Ochtmersleben l Wenn der Weg von Günter Kohl, Ochtmersleber Ortsbürgermeister und Heimatfreund, in die Kurze Straße führt, geht ihm das Herz auf. Eines der ältesten Häuser Ochtmerslebens – das wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammt – hat hier in den vergangenen Jahren dank Andreas Schindler und seiner Partnerin Melanie Buhlert einen deutlichen Wandel erfahren.

Wer das Grundstück nicht kannte und wer das Haus heute sieht, kann fast nicht glauben, woran sich Günter Kohl noch erinnert. „Das war das letzte Ruinengrundstück, das wir noch in Ochtmersleben hatten und es hat uns sehr gestört“, sagt er. Auf dem Hof waren alte Ställe, in denen früher Rinder und Schweine gehalten wurden, auf der anderen Seite eine teilweise eingestürzte Scheune. Dazwischen war mitten auf dem Hof ein großer Mistberg. Um das Wohnhaus stand es nach der politischen Wende nicht besser. „Es war runtergewohnt, zum Teil auch einsturzgefährdet“, findet Günter Kohl Worte. Anschließend hat es knapp 25 Jahre leer gestanden, so dass der Verfall weitergehen konnte.

2015 im Internet entdeckt

Und doch ließen sich Melanie Buhlert und Andreas Schindler, die einst in Magdeburg wohnten, darauf ein, als sie im Herbst 2015 zufällig im Internet auf den Verkauf des Grundstücks stießen. Als sie zum ersten Mal auf dem Hof standen, empfanden sie es, als befände sich dieser in einem Dornröschenschlaf. Alles war damals mit Strauchwerk zugewuchert. „Meine Frau sagte: ‚Das ist traumhaft‘“, erinnert sich Andreas Schindler.

Viel Zeit investierte die Familie seitdem in die Sanierung des Hofes, baute ihn Stück für Stück wieder auf. Erst den ehemaligen Stall, dann das Nebengelass, das heute als Wohnhaus genutzt wird. Im vergangenen Jahr wurde mit der Sanierung des eigentlichen Wohnhauses begonnen. „Es soll ein Familiengrundstück werden“, nennt Andreas Schindler das langfristige Ziel. Im Oktober 2016 bereits ist die Familie hier richtig eingezogen.

Die Außenhülle des Haupthauses lässt erahnen, mit wie viel Akribie Andreas Schindler und Melanie Buhlert ihr Ziel verfolgen – nicht zuletzt auch immer unter den Vorgaben des Denkmalschutzes. „Nach Originalvorlagen haben sie das Haus wieder aufgebaut“, zeigt Günter Kohl seine Anerkennung. So wurden beispielsweise das Dach komplett erneuert, Holzfenster wieder eingesetzt und das Fachwerk zu 80 Prozent wieder neu ausgemauert. Um die bisherige Optik des Fachwerkes zu erhalten, wurden von jedem Fach vor dem Erneuern Fotos gemacht.

Ebenso wurde der angrenzende Torbogen einer Schönheitskur unterzogen. Andreas Schindler erinnert sich noch genau an das Neuverfugen und an die Erneuerung der Krone und der Tore. Auch wenn das Haupthaus äußerlich schon einem Schmuckstück gleicht, wissen die Hofbesitzer noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Vieles wird auch weiterhin in Eigenleistung passieren. Aber: „Wir haben in drei Jahren schon viel geschafft“, resümiert Andreas Schindler.