Haldensleben l Für das Schulschwimmen und den Kursbetrieb wird das Rolli-Bad am 31. August wieder öffnen. Das teilten die Stadtwerke, Betreiber des Bades, gestern mit. Das Schwimmbecken ist bereits wieder mit Wasser gefüllt, die neun Bad-Mitarbeiter sollen in den nächsten Tagen nach monatelanger Kurzarbeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Wegen Corona ist das Rolli-Bad seit mehr als fünf Monaten dicht.

Von der Öffnung werden vor allem Schüler profitieren. Wie Stadtwerke-Sprecherin Antje Streck berichtet, nutzten nach Belegungsplan 18 Schulen das Bad für den Schwimmunterricht. Im vergangenen Jahr zählten die Stadtwerke rund 15.000 Schülerbesuche, damit war jeder fünfte Badegast ein Schüler. Die Ferien enden in Sachsen-Anhalt am kommenden Mittwoch.

Neben dem Schwimmunterricht wird auch das Kursprogramm im Rolli-Bad fortgesetzt. Laut Streck mussten die Stadtwerke seit Mitte März 21 Kurse absagen, darunter neun Seepferdchenkurse. Diese würden nun erst einmal nachgeholt, bevor sich interessierte für neue Kurse anmelden können. Möglich sind dann etwa Aqua-Fitnesskurse, Kraul-Unterricht oder Meerjungfrauenschwimmen. An einem Kurs dürfen zwischen acht und 15 Menschen teilnehmen. Der Kursbetrieb sei „organisatorisch einfacher“, sagt Streck. Von den Kursteilnehmern werden Daten erfasst, sie sind zu festen Zeiten mit einem Kursleiter im Bad. Hingegen sind die Aussichten für alle anderen, die gerne ins Rolli-Bad zum Schwimmen oder Saunieren kommen würden, eher trübe.

Laut Bärbel Lehmann, Leiterin des Bades, ist der Mindestabstand von 1,50 Metern entscheidend. Wenn er nicht mehr eingehalten werden muss, wäre ein Betrieb mit mehr Besuchern möglich. Dass jedoch ist derzeit nicht absehbar. Unter den derzeitigen Voraussetzungen haben die Stadtwerke bereits gemeinsam mit dem Gesundheitsamt ein Öffnungskonzept erarbeitet. Der Betrieb wäre damit wenig wirtschaftlich. Deswegen ist es bislang bei der Schließung geblieben.

Auch andere Bäder der Region sind noch geschlossen. So etwa das Julius-Bad in Helmstedt oder das Nemo in Magdeburg. Es gibt aber auch Bäder, die bereits wieder geöffnet haben. Zu ihnen gehört die „Altmark Oase“ in Stendal. Bis zu 150 Menschen dürfen dort gleichzeitig im Bad sein, für den Saunabereich gilt dort eine Obergrenze von 26 Besuchern. Seit Anfang Juni hat das Bad wieder geöffnet.

Allerdings ist die „Altmark Oase“ größer als das Rolli-Bad. So sieht das erarbeitete Öffnungskonzept der Stadtwerke vor, dass sich nur 16 Besucher gleichzeitig im Rolli-Bad aufhalten dürften. Für ihren eineinhalbstündigen Badbesuch müssten sie sich ein Onlineticket kaufen. Täglich könnten nach diesem Konzept nur 64 Gäste ins Rolli-Bad kommen. Dort kostet eine Tageskarte 5,50 Euro. Mit den dann zu erwartenden Einnahmen würden die Betriebskosten bei weitem nicht gedeckt, betonte Lehmann schon Anfang Juni.

Schließzeit spart Geld

Allerdings ist der Badbetrieb auch regulär ein finanzielles Minusgeschäft – was nicht ungewöhnlich ist für kommunale Bäder. Beim Rolli-Bad betrug das auszugleichende Minus laut Streck zuletzt jährlich zwischen 400 000 und 650 000 Euro. Während der monatelangen Corona-Schließung konnten die Stadtwerke nun Betriebs- und Personalkosten herunterfahren. Deswegen erwartet das Unternehmen, das mehrheitlich der Stadt gehört, nun ein geringeres Minus. „Der Verlust wird wohl nicht ganz so hoch ausfallen in diesem Jahr“, sagt Lehmann.

Wenn sich an den Vorgaben zur Einhaltung des Mindestabstands in den kommenden Monaten nichts ändert, könnten viele Menschen das Bad für lange Zeit nicht besuchen. Denn ab Januar geht es womöglich schon mit der Sanierung los. Ursprünglich war diese erst im Mai geplant, bis Oktober 2021 sollte das Bad dann erneuert werden. Nun wollen die Stadtwerke früher beginnen. Ob es mit dem Baustart im Januar klappt, steht allerdings noch nicht fest.

Wenn es so kommt, würde das Bad allerdings trotzdem nicht früher wieder eröffnet, weil sich die Bauzeit nach den jüngsten Plänen verlängert hat. Sollte es im Januar losgehen, werde man den Plänen nach im Oktober fertig sein, sagt Lehmann.

Wenn die Freibäder schließen und die Seen zu kalt werden, könnte es für die Schwimmer im näheren Umkreis also schwierig werden. Lehmann ist das bewusst. „Ich weiß, das wäre bedauerlich für viele Badegäste“, sagt sie. Immer wieder hätten die Stadtwerke zuletzt Kunden vertrösten müssen. Wann das Rolli-Bad wieder für die Allgemeinheit öffne, könnten sie ihnen derzeit nicht sagen.

Die Kunden, die Treue- und Flatratekarten für das Rolli-Bad besitzen, sollen demnächst Geld zurückbekommen. „Wir werden die Guthaben aller Flatrate- und Treuekarten auszahlen“, kündigt Streck an. Entsprechende Formulare würden demnächst auf der Webseite des Unternehmens veröffentlicht (www.swhdl.de).