen ihr Zimmer nicht auf und werden gefüttert. Wie im wahren Leben - Papa liegt auf der Couch“, erklärt der Meister mit einem Augenzwinkern.

Drohnen haben einen sehr schweren Stand im Bienenstaat: Nach ihrer Aufzucht besteht ihre einzige Lebensaufgabe darin, eine Königin zu befruchten. Haben sie diese Aufgabe erledigt, endet ihr Leben auf tragische Weise. Die meiste Zeit herrscht also eine reine Frauenwirtschaft.

Die Bienenkönigin ist die Chefin im Stock

Doch wer regiert im Bienenstock? „Die Bienenkönigin. Sie ist dicker als die Arbeiterinnen“, weiß der achtjährige Til. Paul entdeckt die Majestät und verrät, dass er schon mal mit einem Imker zusammen Honig geschleudert hat.

Niemals sollten Laien auf eigene Faust einem Bienenvolk zu nahe rücken. „Wenn nicht genug Futter da ist, kann ein friedliches Bienenvolk zu einem Stechervolk werden“, warnt Bertram. Sehr häufig kam es – nach seinen Erzählungen - in der Vergangenheit vor, dass Kinder angegriffen worden. Dann könne es bis zu 600 Stiche geben. Es könnte dann auch lebensgefährlich werden.

Und weil die Drömlingsbienen an diesem Tag genügend Futter haben, gibt es keinen Ärger, auch nicht als die jungen Naturschützer mit den bloßen Fingern vom Honig naschen. „Das schmeckt so lecker“, sind sich die künftigen Juniorranger einig.