Haldensleben l In der sechsten Unterrichtsstunde fällt den meisten Kindern der Erich-Kästner-Grundschule das Lernen nicht mehr ganz so leicht. Auch deshalb werden zu diesem Zeitpunkt die Arbeitsgemeinschaften angeboten. In der AG „Junge Sanitäter“ rufen die Mädchen und Jungen ebenfalls durcheinander, was sie zu sagen haben. Aber sie machen alle mit, als Manuela Krimphove kurz vor Weihnachten noch einmal abfragt, welche Wunden und Verletzungen gerade um die Weihnachtszeit, um Silvester und im Winter auftreten können.

Kinder kennen sich aus

„Man kann ausrutschen und sich ein Bein brechen“, sagt ein Junge, ein Mädchen ergänzt: „Oder auf den Hinterkopf fallen!“ Verbrennungen durch Kerzen, halb erfrorene Personen, das richtige Verhalten beim Einbrechen ins Eis oder bei Verletzungen durch Silvesterknaller: Die Viertklässler, die sich einmal wöchentlich zur Arbeitsgemeinschaft „Junge Sanitäter“ treffen, kann nichts mehr schocken.

Besonnen und mit Durchblick wiederholen sie mit Manuela Krimphove, was sie gelernt haben: Zum Beispiel die verschiedenen Verbrennungsgrade, die es gibt, die erste Wundversorgung und das richtige Verhalten im Notfall. „Einen Lehrer oder Erwachsenen holen“, steht dabei immer ganz weit oben auf der Liste.

Denn die jungen Sanitäter werden nicht ausgebildet, um in Notfällen alleine zu handeln – dazu sind sie noch zu jung. Sie lernen aber, Gefahrensituationen richtig einzuschätzen und in solchen besonnen einzugreifen. Manuela Krimphove betreut seit 2017 zwei Arbeitsgemeinschaften – eine Sanitätergruppe mit Viertklässlern und eine mit Drittklässlern.

Die Leiterin der AG rief die „Jungen Sanitäter“ als interessierte Mutter ins Leben. Da ihr ältester Sohn Mitglied der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes ist, fuhr Manuela Krimphove öfter mit zu Wettkämpfen und kam dabei auch mit Schulsanitätern in Kontakt. Sie entschied sich, selbst so eine Arbeitsgemeinschaft an der Haldensleber Kästner-Schule, an der ihr Kind damals lernte, ins Leben zu rufen. Und sie blieb bis heute dabei.

Zu Beginn wenig Erfahrung

Anfangs hatte Manuela Krimphove nicht viel Erfahrung, sondern lediglich die Idee und den Willen, die „Jungen Sanitäter“ an der Schule zu gründen. Beim Verkehrserziehungsprojekt der Einrichtung ermittelte sie die zuständigen Ansprechpartner des DRK und absolvierte einen Grundkurs – die „Einführung in den Schulsanitätsdienst“. Mittlerweile ist Manuela Krimphove selbst ins DRK eingetreten und hat regelmäßig Weiterbildungen absolviert. Oft trifft sie sich auch mit Gruppenleitern anderer Schulsanitäter – dann werden Erfahrungen und ausgetauscht. Die Kästner-Kinder können als Drittklässler in die Arbeitsgemeinschaft einsteigen. „Im Grundkurs lernen sie dann erstmal die Grundlagen des Sanitätsdienstes“, erklärt Manuela Krimphove. Am Ende des Grundkurses stehe den Kindern eine Abschlussprüfung mit Theorie- und Praxisteil bevor. Für den praktischen Teil werde im Rollenspiel eine Verletzung simuliert.

Manuela Krimphove legt sich aber das ganze Jahr über ins Zeug, um den Schülern so anschaulich wie möglich die Arbeit als Jungsanitäter zu vermitteln. So hat sie im Sommer extra einen Kurs des DRK im Wundenschminken mitgemacht. Die Mädchen und Jungen in ihrer Arbeitsgemeinschaft können nun gar nicht mehr genug davon kriegen, lebensnahe Wunden geschminkt zu bekommen und diese dann verarzten zu dürfen. Die Viertklässler, die Manuela Krimphove betreut, sind dann schon echte Profis, was den Schulsanitätsdienst angeht. „Sie haben sich auf dem Schulhof eine Bank ausgesucht, wo sie in den großen Pausen zu finden sind“, sagt die AG-Leiterin und lacht. Sie ist stolz auf ihre Schützlinge, denn die konnten nicht nur schon in brenzligen Situationen einschreiten, sondern machen andere Kinder auch auf mögliche Gefahren auf dem Schulhof aufmerksam. „Es kamen sogar schon erstaunte Familienmitglieder zu mir, die gesagt haben, dass die Kinder kleine Wunden bei ihnen versorgt haben“, erinnert sich Manuela Krimphove. Und auch bei Wettkämfen haben die Kästner-Sanitäter schon gezeigt, was sie können.

Einzige Grundschule mit jungen Sanitätern

Die Erich-Kästner-Grundschule ist derzeit die einzige Haldensleber Grundschule, die junge Sanitäter ausbildet – also einen Schulsanitätsdienst besitzt. Schade findet Manuela Krimphove allerdings, dass keine der weiterführenden Schulen dies anbietet. Trotzdem wird sie nicht müde, die Arbeitsgemeinschaft zu leiten. Auch 2020 soll es mit den jungen Sanitätern weitergehen.