Wieglitz l „Wir hatten bereits viele Veranstaltungen mit Musik, Puppenspiel und Lesungen. Unser Haus war stets gut gefüllt. Aber zu der heutigen Veranstaltung gab es so viele Anmeldungen, dass wir jetzt hoffen, dass alle einen Sitzplatz bekommen“, sagte Astrid Leischwitz, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenrates.

Lars Düseler, Max Heckel und Aron Thalis, die drei Kopinsky-Musiker, brachten noch ihre Hosenträger in die perfekte Position, bevor sie sich an ihre Instrumente setzten.

Der Titel des Programm „verbrannte Lieder“ und die Ankündigung von Sauerkrautmusik brachte weitere Fragen auf. „Sicher steckt hinter den ungewöhnlichen Bezeichnungen ein tiefer Sinn. Wer Max Heckel kennt, weiß, dass hier nichts von ungefähr kommt“, war sich die Gastgeberin sicher.

Mit Kopinsky betritt ein neues musikalisch-literarisches Kleinkunstkollektiv die Bretter der Welt. Als Solo, Duo oder Trio haben die Drei globale Wurzeln: Irgendwo zwischen Country, Liedermacher und Sauerkrautmusik. „Sauerkrautmusik“ erfülle als Stilbeschreibung zweierlei Funktionen. „Erstens, niemand weiß, was sich dahinter verbirgt. Zweitens, es gibt glücklicherweise Menschen, die nachfragen, weil es sie neugierig macht. Warum sollten wir uns in eine formgerechte Stilschublade pressen, wenn es dafür doch ein Wort gibt, das uns alle Möglichkeiten offen lässt: Daher also „Sauerkrautmusik“, erklärten die Drei.

Deutsch wird gesungen

Die Gruppe singt am liebsten deutsch. „Wir machen darüber hinaus auch englischsprachige Musik“, betonte der Frontmann Heckel aus Tangermünde und erzählte von einer Diskussion mit einem Politiker, wobei es um die Frage ging, wie viele englische Songs im Radio zu hören sein dürfen. „Ich kenne viele Menschen, die lieber Wagner hören als YouTube.“ Er appellierte, dass 90 Prozent der Musik im Radio auf deutsch sein muss.

Durch diese Debatte ist er darauf gekommen, Autoren aufzugreifen, deren Werke 1933 von den Nazis verbrannt wurden. Deshalb auch das Programm „Verbrannte Lieder“. Das Kopinsky-Trio spielte Lieder von Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch und Stefan Zweig. Als erstes Stück erklang ein vertonter Text von Heinrich Heine. „Heine hätte – meines Erachtens – gut in die Reihen der Patrioten gepasst, wenn er nicht Jude gewesen wäre“, sagte Heckel und sorgte mit den Texten, die aktuell damals wie heute erscheinen, für stille Bestürzung und Gänsehautmomente. Der Sänger machte das Publikum auf Texte der verbrannten Werke aufmerksam. Darin war auch beschrieben, was 1933 im Sinn der Rassenlehre der Nazis alles verboten wurde. „Mir wird Angst und Bange bei dem, was gerade passiert“, gestand Heckel.

Das Lied „Annabel Lee“ widmete Heckel seiner Mutter, die an Leukämie erkrankt war und starb. „Meine Mama hat vier Monate gekämpft wie ein Löwe. Allen, die hoffen, geliebte Menschen an einem anderen Ort wiedersehen zu dürfen, sei das Lied wie ein Wegbegleiter. Ich widme es allen Achtsamen“, erklärte Heckel.

„Was braucht es der Worte mehr…?“, fragte Astrid Leischwitz und bedankte sich beim Trio mit einer Art Wegzehrung und bei den Gästen, die einige Zugaben verlangten. Ein Dankeschön ging an den Landkreis Börde für die finanzielle Unterstützung, an die politische Gemeinde Bülstringen und an alle, die für die Versorgung vor dem Konzert und in der Pause sorgten. Ein Lob ging an Reinhard Schulze und seinem Zeltaufbauteam sowie an alle stillen Helfer im Hintergrund.